In fünf Jahren 70.000 Euro teurer

Preisexplosion bei „Secondhand“-Häusern im Nordkreis Diepholz

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Vor wenigen Jahren noch schwerverkäuflich, jetzt eine gefragte Immobilie: Siedlungshäuser in der Syker Neustadt.

Syke - Von Heinrich Kracke. Die gelbgrauen Sofas denkt sich der geneigte Haus-Interessent am besten weg. Und die getäfelte Stubendecke? Aus dunklem Holz? Auch die am besten wegdenken. Aber sonst? Seinen ganz eigenen Charme versprüht das Siedlungshaus in einem der Syker Wohngebiete.

In den beginnenden 50er Jahren wurde es errichtet, zwei Generationen haben hier gelebt, die Technik ist vorrangig aus jenen Nachkriegsjahren, neumodische Papiere wie der Energieausweis halten sich im tiefroten Bereich auf. Vor wenigen Jahren noch wäre ein solches Familiendomizil nicht zu verkaufen gewesen, und schon gar nicht zu einem Preis von mehr als 150.000 Euro.

„Secondhand-Immobilien gefragt wie nie“

Jetzt steht es aber zum Verkauf, und auch das dürfte sich bald ändern. „Secondhand-Immobilien sind gefragt wie nie,“ sagt Florian Brauer vom Gutachterausschuss für Grundstückswerte in Sulingen. Und sie werden immer gefragter. Jüngsten Hochrechnungen zufolge geht er davon aus, „das Jahr 2018 wird das Jahr der Gebrauchtimmobilie. Sowohl Anzahl der Kaufverträge als auch Kaufpreise steigen erheblich.“ Und das wieder mal ganz besonders im Nordkreis, in den Speckgürtel-Kommunen Stuhr, Weyhe und Syke.

Nicht unwahrscheinlich, dass in diesem Jahr eine nächste bahnbrechende Klippe genommen wird. Erstmals dürfte sich der Preis für ein bestehendes Ein- oder Zweifamilienhaus auf eine Viertelmillion Euro einpendeln. Und das nicht etwa für Immobilien in Spitzenlagen, nein, 250.000 Euro gelten in den Nordkreis-Kommunen 2018 als Durchschnittspreis. Und das dazu passende Durchschnittshaus verfügt über rund 140 Quadratmeter Wohnfläche und ist 45 Jahre alt. Zwar stiegen die Preise im Vergleich zu 2017 nur noch um 3,1 Prozent, aber die Entwicklung verlief rasant. 

Gebäude in fünf Jahren sechs Jahre älter geworden

Vor fünf Jahren waren für den Quadratmeter Durchschnittshaus rund 1270 Euro hinzublättern, jetzt sind es 1905 Euro. Eine Steigerung um sagenhafte 50 Prozent. Und das für Gebäude, die bei denen sich eigentlich nur eines verändert hat: Sie sind um sechs Jahre älter geworden. Vor fünf Jahren lag das mittlere Baujahr bei 1974, jetzt bei 1973. Die Preise kletterten in dieser Zeit um 70.000 Euro.

„Diese kontinuierlichen steigenden Preise sind kein Einzelfall,“ sagt Brauer, „sie betreffen den gesamten Landkreis.“ Den sogar besonders. Nach ersten Erkenntnissen explodierten die Summen, die über den Tisch wanderten, sogar. 11,1 Prozent Teuerungsrate bedeuten einen nächsten atemberaubenden Rekord. Und das sogar bei wachsenden Verkaufszahlen. Wechselten in der jüngsten Vergangenheit rund 600 Ein- oder Zweifamilienhäuser pro Jahr den Besitzer, so dürfte 2018 die 700er-Marke überschritten werden. Bis zur Jahreshälfte haben schon 370 Häuser einen neuen Eigentümer gefunden.

Verschnaufpause in kleinen Städten und großen Gemeinden

Derweil scheint die Preislawine in den kleineren Städten und größeren Gemeinden des Landkreises zurzeit eine Verschnaufpause einzulegen. In Bassum, Twistringen, Bruchhausen-Vilsen, Diepholz, Sulingen, Barnstorf, Wagenfeld und Lemförde wurde 2015 Preissprünge um 13 Prozent und 2017 nochmals um mehr als 14 Prozent verzeichnet, aktuell aber pendelt sich das, was Käufer zu zahlen haben, auf Vorjahresniveau ein. Rund 1240 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche sind allerdings kein Pappenstiel. 160.000 Euro sind durchschnittlich pro Ein- oder Zweifamilienhaus hinzublättern.

Mächtig aufgeholt haben indes die kleineren Gemeinden mit dörflichem Charakter. Nach Preissprüngen von 23 Prozent allein in den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind hier ebenfalls schon Summen von 160.000 Euro je Immobilie fällig.

Allerdings handelt es sich bei all diesen Verkaufsfällen um statistische Mittelwerte. Gutachterausschuss-Vorsitzender Florian Brauer schlägt zur individuellen Preisermittlung von Wohnhäusern den Immobilienpreiskalkulator im Internet unter www.gag.niedersachen.de oder Vergleichsfaktoren im Grundstücksmarktbericht 2018 vor.

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