Kontaktbeschränkungen schreiben Regeln für Sommerpredigt-Reihe neu

Pastoren auf Literatur-Tour

Auch in diesem Jahr stehen in den Syker Kirchen während der Sommerzeit wieder die Gottesdienste mit literarischer Inspiration auf dem Programm. 
Foto: Michael Walter
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Auch in diesem Jahr stehen in den Syker Kirchen während der Sommerzeit wieder die Gottesdienste mit literarischer Inspiration auf dem Programm. Foto: Michael Walter

Barrien – Es gibt ja diese Legende vom verflixten siebten Jahr, das angeblich ganz besondere Schwierigkeiten und Herausforderungen mit sich bringen soll. Ursprünglich mal nur auf Ehepaare bezogen, hat sich das im Lauf der Zeit auf viele andere Lebensbereiche übertragen. Für die Pastoren aus Syke, Barrien und Heiligenfelde steht fest: An der Legende ist was dran. Zumindest, was ihre Sommer-Reihe „Lesezeichen“ betrifft.

Für die ist das verflixte siebte Jahr buchstäblich ein Seuchenjahr. Und die Pastoren standen vor der Frage: Sollen wir diese besondere Predigtreihe ausfallen lassen, wie so viele andere Veranstaltungen, oder bekommen wir das trotz Corona vernünftig auf die Reihe?

Sie haben’s hingekriegt. Obwohl: „Wir mussten ein bisschen umdisponieren“, untertreibt Susanne Heinemeyer beim Pressegespräch im Hachehuus in Barrien. Denn die Abläufe sind völlig anders als in den sechs Jahren zuvor.

Bisher war es so: An jedem Sonntag während dieser Predigtreihe gab es immer nur einen gemeinsamen Gottesdienst für alle drei Kirchengemeinden, bei dem der Pastor vom Dienst dann ein Buch seiner Wahl vorstellte. Und die Besucher kamen dazu aus allen drei Gemeinden zusammen.

Das ist dieses Jahr nicht möglich. Denn genau solches Kirchen-Hopping soll ja im Sinne der Kontaktbeschränkungen vermieden werden.

In Corona-Zeiten lautet das Prinzip: Die Padres gehen auf Tournee. Susanne Heinemeyer erklärt: „Es gibt jeden Gottesdienst in allen drei Kirchen.“ Und in allen läuft dann sozusagen zeitversetzt das gleiche Programm. In Heiligenfelde um 9.30 Uhr, in Syke um 11 Uhr und in Barrien um 18 Uhr.

„Wir haben dann halt ein bisschen mehr Einsatz“, sagt Heinemeyers Kollegin Katja Hedel. „Aber so können mehr Menschen daran teilnehmen. Wir wären sonst ja allein schon durch die Abstandsregeln sehr limitiert.“

In der Barrier Kirche gibt es gegenwärtig gerade mal 26 Einzelplätze, in Heiligenfelde sind es sogar unter 20, und selbst in die große Christuskirche in Syke dürfen momentan maximal 40 einzelne Besucher. „Wenn Paare und Familien kommen, wären es natürlich mehr“, sagt Katja Hedel. „Die dürften ja zusammensitzen.“ Und Christian Kopp ergänzt: „Wir könnten auch noch Stühle stellen. Dann dürften noch ein paar mehr rein.“ Aber es könnte halt eng werden, weil die Lesezeichen-Reihen ja bisher immer extrem gut besucht gewesen sind.

„Deshalb wären Anmeldungen diesmal sehr sinnvoll“, sagt Christian Kopp. „Dann können wir noch ein bisschen mehr steuern. Wenn wir zum Beispiel sehen, dass Heiligenfelde schon voll ist, aber es in Syke noch Platz gibt.“

Christian Kopp eröffnet die Sommerreihe am 19. Juli mit „Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende. „Das Buch hatte ich schon in der Hand, als ich noch gar nicht richtig lesen konnte“, erzählt er. „Weil ich von den Bild-Vignetten am Anfang der Kapitel so fasziniert war.“ Auch die Geschichte um Bastian, Atreju und die Kindliche Kaiserin hat ihn fasziniert. Sie fasziniert ihn immer noch. „Je älter ich werde, desto anders lese ich dieses Buch. Das ist 1979 erschienen, aber in vielen Dingen aktueller denn je. Zum Beispiel wenn es um die Macht der Lüge geht und wenn Fantasie und Glaube mit Füßen getreten werden.“

Den zweiten Teil der Reihe gestaltet Johanna Schröder. Am 26. Juli liest sie aus „Oscar und die Dame in Rosa“ von Eric-Emmanuel Schmitt. Ein ernstes Buch. Oscar ist zehn Jahre alt und weiß, dass er nur noch wenige Tage zu leben hat.

Katja Hedel hat sich für den 2. August ein Sachbuch ausgesucht: „Die Geschichte der Bienen“ von Maja Lunde. „Das ist ein Thema, das ich einfach spannend finde“, sagt sie. „Welche Bedeutung so was Kleines auf unser Leben haben kann.“

Albertje van der Meer ist am 9. August an der Reihe. Mit „Denn es will Abend werden“ von Anna Enquist hat sie sich ein Buch ausgesucht, das sich mit Schicksalsschlägen, Verlust, Tod und Sterben auseinandersetzt.

Marikje Smid hat sich für den 16. August das dickste Buch der diesjährigen Reihe ausgesucht: „Effingers“ von Gabriele Tergit ist quasi eine doppelte Familien-Saga. Das Buch schildert das Schicksal zweier jüdischer Familien in der Zeit von 1878 bis 1948. „Sehr toll geschrieben“, sagt Smid. „Sehr viele Dialoge, sehr viele Schnitte. Es ist fast so, als ob man einen Film sieht.“ Ungewöhnlich für einen Roman, der 1932 begonnen und 1950 vollendet worden ist. Das Buch ist zunächst wenig beachtet worden. „Gleich nach dem Krieg wollte so was keiner lesen“, sagt Smid. „Jetzt ist es neu aufgelegt worden. Man sagt immer: Das sind die jüdischen Buddenbrooks. Das mochte die Autorin nicht hören. Aber ich finde, das trifft es ganz gut.“

Zum Ende der Sommerreihe setzt Susanne Heinemeyer dazu quasi den Kontrapunkt, was den Umfang betrifft. Am 23. August stellt sie in ihrer Predigt mit „Namiko und das Flüstern“ von Andreas Séché ein eher schmales Büchlein vor, das nicht annähernd so komplex ist und „das man vielleicht sogar an nur einem langen Sommerabend durchlesen kann“. Ein Berliner Journalist soll über die historischen Gärten von Kyoto schreiben. Dabei lernt er eine Frau kennen, die ihm eine völlig neue Sichtweise zeigt. Auf die Gärten und letztlich auch auf das eigene Leben. „In einer wunderbar poetischen Weise geschrieben“; sagt Heinemeyer und findet: „Das zu lesen, ist ein Genuss.“

Von Michael Walter

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