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Optimaler Gießzeitpunkt für grünen Garten

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Von: Anke Seidel

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Ohne Wasser kein Leben– deshalb muss es nachhaltig geschützt und gerecht verteilt werden.
Ohne Wasser kein Leben– deshalb muss es nachhaltig geschützt und gerecht verteilt werden. © Anke Seidel

„Dürresommer: Keine Entwarnung für den Landkreis“: Schlagzeilen wie diese wirken in diesen regenreichen Wochen wie aus der Zeit gefallen. Aber noch immer gilt: Die lebenswichtige Ressource Wasser muss nachhaltig geschützt und gerecht verteilt werden. Daran arbeitet der Landkreis mit seinem Wasserkonzept – und bekommt nun Unterstützung von den Harzwasserwerken, die in Syke das Projekt „Smart Water -– grüner Garten“ starten.

Ziel: Ressourcen schonen

Das Ziel: den optimalen Zeitpunkt für die Bewässerung des Gartens nutzen und so für einen verantwortungsvollen Wasserverbrauch sorgen. Norman Droste, Pressereferent der Harzwasserwerke, spricht von einem innovativen Bürgerprojekt: „Zum Einsatz kommen künstliche Intelligenz, Wetterdaten und Bodenfeuchtesensoren. Damit werden für die Bürger Bewässerungsempfehlungen errechnet. So können diese ihren Garten optimal gießen und dabei die Ressourcen schonen.“ Sprich Wasser sparen. Der Technische Geschäftsführer der Harzwasserwerke, Dr. Christoph Donner, betont: „Eine sinnvolle Nutzung des Wassers, das wir haben, wird in Zeiten des Klimawandels immer wichtiger.“ Aus gutem Grund starten die Harzwasserwerke ihr Projekt in Syke, denn ihr größtes Grundwasserwerk liegt im Ortsteil Ristedt. Es wurde 1963 in Betrieb genommen.

Mehr als 34 000 Kunden

„19 Brunnen nutzen dort das von der Geest zur Weser abfließende Grundwasser“, so formulieren es die Harzwasserwerke. Nach Abfiltern von Eisen, Mangan, Schwefelwasserstoff und überschüssigem Kohlendioxid fließt das Trinkwasser in den Raum Bremen und das Versorgungsgebiet der Syker Vorgeest – also in den Bereich Syke, Stuhr, Weyhe, Bruchhausen-Vilsen und Thedinghausen. Mehr als 34 000 private und gewerbliche Kunden verbrauchen rund fünf Millionen Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr. Wie viel davon im Garten landet, ist unklar.

Nur so viel steht fest: „In der Region Syke kam es in den vergangenen Jahren wiederholt zu lang anhaltenden Trockenphasen und deutlich spürbaren lokalen Auswirkungen des Klimawandels. Teilweise fielen kleinere Gewässer trocken und der Grundwasserspiegel im Wasserschutzgebiet der Harzwasserwerke erreichte neue Tiefststände“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die Harzwasserwerke verstehen sich als Impulsgeber, nach Lösungen für ein Gleichgewicht zwischen Wasserdargebot und -nutzung zu suchen. Aus den ersten Ansätzen sei schnell ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Landkreis Diepholz, der Stadt Syke und der Syker Vorgeest geworden. Die Technik und die künstliche Intelligenz würden vom Bochumer Start-Up-Unternehmen Okeanos beigesteuert.

Als Geschäftsführer der Syker Vorgeest ist Manfred Cattau überzeugt: „Es handelt sich um ein innovatives Projekt, bei dem man nach erfolgter Datenermittlung ableiten kann, inwieweit Empfehlungen für eine Bewässerung erfolgen können.“ Die Syker Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der Syker Vorgeest betont: „Durch Projekte und Ideen dieser Art können wir die Bevölkerung mehr für das wichtige Thema Wasser sensibilisieren.“

Per App oder Internet können sich die Bürger über den optimalen Gießzeitpunkt für ihre Gärten informieren – wenn das System läuft. Die Vorbereitungen laufen mit Hochdruck. An ausgewählten Standorten im Wasserschutzgebiet der Harzwasserwerke und der näheren Umgebung sammeln intelligente Bodenfeuchtesensoren wichtige Daten. Auf deren Basis erstellt Okeanos ein Modell, „in das weitere Daten wie Feuchtigkeit und Bodenarten, meteorologische Daten wie Wetter- und Niederschlagsvorhersagen einfließen“. Das Modell prognostiziere die konkreten Auswirkungen von Regen und Trockenheit auf den Boden und liefere Informationen über den Bewässerungsbedarf. Noch in diesem Sommer soll das Praxis sein. Zuvor aber müsse das Modell mit seiner künstlichen Intelligenz eine mehrmonatige Lernphase durchlaufen, betonen die Harzwasserwerke.

Bilanz nach einem Jahr

Können davon in der Zukunft auch Kunden anderer Wasserversorger im Landkreis profitieren – wie die Stadtwerke Huntetal oder die Wasserversorgung Sulinger Land? „So weit sind wir noch lange nicht“, antwortet Kreisrat Jens Hermann Kleine, „das ist ein Pilotprojekt“. Man müsse erst mal schauen, ob es funktioniert. Der Landkreis habe großes Interesse, es zu begleiten und einbezogen zu sein. Nach einem Jahr wollen die Beteiligten Bilanz ziehen.

Der Klimawandel ist bei der Bewirtschaftung des Grundwassers im Landkreis Diepholz längst spürbar, haben Verwaltung und Politik gleichermaßen festgestellt: „Insbesondere die Landwirtschaft benötigt zur Sicherung der Felderträge heute deutlich mehr Grundwasser als in den ersten zehn Jahren der 2000er-Jahre. Zudem fördern auch die Wasserwerke im Landkreis in überdurchschnittlich trockenen Jahren, wie in 2018 und 2019, gleichfalls deutlich mehr Wasser.“

Deshalb ist Kreisrat Kleine überzeugt: „ „Der zielgerichtete Einsatz der Ressource Wasser ist ein wichtiger Schritt zur nachhaltigen Nutzung.“

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von Anke Seidel

Rund 129 Liter Wasser verbraucht jeder Deutsche pro Tag – deutlich weniger als noch vor knapp drei Jahrzehnten, als es noch 147 Liter waren. Den modernen Spül- und Waschmaschinen sei Dank. Auch wenn der sinkende Verbrauch eine gute Nachricht ist: Es darf gern noch weniger sein, denn der Vorrat an der lebenswichtigen Ressource Wasser sinkt spürbar. Das beweisen zeitweise ausgetrocknete Flüsse wie der Hombach in Weyhe oder fallende Grundwasserspiegel. Andererseits wächst der Wasserbedarf sowohl in der Landwirtschaft als auch bei den Trinkwasserversorgern. Die Dürre-Sommer 2018 und 2019 haben gezeigt, was das bedeutet: Druckabfälle und Appelle, das Rasensprengen einzustellen und die Feldbewässerung wirksam zu steuern.

Das Projekt „Smart Water – grüner Garten“ kommt also keine Sekunde zu früh, weil der verantwortungsvolle Umgang mit dem lebenswichtigen Wasser ein elementares Gebot der Stunde ist. Alle Möglichkeiten zur Minimierung des Grundwasserverbrauchs müssen ausgeschöpft werden. Und: Trinkwasser ist ein Lebensmittel. Aber davon rauschen bis zu 30 Liter pro Kopf und Tag in die Toilette. Deshalb ist der Bau von Regenwasser-Spülungen und Zisternen enorm wichtig. Außerdem gilt in jedem Fall: Wenn es um den Wasserverbrauch geht, tragen alle Verantwortung.

Von Anke Seidel

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