Michael Frowin beeindruckt im ausverkauften Gleis 1 als Chauffeur der Kanzlerin

Parforceritt durch die Widrigkeiten der modernen Welt

Kabarettist Frowin machte Halt im Gleis 1. Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Claudia Spalkhaver. Ein Mann versucht, mit seiner Funkfernbedienung ein Auto zu öffnen – es gelingt nicht. So begann am Freitagabend im ausverkauften Gleis 1 ein Parforceritt durch die Widrigkeiten der modernen Welt.

Michael Frowin, der Chauffeur der Kanzlerin Angela Merkel, ist in der Lausitz irgendwo im Nirgendwo gelandet, wartet auf seine Chefin und macht sich so seine Gedanken über das Verhältnis von Mensch zu Maschine. Passen die zwei zusammen – oder können die etwa gar nicht miteinander? Über diese Frage und viele andere setzt er sich mit den Menschen auseinander, die in dem kleine Ort an der Bushaltestelle auftauchen. Da ist Gunnar, Frowins Bekannter, ein Lobbyist, die Einheimischen Kurt, Bernhard und Manni und Frau Merkel. Schließlich fängt auch noch Frowins Dienstfahrzeug an, mit ihm zu reden und zu diskutieren. Der Audi A8 stellt sich als José vor und spricht mit einem entzückenden spanischen Akzent: „Manne kanne ßich ßeine Parrtnerrr in Läbe nicht außßuchen“.

Jetzt kann man sich fragen, ob diese vielen Personen auf der recht kleinen Bühne im Gleis 1 überhaupt Platz haben – und, war das nicht eigentlich als Soloprogramm von Michael Frowin angekündigt? Nun, Frowin, der eine Schauspiel- und Gesangsausbildung absolviert hat, braucht keine anderen Akteure, er spielt sie alle selbst. Grandios, wie Frowin jedem einen individuellen Charakter und Sprachduktus verleiht und damit beim Publikum Begeisterung auslöst.

Der Chauffeur startet zu einem großen Rundumschlag über die aktuellen Themen, die die Welt, oder zumindest ihn, bewegen. Frowin hadert mit der modernen Technik und er hasst Überraschungen. Kürzlich hat er stundenlang versucht, seinen Toaster abzutauen, weil die Bedienungsanleitungen von zwei Elektrogeräten so ähnlich waren.

Der Mann fühlt sich von technischen Geräten, von der Digitalisierung des Lebens im Allgemeinen, bevormundet und bedroht. Mal ehrlich: Haben wir nicht alle ab und an solche Gedanken?

Im Verlauf des Programms bekommt, wie eine Zuschauerin amüsiert bemerkt, „jeder sein Fett weg“. So die Heilige Greta aus Bullerbü: „Das Klima ist der neue Flüchtling – alle wollen es retten.“ Oder diverse Politiker: „Hauptsache man kann seine selbstproduzierte Scheiße gut kommunizieren.“ Über die Deutschen: „Jeder will mitreden, und pausenlos ist jemand beleidigt.“ Und dann ist da noch die Bahn: „Bahnfahren soll billiger werden. Das ist toll. Es ist ja ein großer Unterschied, ob die Bahn für 50 Euro Verspätung hat oder für 45.“

Dann hebt Frowin wortgewaltig an zu einer Ode über den Sport. Wer ihn körpergemäß und mit Anstand betreiben sollte – Athleten. Und wer das lieber bleiben lassen sollte – Menschen mit Personal Trainer und zu engen Sportfunktionshosen. Das ist ganz große griechische Tragödie. Das Auditorium ist hörbar beeindruckt.

Wie geht es weiter mit Deutschland und der Welt? Wie werden wir leben in einer vollständig digitalisierten Welt? Wird bald ein Duo aus einem Menschen und einer Maschine den Kanzler stellen? Fragen über Fragen. Michael Frowin singt dazu: „Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwoher – der Chauffeur.“

Das vom Feuerwerk an Wortwitz und Rasanz schwer beeindruckte Publikum wird so getröstet in die Nacht entlassen – um dann am Bahnsteig auf einen Zug zu warten, der vielleicht nie kommt...

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