Oder: Mit Nick Hornbys „NippleJesus“ kreuz und quer durchs Vorwerk

Halbnackt im Fahrstuhl

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Sozusagen „mittendrin statt nur dabei“ war das Publikum bei der Aufführung von Nick Hornbys Stück „NippleJesus“ im Vorwerk. Andreas Hammer vom Bremerhavener Stadttheater erhielt viel Applaus in seiner Rolle als Museumswärter David.

Syke - Von Dagmar Voss. Amüsant und hintersinnig klingt der Monolog des einfachen Kerls, des ehemaligen Nachtclub-Türstehers David: Über Kunst und Pornografie und was das eigentlich sein kann.

Gut drei Dutzend Zuschauer folgten seinen Gedankengängen in Nick Hornbys Einmann-Theaterstück „NippleJesus“ am Dienstagabend im Vorwerk – und den Schritten des Protagonisten David durch die Ausstellung „Gegen das Vergessen“.

Schon das Intro – ein halbnackter junger Mann, der aus dem Aufzug tritt und sich fragt, was er da für einen Scheiß-Job angenommen hat – fängt die Aufmerksamkeit sofort ein. Eindrucksvoll gestikulierend mit einer schlichten Sprache, schildert er seinen Werdegang vom Türsteher zum Aufseher in einer Kunstgalerie.

Vom Hauptsaal im Erdgeschoss in die Katakomben und vom Keller bis in den ersten Stock geht es durch alle Räume. Dabei entsteht ein buntes Kopfkino bei den Besuchern, ausgelöst durch die kontroversen, lebensnahen Überlegungen Davids, der in seinem neuen Job in einer Galerie Skurriles erlebt.

„Die Arbeitszeiten sind ja besser, und wie schwer kann es sein, vor einem Bild zu stehen, dachte ich“, so David anfangs. Doch dann kommt es ganz anders – und die Besucher sehen zu, wie sich David schwarzes Sweatshirt, Lederhose und Stiefel anzieht und dabei einiges über elitäres Kunstgeschwafel in klare Linien rückt.

Nick Hornby beleuchtet in seinem Stück die Mechanismen des modernen Kunstbetriebs. Ein Bild mit dem Titel „NippleJesus“ zeigt, aus der Ferne betrachtet, den leidenden Jesus am Kreuz – „sehr lebensnah“, findet David. Doch als er näher tritt, sieht er eine Collage aus Tausenden von Nippeln, also Brustwarzen, ausgeschnitten aus Porno-Heften. Was auf ihn eben noch erhaben gewirkt hat, findet David nun pornografisch. Und der „Künstler“ ist bestimmt irgendso ein alter Schmierlappen.

Doch dann kommt die junge Frau, die den Nipple-Jesus erschaffen hat, in die Galerie, und David findet die richtig nett. Und wenn so eine nette Frau so eine Collage macht – ist das dann vielleicht doch Kunst?

David denkt nicht nur neu darüber nach, er sieht sich auch gezwungen, in der Debatte über Grenzen der Kunst mit seiner bodenständigen Sichtweise Stellung zu beziehen. Da das Bild für Aufruhr sorgt, erfindet er außerdem seine eigenen Regeln, wie sich die Ausstellungsbesucher ihm zu nähern haben. Davor knien ist verboten. Und Pastoren dürfen es nur von weitem betrachten.

Und gerade als David glaubt, seine eigene Einstellung zum Thema Kunst gefunden zu haben, passiert etwas, mit dem er nie gerechnet hätte. Was, bleibt an dieser Stelle offen. Denn „NippleJesus“ ist heute und morgen nochmal im Vorwerk zu sehen, jeweils um 20 Uhr.

Letztlich erhielt der junge Darsteller Andreas Hammer vom Bremerhavener Stadttheater lang anhaltenden Applaus für sein gelungenes Solo. Bei einem kleinen Umtrunk konnten die Gäste dann ebenfalls noch über Kunst und das Stück plaudern.

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