Ein Paar berichtet

Deutsch-französische Kompromisse - beim Essen und im Urlaub

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Claudia und Vincent Maire machen beim Essen und beim Urlaub Kompromisse.

Syke - Von Patrick Köpke. Heute vor 56 Jahren unterzeichneten die Staatschefs Charles de Gaulle und Konrad Adenauer in Paris den deutsch-französischen Freundschaftsvertrag. Tatsächlich sind seitdem aus einstigen Feinden Freunde geworden. Und manchmal sogar noch mehr: Auch in Syke lebt eine ganze Reihe deutsch-französischer Paare. Wir haben mit einem gesprochen.

Brücken statt Schützengräben, die alte Feindschaft in eine neue Partnerschaft verwandeln, das war die Maxime von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, als sie am 22. Januar 1963 den als Élysée-Vertrag bezeichneten deutsch-französischen Freundschaftsvertrag besiegelten.

Seither ist viel passiert. Stacheldraht und Grenzen sind passé. Die Nachbarschaft wurde endlich gut und mittlerweile zum Friedensgaranten für Europa.

Ein Beispiel dafür, dass aus den Beziehungen beider Länder nicht nur auf politischer Ebene eine Partnerschaft entstehen kann, sind Claudia und Vincent Maire aus Syke. Sie führen bereits seit 2005 eine deutsch-französische Ehe und haben zwei Töchter, die Acht und zehn Jahre alt sind.

Zweisprachigkeit und Kompromisse seien der Schlüssel ihres familiären Glücks. „Dadurch, dass wir in der Familie alle Deutsch und Französisch sprechen, kommt es nur selten zu Missverständnissen und Komplikationen. Kompromisse machen wir in erster Linie beim Essen und beim Urlaub“, berichtet Claudia.

„Abendbrot nur eine Notlösung“

So sei es für sie anfangs nicht leicht gewesen, drei Stunden beim Essen zu sitzen. Ihr Ehemann vermisse vor allem gutes französisches Baguette: „Dafür isst er mittlerweile gerne gute deutsche Brötchen. Unser Abendbrot ist für ihn aber immer noch nur eine Notlösung, um seinen Hunger zu stillen.“

Urlaub machen sie jedes Jahr bei ihren Schwiegereltern in Südfrankreich, seitdem sie vor acht Jahren von Toulouse nach Deutschland gezogen sind. Dort arbeitete Vincent bei Airbus, bis er nach Bremen versetzt wurde, was Claudia aufgrund der späteren Einschulung ihrer beiden Töchter hier in Deutschland aber sehr begrüßte: „In Frankreich werden die Kinder jetzt sogar schon mit drei Jahren eingeschult, das wäre mir für unsere Kleinen aber viel zu früh gewesen.“

Geboren in Frankreich, würden sich ihre Kinder besonders durch ihre Zweisprachigkeit in beiden Ländern heimisch fühlen und ihre alljährlichen Sommerferien in der Provence sehr genießen. Aber auch Spiekeroog gefalle der Familie sehr gut.

Als Erasmus-Studenten kennengelernt

Kennengelernt hat sich das Paar 1997 an der Uni Stuttgart. Claudia studierte dort BWL, Vincent studierte Luft- und Raumfahrttechnik. Gefördert wurde sein Stuttgarter Auslandssemester von Erasmus, dem Förderprogramm der Europäischen Union für Studienaufenthalte an ausländischen Hochschulen und Universitäten.

Erasmus habe nicht nur sie zusammengebracht, sondern sei auch für das Zusammenwachsens Europas eine super Sache. Besonders für die jüngere Generation. „Im Studium begegnet man sich viel intensiver, als das in Urlauben möglich ist“, sagt Claudia Maire schmunzelnd. So intensiv, dass aus einer Studien-Beziehung in ihrem Fall sogar eine deutsch-französische Ehe wurde.

Darüber, dass auch die Beziehungen zwischen den Menschen beider Länder zu solchen Symbiosen führen, hätten auch Adenauer und de Gaulle sich bestimmt sehr gefreut.

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