Drei Bremer Wortakrobaten geben bei Slam-Poetry Denkanstöße

Ohne Punkt und Komma

Drei Wortakrobaten mit einer Leidenschaft (v.l.): Janina Mau, Sebastian Butte und Rita Apel haben Spaß am Texten. - Foto: abo

Syke - Von Anika Bokelmann. Sebastian Butte, Janina Mau und Rita Apel hatten viel zu erzählen. Wie ein Wasserfall sprudelten die Worte beim Slam-Poetry in Syke aus ihnen raus, mal mit Tiefgang, mal mit Leichtigkeit. Sie trafen die Zuhörer mit Wucht, lösten Lachsalven aus, lieferten aber zugleich Denkanstöße und nachdenkliche Momente.

„Eine ungewöhnliche Veranstaltung an einem ungewöhnlichen Ort“, stellte Jutta Behrens dem Slam-Poetry-Abend am Freitag voraus. Die Leiterin der Syker Stadtbibliothek eröffnete im Hansa-Kino damit die sechste Literaturwoche und freute sich über den gut gefüllten Kinosaal. Mit dem Slam-Poetry wage man ein Experiment, so Behrens. „Wir haben uns bewusst für den Slam-Poetry und nicht den Poetry-Slam entschieden“, erklärte sie das Veranstaltungsformat. Der Unterschied: beim Slam-Poetry stehen die Mitwirkenden nicht in Konkurrenz zueinander.

Bei Popcorn und Nachos folgten die Besucher den Erzählungen, gesellschaftskritischen Texten und humorvollen Geschichten der drei Bremer Wortakrobaten. Der Generationenunterschied – Apel ist über 60, Mau und Apel Mitte 30 Jahre alt – spiegelte sich auch im Publikum wider, denn Jung und Alt waren der Einladung gefolgt. „Humor und Politik werden für Abwechslung sorgen“, versprach Moderator und Mitorganisator Sebastian Butte. Der Geschichts- und Deutschlehrer griff selber zu seinem Notizbuch und philosophierte über die Deutsche Einheit. So machte er sich Gedanken, was die Deutschen zu einem Volk macht – „das Oktoberfest, die Kultur?“, grübelte er. Am Ende stellte er heraus, dass jede Region ihre Spezialitäten habe. Das seien in Norddeutschland vor allem „ein gutes Pils und Labskaus“, so Butte.

Ganz ohne Notizen trat Janina Mau vor das Publikum und stellte sich mit „Glattgewischt“ vor. Damit hielt sie sogleich ein leidenschaftliches Plädoyer für die menschlichen Fehler. „Ich mag, wenn sich Dinge ändern“, so Mau und weiter: „Nie kann immer alles laufen.“

Rita Apel, laut Butte „die Grande Dame des Poetry-Slam“, da sie bereits Auszeichnungen für ihren künstlerischen Umgang mit der deutschen Sprache gewonnen hat, versicherte mehrfach, dass ihre Texte auf wahren Begebenheiten beruhen: „Das ist so verrückt, dass man es sich überhaupt nicht ausdenken kann“, so Apels Anmerkung zu ihrem „Sabbeln bis der Arzt kommt“. Ohne Punkt und Komma berichtete Apel von einem Krankenhausaufenthalt, bei dem ihre Zimmergenossin ihr Leben ausbreitete und sogar mit ihrem Hund telefonierte. „Das war damals gar nicht witzig“, kommentierte Apel den Lachanfall aus dem Publikum und fügte trocken hinzu: „Das war Extreme-Bullshitting.“

„Einen ernsteren Text zum Luftholen“, kündigte Sebastian Butte im Anschluss an. Mit „Bomben auf das Über-Ich“ ging er auf Oberflächlichkeit, Unzufriedenheit und Verdrängungen in menschlichen Beziehungen ein.

„Ich habe schon einige Denkanstöße bekommen“, merkte eine Besucherin in der Pause an. Sie freue sich, dass der Slam-Poetry im Sinne der Literaturvermittlung endlich nach Syke gekommen sei. In Bremen habe sie ähnliche Veranstaltungen schon häufiger besucht.

Heitere Texte und ernste Themen luden nach der Pause dazu ein, den drei Akteuren der modernen Bühnenliteratur in ihre Gedankenwelt zu folgen.

Ebenso setzten sie ihr Spiel fort. Dabei gaben sie bekannten Kinotiteln „in Würdigung an den Veranstaltungsort“, so Butte, durch das Weglassen eines Buchstabens neue Bedeutungen. So dachte Rita Apel über den alternden James Bond in „Oldfinger“ nach und Janina Mau über einen arbeitslosen Hirten in „Schaflos in Seattle“.

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