Traute Dittmann und Ursel Meyer erinnern an niederdeutschen Autoren Heinrich Schmidt-Barrien

Pastorensohn mit großem Vermächtnis

Ursel Meyer (l.) und Traute Dittmann stellten eine Reihe von Werken von Heinrich Schmidt-Barrien vor. - Foto: Husmann

Syke - Premiere im Kreismuseum: Plattdütsch op de Deel in einem neuen Format mit dem Titel „Se hebbt ehr Book dichtmookt“. Dabei soll es um Leben und Werk verstorbener plattdeutscher Autoren aus dem Landkreis Diepholz gehen. Den Anfang machten Traute Dittmann und Ursel Meyer mit dem wohl bekanntesten niederdeutschen Autor Heinrich Schmidt-Barrien (1902 – 1996), der Romane und Erzählungen, Lyrik, Theaterstücke und Hörspiele verfasste.

Passend zum bevorstehenden 20. Todestag hatten die beiden diesen Termin gewählt. Bei ihren Erinnerungen wurde es sehr persönlich – und zweisprachig. Denn auch in Hochdeutsch hat der Schriftsteller einiges an Geschichten hinterlassen.

Zunächst begrüßte Hausherr Ralf Vogeding die Gäste bei Kaffee und Butterkuchen und referierte ein wenig zum Leben von Schmidt-Barrien, eigentlich Heinrich Adolf Schmidt. Der Pastorensohn wuchs in Barrien auf und fing auch hier an mit seinen nachweisbaren dichterischen Übungen. Dazu zählten auch seine amüsanten Betrachtungen über das große Pfarrhaus in Barrien, „Leben im Barrier Pfarrhaus“, sowie das unterschiedliche Plattdeutsch in seiner alten Heimat und hier. Später verfasste Schmidt-Barrien auch ein Spiel für die Barrier Kirche. Sehr lustig seine Aufzeichnungen über die Streiche, die er und sein Zwillingsbruder verzapften; so ihre Versuche, aus den großen Orgelpfeifen, die sie aus der Orgel herausschraubten, ein Lied herauszuholen.

Nach der Volksschule in Hamelwörden an der Elbe besuchte er die Realschule; von 1913 bis 1920 das Alte Gymnasium Bremen – zu dem er von Barrien aus hinfuhr – und von 1920 bis 1921 eine kaufmännische Schule ebenfalls in Bremen. Eine Großhandelslehre eröffnete ihm den Weg zum kaufmännischen Angestellten in Schlesien, wo er später in Breslau bis 1929 eine Buchhandlung führte. Zurück in der alten Heimat hier in der Gegend leitete er die Kulturabteilung der Bremer Böttcherstraße von 1932 bis 1941. In dieser Zeit entstanden die plattdeutsche Novelle „De Windmöller“ und der hochdeutsche Roman „Ihr Kleinmütigen“.

Zu den Geschichten gesellten sich poetische Produkte der beiden Organisatorinnen. Schließlich haben auch sie – mal mit, mal ohne Unterstützung des einstigen Radiosprechers – etliche Werke verfasst und dafür Preise kassiert.

Zum jahreszeitlich stimmungsvoll-witzigen Abschluss las Traute Dittmann die Kurzgeschichte von Schmidt-Barrien „De Weg na Huus an’n Wiehnachenabend“. Da ist der Schriftsteller als 12-Jähriger mit seinem Bruder unterwegs, um die Weihnachtsgans vom Bauern zu holen und dabei schräge Erfahrungen bei Kaffee und Keksen zu machen. Zum Nachdenken über die Vergänglichkeit irdischen Ruhmes berichtete Dittmann, dass es kaum noch Bücher des seinerzeit so erfolgreichen, mehrfach preisgekrönten Autors zu kaufen gibt.

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