„Der Abschied tut weh“

Okeler Filiale der Kreissparkasse schließt nach 95 Jahren

Abschied von der KSK-Geschäftsstelle Okel: vorn v.l. die KSK-Mitarbeiter Jörg Wachendorf und Kristin Bredenbeck sowie Ortsbürgermeisterin Marlene Früchtenicht, hinten v.l. die Ortsratsmitglieder Wolfgang Kaeding, Detlef Muntel und Jana Osmer.
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Abschied von der KSK-Geschäftsstelle Okel: vorn v.l. die KSK-Mitarbeiter Jörg Wachendorf und Kristin Bredenbeck sowie Ortsbürgermeisterin Marlene Früchtenicht, hinten v.l. die Ortsratsmitglieder Wolfgang Kaeding, Detlef Muntel und Jana Osmer.

Vor 95 Jahren erhielt Okel seine erste kleine Sparkasse. Mit dem Jahreswechsel endete diese Ära. Der Okeler Ortsrat kam am letzten Öffnungstag noch einmal in die Filiale, um sich bei den langjährigen Mitarbeitern zu bedanken.

Okel – Ein bisschen wirkt sie ja wie aus der Zeit gefallen, die Geschäftsstelle der Kreissparkasse in Okel. Am Schalter, an dem die Okeler ihre Bankgeschäfte abwickelten, trennt noch Panzerglas Mitarbeiter und Kunden. Und auch das Mobiliar dürfte größtenteils aus einer Zeit stammen, zu welcher der Bundeskanzler Kiesinger oder maximal Schmidt hieß. Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – mochten die Okeler „ihre“ KSK-Filiale.

Eine „Geschäftsstelle mit Charakter“ hat ein Okeler das Gebäude an der Okeler Straße mal genannt. Mit dem Jahreswechsel ist das Kapitel „Kreissparkasse in Okel“ beendet – nach insgesamt 95 Jahren.

Vertreter des Ortsrates haben den traurigen Anlass am Donnerstag genutzt, um sich zu verabschieden. Und um sich zu bedanken bei den Gesichtern der Kreissparkasse im Ort: 27 Jahre lang war Jörg Wachendorf der Geschäftsstellenleiter, seit immerhin 20 Jahren fungierte Kristin Bredenbeck als seine Stellvertreterin.

Man ist schon sehr wehmütig.

Jörg Wachendorf, Leiter der KSK-Filiale

„Vielleicht gehen auch Sie heute Abend mit einem weinenden Auge, wenn Sie zum letzten Mal den Schlüssel im Eingangsschloss umgedreht haben“, mutmaßte Ortsbürgermeisterin Marlene Früchtenicht in Richtung des Mitarbeiter-Duos. Eine Vermutung, die beide bestätigten, ohne zu zögern. „Der Abschied tut weh“, räumte Kristin Bredenbeck ein – und verriet, dass sie und ihr Chef unabhängig voneinander eine nahezu schlaflose Nacht hinter sich gehabt hätten. Auch Jörg Wachendorf legte den Schwerpunkt auf das weinende Auge: „Man ist schon sehr wehmütig.“

Schließung im Zuge der KSK-Restrukturierung

Viele Kunden waren an den letzten Tagen des Jahres gekommen, um sich von der Geschäftsstelle zu verabschieden. „Es war ja immer ein Nehmen und Geben“, so Wachendorf. „Die Kunden haben gemerkt, dass sie einen besonderen Service genießen durften.“ Aber die Zeiten hätten sich eben geändert. Im Zuge einer Restrukturierung hatte die Kreissparkasse Syke entschieden, zum Jahreswechsel insgesamt sechs Geschäftsstellen zu schließen, um Kosten zu sparen.

Spielbereich für Generationen von Okeler Kindern: Auch der kleine Lego-Tisch verschwindet mit der Geschäftsstelle der Kreissparkasse in Okel.

Für Okel sei die Entscheidung ein großer Verlust, betonte Früchtenicht. „Wir sind jetzt reduziert auf zwei Gastronomiebetriebe, die VGH-Versicherung und den Kindergarten.“ Alles andere müsse man „auswärts beschaffen“ – in Barrien oder Syke. Aufgabe der Politik sei es nun, sich für eine verbesserte Mobilität der Okeler Bürger einzusetzen.

Die Ortsbürgermeisterin vermied aber auch eine unnötige Dramatisierung: „Okel stirbt nicht, wenn die KSK geht“, erklärte sie. Auch für die Kunden sei das Geldinstitut nicht „aus der Welt“. Kunden müssen künftig lediglich rund drei Kilometer nach Barrien zurücklegen.

In der großen Geschäftsstelle an der Krusenberg-Kreuzung haben auch Wachendorf und Bredenbeck ihren neuen Arbeitsplatz. Seit die Öffnungszeiten der Okeler Filiale vor einem Jahr reduziert wurden, haben sie einen Teil der Arbeitszeit bereits dort verbracht. „Wir sind gut aufgenommen worden“, sagt der Filialleiter lächelnd.

Gebäude als Zwischenlösung für Kindergarten

Die vergangenen Wochen hat das Duo genutzt, um zu packen. Dutzende Umzugskartons sind bereits in Barrien, weitere standen auch am letzten Tag noch neben dem Schranktresor im hinteren Bereich der Filiale. Statt Münzgeklimper soll künftig Kinderlachen in dem Gebäude zu hören sein – zumindest provisorisch dürfte das Haus als Domizil für den Okeler Kindergarten dienen.

Der kleine Lego-Tisch im Schalterbereich, an dem bereits Generationen von Okelern als Kinder saßen, wird dann aber Geschichte sein. „An dem Tisch sind viele Tränen vergossen worden“, erzählte Jörg Wachendorf. Wenn das kleine Lego-Kunstwerk, das in Minutenschnelle entstanden war, zurückgelassen oder sauber wieder abgebaut werden sollte. Nur eine von vielen Kreissparkassen-Erinnerungen, die den Okelern bleiben werden, wenn die Filiale im Dorf längst Vergangenheit geworden ist.

Von Frank Jaursch

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