Paul Bartsch Trio beeindruckt im Westflügel

Von Heimat und von Schieflagen

+
Paul Bartsch (l., mit Keyboarder Sander Lueken) spielte am Sonntag im Westflügel.

Von Dieter Niederheide. Ein reizvoller Gegensatz im Saal des Westflügels: Auf der einen Seite die kraftvollen Gitarrenklänge, in perfekter Harmonie mit dem Keyboard – auf der anderen Seite die Inhalte der Lieder: oft kritisch auf die Schieflage der Gesellschaft gezielt. Paul Bartsch hinterließ am Sonntag gemeinsam mit Thomas Fahmert (Gitarre, Geige, Gesang) und Sander Lueken (Keyboard) einen bleibenden Eindruck.

Der Inhalt seiner Lieder ist schnörkellos und gerade heraus, die Zuhörer verlassen nachdenklich wirkend den Saal. Sie gehen aber noch nicht heim. Es gibt ja noch was Leckeres zum Essen.

Für das Trio war das Konzert im Westflügel Auftakt zur Nordtour – schon heute Abend treten er und seine Band in Dänemark auf. In einigen seiner Lieder kommen seine Jahre in der DDR zum Ausdruck. Er, der Liedermacher, singt von schlafenden und dann tanzenden Hunden, von denen die Stadt voll ist und die man besser nicht aufweckt.

Das Trio besingt die Heimat, fragt, wo denn Heimat ist. Um am Ende des gleichnamigen Liedes zu singen: „Vielleicht sind Heimat jene Menschen, die ich liebe, vielleicht die Worte, die wir brauchen und versteh‘n, vielleicht auch die Gewissheit, dass ich dort nur bliebe, wo man mir jederzeit erlaubte, fortzugeh‘n.“ Für Bartsch ist Heimat mehr ein Gefühl von Vertrauen. Es ist vorbei mit der verordneten Heimat.

Unverkennbar findet sich im Stück „Buttje“ das Grimmsche Märchen vom „Fischer und seine Frau“ wieder, alles mit einem Augenzwinkern. In der Ballade vom „Zirkus-Tiger“ beschreibt er die Gefühle der Ostdeutschen nach und vor der Wende aus der Perspektive des Zirkustigers. Und er singt, dass irgendwer doch wissen muss, wo es lang geht – oder er macht Mut im Lied „Es ist nie zu spät“.

Die „Bordkapellen Ouvertüre“ darf im Programm nicht fehlen, ebenso nicht der „Ikarus“, in dem er hören lässt: „die Flügel waren fast fertig, aber die Mauer fiel um“.

Das Trio beeindruckte am Sonntag die Zuhörer in Syke – so wie bereits bei seinem ersten Auftritt im Westflügel vor etwa einem Jahr am Ende seiner Nordtour. Die Lieder sind aussagekräftig, stimmen nachdenklich und gehen nicht so schnell aus dem Ohr. Passend zum Liedprogramm trug Ines Rajewski zur Einleitung ein stimmungsvolles Gedicht vor.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Green Circus auf dem Deichbrand Festival 2017

Green Circus auf dem Deichbrand Festival 2017

Holtebütteler Plattsnackers spielen „Chaos in’t Bestattungshuus“ 

Holtebütteler Plattsnackers spielen „Chaos in’t Bestattungshuus“ 

Nach Sommergewittern kommt Herbstwetter

Nach Sommergewittern kommt Herbstwetter

Beachparty in Schwarme

Beachparty in Schwarme

Meistgelesene Artikel

14-Jähriger kracht auf der Flucht vor Polizei in Gaststätte

14-Jähriger kracht auf der Flucht vor Polizei in Gaststätte

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

Mächtiger Allrounder im Team - 300.000 Euro schwer

„Summer in the City“: Besucher wünschen sich Fortsetzung

„Summer in the City“: Besucher wünschen sich Fortsetzung

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Philip Sander löst Simon Hammann als Schützenkönig von Twistringen ab

Kommentare