Die Basis stellt Herausforderer

Oliver Kunstmann tritt gegen Sykes Bürgermeisterin Suse Laue an

Porträt von Oliver Kunstmann
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Oliver Kunstmann (39) möchte Bürgermeister von Syke werden.

Oliver Kunstmann fordert am 12. September Sykes Bürgermeisterin Suse Laue heraus – als Kandidat der Partei Die Basis. Im Gespräch mit der Kreiszeitung erzählt der 39-jährige Barrier über seine Beweggründe zur Kandidatur und seine eigenen Einschätzungen zu den Erfolgsaussichten seiner Kampagne.

  • Amtsinhaberin Suse Laue hat am 12. September bei der Bürgermeisterwahl einen Gegenkandidaten.
  • Oliver Kunstmann tritt für die Partei Die Basis an.
  • 39-jähriger Barrier gibt völlige Transparenz als Ziel an.

Barrien – Wenn die Syker im Zuge der Kommunalwahl am 12. September auch über den Posten des hauptamtlichen Syker Bürgermeisters entscheiden, ist er der Grund, warum die Wähler dabei tatsächlich eine Auswahl haben: Oliver Kunstmann bewirbt sich um das Amt und tritt damit als einziger Gegenkandidat gegen Amtsinhaberin Suse Laue an. Oli-wer? Für viele Syker ist der 39-jährige Kunstmann ein unbeschriebenes Blatt. Ein Hausbesuch beim Herausforderer.

Siegchancen? „Das wäre völlig vermessen“

Die erste Frage nach der bevorstehenden Wahl beantwortet Kunstmann mit durchaus bemerkenswerter Offenheit. Ob er angetreten ist, um zu gewinnen? „Das wäre völlig vermessen“, räumt er ein. Doch als Spaß-Bewerbung möchte er seine Kandidatur durchaus nicht verstanden wissen.

Zu ernsthaft war sein Unmut, als er erfuhr, dass die im Rat vertretenen Parteien keinen Gegenkandidaten aufstellen wollten. Im April war das, und die CDU hatte gerade verkündet, Suse Laue ebenfalls zu unterstützen. „Das kann doch nicht sein“, habe er damals gedacht, erzählt Kunstmann. „Die müssen doch den Anspruch haben, einen Gegenkandidaten aufzustellen! Der Bürger muss doch wenigstens eine Wahl haben.“

Die Basis - Heimat vieler Kritiker der Corona-Maßnahmen

Das Schweigen der etablierten Parteien war die Initialzündung für das Gedankenspiel Kandidatur. Oliver Kunstmann tritt dabei nicht als Einzelkandidat an, sondern für eine Partei. „Die Basis“ ist seine politische Heimat geworden – eine Bewegung, die im vergangenen Sommer aus dem Umfeld der Proteste gegen Schutzmaßnahmen wegen der Covid-19-Pandemie entstand. Prominente Kritiker der Corona-Maßnahmen wie Wolfgang Wodarg und Sucharit Bhakdi finden sich in den Mitgliederlisten.

Für seine Kandidatur hatte Kunstmann die Unterschriften von Unterstützern sammeln müssen. 68 mussten es sein, er kam nach eigener Aussage auf über 80. „Ich habe viele Leute kennengelernt, die das Thema ,Corona und staatliche Maßnahmen‘ ähnlich kritisch sehen“, berichtet er. Dabei hat die Pandemie Gespräche mit den Bürgern insgesamt schwieriger gemacht. „Ich wäre gern über die Straßen getingelt“, betont Kunstmann.

Man muss über alles reden können.

Oliver Kunstmann

Er wolle den Menschen zuhören. „Man muss über alles reden können“. Diesen Satz sagt Kunstmann immer wieder. Damit, so berichtet er, sei er in der Vergangenheit durchaus angeeckt – etwa in den Elternräten der Schulen seiner Kinder. Dort hatte er Umfragen zur Maskenpflicht für Kinder und zu den Befindlichkeiten im Zuge der Corona-Maßnahmen gestartet.

Für Die Basis kandidiert Kunstmann nicht nur für das Bürgermeisteramt, sondern auch den Stadtrat Syke und den Ortsrat Barrien. „Ohne Die Basis wäre ich nicht Kandidat geworden“, so Kunstmann. „Aber wenn man mir das Etikett ,Basis‘ abreißt, hab ich damit auch kein Problem. Es geht mir um die Sache.“

Ein gutes Stichwort. Was würde Kunstmann denn ändern wollen, wenn er Bürgermeister wäre? Eine klare Antwort gibt es nicht vom 39-Jährigen. „Es kommt nicht darauf an, was ich verändern will. Sondern darauf, was die Bürger wollen“, erklärt er. Er sehe sich eher als Sprachrohr und sei überzeugt: „Wir können das in die richtigen Bahnen lenken, sodass die meisten sagen: Ja, das passt.“

Der Bürgermeisterkandidat möchte „aus Betroffenen Beteiligte machen“ und für alle Bürger die Verwaltungsangelegenheiten möglichst transparent und nachvollziehbar darstellen – etwas, das er selbst vermisst habe. Etwa, als es Ende 2019, Anfang 2020 um die Kosten für die Ertüchtigung des Barrier Hallenbads ging. „Den Bürgern wurde nicht das Gefühl gegeben, transparent informiert worden zu sein.“

Bislang keine Erfahrung in Verwaltung oder Kommunalpolitik

Erfahrung in Sachen Verwaltung oder Engagement in der Kommunalpolitik hat der Kandidat bislang nicht vorzuweisen. Auch bestimmte lokale Syker Themen, die ihm besonders auf den Nägeln brennen, nennt Kunstmann nicht. Ein bisschen so wie bei seiner Partei: Auch Die Basis fokussiert sich voll auf die Kritik an den Corona-Maßnahmen. „Es ist nur ein einzelnes Thema, mit dem wir auftreten“, räumt Kunstmann ein, „aber es ist eines, das jeden betrifft und beschäftigt.“

In den kommenden Wochen werde er das Gespräch mit den Bürgern suchen, sagt Oliver Kunstmann. Etwa mit einem Stand auf dem Wochenmarkt. Auch Plakate soll es geben – allerdings ohne sein Konterfei. „Es geht nicht um mich“, begründet der 39-Jährige. „Die Sache soll im Vordergrund stehen.“

Zur Person

Der 39-jährige Oliver Kunstmann verbrachte seine Kindheit in Syke. Nach dem Besuch der Grundschule in Barrien und dem Realschulabschluss besuchte er die Höhere Handelsschule und war anschließend viereinhalb Jahre bei der Bundeswehr. In dieser Zeit absolvierte er eine Ausbildung zum Fluggerätmechaniker, anschließend kam noch eine Ausbildung zum Industriekaufmann hinzu.
Parallel zu seiner Arbeit im Vertriebsaußendienst studierte er Business Administration. Seit 2018 arbeitet er als Vertriebsingenieur bei einem Neusser Unternehmen für Drucklufttechnik.
Kunstmann ist verheiratet mit Ehefrau Sandra; die beiden haben drei Kinder (elf, acht und fünf Jahre). Die Familie wohnt in Barrien.

Von Frank Jaursch

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