„Perspektivwechsel“ zurück in Syke

„Darüber berichtet keiner“

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Gruppenbild mit (Ab-)Stempelkissen (v.l.): Gabriele Beständig, Renate Bühn, Suse Laue, Wiebke Scharathow, Sara Appelhagen, Harun Uludasdemir und Kirsten Laging-Yilmaz.

Von Angelika Kratz. Je ein heller und ein dunkler Schaumkuss mit dem Konterfei von zwei jungen Frauen unterschiedlicher Hautfarben begrüßen momentan die Besucher im Rathaus. Nicht nur diese Objekte sorgen für Erstaunen, sicherlich für so manches Stehenbleiben. Bis zum Ratssaal und in den Gängen der Stadtbibliothek kann jeder sich auf den Weg des Perspektivwechsels, so der Titel der aktuellen Ausstellung, machen.

Entstanden ist sie 2010 und 2011 als Gemeinschaftsprojekt vieler Syker Jugendlicher in Kooperation mit dem Paritätischen Jugendwerk, dem Mädchenkulturhaus Zebra Orange und Intakt, sowie den Schulen. Nach der Eröffnung in Hannover reisten die Werke nach Hamburg, Bremen bis nach Achim und erregten große Beachtung hinsichtlich der oft negativen Erfahrungen junger Menschen mit Migrationshintergrund, deren künstlerischer Umsetzung und ehrlicher Sichtweise.

Nach den vielen Stationen wurde alles gut verstaut. Nun freute sich Renate Bühn (Zebra Orange), auch im Namen ihrer am Projekt beteiligten Kolleginnen Sara Appelhagen und Wiebke Scharathow, alles hinsichtlich der Aktualität der Themen Diskriminierung, Ausgrenzung und Rassismus wieder vom Speicher holen zu können.

„Als wenn sie hierher gehören würden“, bestätigte Bürgermeisterin Suse Laue, den richtigen Platz für die Ausstellung gefunden zu haben. Ein Perspektivwechsel sei bei der aktuellen Flüchtlingslage notwendiger denn je, um Sykes gelebtes, buntes Image aufrecht zu erhalten.

Ortsbürgermeisterin Gabriele Beständig bedauerte in ihren Grußworten, keine deutsche Schulklasse begrüßen zu können. „Es wäre schön gewesen“, konnte Harun Uludasdemir, einer der Künstler, hinsichtlich der kleinen Runde bestätigen. „Wo sind die Leute, die davon sprechen und sich beschweren?“ Sein Zorn auf die Oberflächlichkeit der Gesellschaft überschlug sich fast. Die eigenen Werke wollte er nicht kommentieren – viel hätte sich für ihn geändert.

Mit dabei von der Künstlergruppe war auch Duygun Suer mit ihrer ganz anderen Sichtweise. Längst stehe sie auf eigenen Beinen und sei stolz auf die damaligen tollen Abschlüsse in der Schule und die sich anschließenden Ausbildungen aller Beteiligten.

Künstler von damals –

Erwachsene von heute

„Darüber berichtet keiner in den Medien, nur über negative Dinge“, so Dygun Suer. Sie würde jeden Tag bei solch einem Kunstprojekt wieder mitmachen, auch wenn es vielleicht nur fünf Menschen erreichen würde. „Es war eine super Erfahrung. Wir haben viel Respekt und Toleranz geschenkt bekommen.“

Renate Bühn stellte per Beamer alle Werke und ihre mittlerweile erwachsen gewordenen Künstler vor. Viele von ihnen kamen im Laufe der Veranstaltung und freuten sich über ein Wiedersehen. Längst wohnen nicht mehr alle in Syke, haben teilweise Kinder bekommen, stehen im Beruf.

Es lohnt, sich auf einen Rundgang zu begeben. Neben jedem Werk hängen Texte, die in ihrer Aussagekraft mindestens so spannend wie die Werke selber sind. Die Möglichkeit besteht dazu bis zum 3. März zu den Öffnungszeiten von Rathaus und Bibliothek.

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