SPD-Mitglied gibt Amt ab

Peter Jahnkes Tipp: „Probier's mal mit Gelassenheit“

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„Ich habe es gern gemacht“: Der Platz des Stadtrats-Vorsitzenden ist für Peter Jahnke ein lieb gewonnener Ort geworden. Dennoch hat er den Vorsitz nach zehn Jahren abgegeben: Dieses Amt vertrage sich nicht mit seiner neuen Funkton als SPD-Fraktionschef, so Jahnke.

Syke - Von Frank Jaursch. Applaus von allen Fraktionen – das gibt's nicht allzu oft im Syker Stadtrat. Bei der letzten Sitzung vor der Sommerpause gab es wieder einen dieser seltenen Momente. Das höchste Gremium der Stadt bedankte sich so bei Peter Jahnke (SPD), der zehn Jahre lang das Amt des Ratsvorsitzenden innegehabt hatte.

Rund 100 Sitzungen mit mehr als 2000 Tagesordnungspunkten hat Jahnke geleitet. Im Gespräch mit der Kreiszeitung blickt der 64-Jährige zurück. „Eigentlich“, findet er, „hab ich's ganz gut hingekriegt.“

Der Sozialdemokrat hatte gerade mal fünf Jahre als Ratsmitglied hinter sich, als er 2006 die Nachfolge von Walter Huntemann antrat. Der hatte einen „formalistischeren Stil“, durch die Sitzungen zu führen, erinnert sich Jahnke schmunzelnd. „Meine Art ist eine ganz andere.“

Ziemlich aufgeregt sei er gewesen bei seiner Premiere, räumt er ein. Doch er fand schnell das Gespür dafür, wo man seiner Ansicht nach die Vorschriften ein bisschen beiseite lassen konnte. „Da hab ich hier und da schon mal Sachen zugelassen, die nicht der Geschäftsordnung entsprechen.“

Wenn also in der Bürgerfragestunde ein Bürger keine Frage stellte, sondern nur ein Statement abgab, war das kein Beinbruch. Und es kam auch schon mal vor, dass die Bürger außerhalb der Sprechstunden zu Beginn und am Ende der Sitzung zu Wort kamen. „Der Rat muss auf die Bürger zugehen“, begründet Jahnke, „und das nicht mit Formalien unterbinden.“

Im Umgang mit den Fraktionen half ihm vermutlich auch sein Beruf als Lehrer. „Mit Schülern lernt man gegenseitige Rücksichtnahme. Und man pflegt Kommunikation“, ist sich Jahnke sicher.

Auch mal ein Auge zudrücken

Auch bei Ratsmitgliedern drückte der Vorsitzende mal ein Auge zu – etwa, wenn die Wortbeiträge länger waren als eigentlich erlaubt. Doch wenn er es für nötig hielt, ging er dazwischen. Unabhängig von der Fraktionszugehörigkeit: „Klar hab ich auch Kollegen aus der eigenen Fraktion gerügt!“

Das Amt bringt Verantwortung mit sich – und verpflichtet zu besonderer Vorbereitung. „Man muss alle Tagesordnungspunkte genau kennen“, erzählt Jahnke. Es könnte schließlich immer Unvorhergesehenes passieren, ein neuer Antrag zum Beispiel. Wenn man dann nicht fit im Thema ist, „hat man da vorne schlechte Karten“.

Manchmal zeigte Peter Jahnke auch klare Kante. Etwa, wenn es beleidigende Töne gab – von Ratsmitgliedern, aber auch von Zuschauern. Jahnke spricht sich für mehr Achtung vor dem Ehrenamt des Kommunalpolitikers aus.

Seinen Posten hat Peter Jahnke nur ungern aufgegeben. „Ich habe das wirklich gern gemacht.“ Doch als er jetzt das Amt des Fraktionsvorsitzenden der SPD von Heinfried Schumacher übernahm, musste er sich entscheiden: „Beides geht nicht.“

Als Fraktionschef dürfte man künftig an den Ratssitzungen mehr zu den Sachthemen von Peter Jahnke hören als bislang. Die Sitzungsleitung aber wird in anderen Händen liegen.

Ob er einen Tipp für seinen Nachfolger oder seine Nachfolgerin hat? Jahnke überlegt kurz – dann lächelt er und sagt: „Probier's mal mit Gelassenheit.“

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