Diskussion über die Düngeverordnung

Nitrat-Gehalt immer im Blick

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Vortrag über Nitrat im Trinkwasser im Gleis 1: Experte Rainer Könemann (r.) von Greenpeace und Andreas Bultmann vom Syker Nabu-Vorstand.

Syke - Von Anika Bokelmann. Viel Gülle führt zu teurerem Trinkwasser. Diese Entwicklung, die jüngst das Umweltbundesamt verkündete, stand am Anfang des Diskussionsabends der Nabu-Ortsgruppe Syke im Raum. „Welche Anteile tragen Landwirte, aber auch Verbraucher an erhöhten Nitratwerten im Grundwasser?“, fragte Referent Rainer Könemann die gut 60 Besucher im Gleis 1. In erster Linie drehte sich die mehrstündige Diskussion anschließend um die neue Düngeverordnung, die seit Anfang des Monats in Kraft ist.

„Der Verbraucher kann nicht immer nur fordern, sondern muss sich selbst einbringen“, machte Könemann deutlich. Der Fachmann wollte in erster Linie „das ungesunde Halbwissen verbessern“. Unter anderem wird festgelegt, dass der Dünger schneller in den Boden eingearbeitet werden muss. Zudem schreibt sie eine bessere Dokumentation seitens landwirtschaftlicher Betriebe vor.

Laut aktuellen Erhebungen besteht in Niedersachsen ein jährlicher Stickstoffüberschuss von rund 230.000 Tonnen, von denen rund 200.000 Tonnen ins Grundwasser gelangen. Was Landwirte, Gärtner und Co. auf die Felder aufbringen, kommt früher oder später im Grundwasser und schließlich im Trinkwasser an. Viele Stoffe bleiben in den Erdschichten, doch eine Substanz, so Könemann, sucht sich ihren Weg: die stickstoffhaltige Verbindung Nitrat. „Dabei kommt es nicht auf die Betriebsgröße an, wie viel Stickstoff anfällt“, sagte er. Aus eigener Erfahrung wisse er, dass gerade in privaten Gärten sehr viel Dünger eingesetzt werde und sich dadurch auch der Nitratgehalt im Boden erhöht.

„Alles muss im Rahmen bleiben“

Das Problem sieht Könemann nicht nur in der intensiven Landwirtschaft, sondern auch in der Massentierhaltung. „Alles muss im Rahmen bleiben, damit noch eine nachhaltige Landwirtschaft möglich ist“, unterstrich ein Landwirt aus dem Publikum. In Niedersachsen seien die Zahlen besonders besorgniserregend, erklärte Könemann. Die Nitrat-Obergrenze liegt laut Düngeverordnung bei 170 Kilogramm pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche.

Im Landkreis Diepholz ist mit 146 Kilogramm pro Hektar noch alles im grünen Bereich. Der Nachbarlandkreis Vechta hingegen überschreitet die Richtlinie mit 194 Kilogramm je Hektar deutlich. „Eine kurzfristige Lösung ist der Transport von Düngemitteln in andere Regionen. Langfristig müssen andere Wege gegangen werden“, meinte Könemann. Doch diese seien oft kostenintensiv, was die Landwirte häufig vor große Herausforderungen stelle.

„Der erste Schritt in die richtige Richtung“

Man könne nicht alles auf die Landwirte schieben, monierte ein Betroffener im Publikum als Anmerkung zu dem sensiblen Thema, das immer wieder die Gemüter erregte. Auch der Verbraucher würde Klärschlamm produzieren und dadurch den Stickstoffanteil erhöhen. Zudem sollte der verantwortungsbewusste Landwirt ein persönliches Interesse an der Einhaltung der neuen Düngeverordnung haben, pflichtete ein anderer Landwirt bei.

Am Ende ist für Rainer Könemann ein Umdenken in der Landwirtschaft das Ziel. „Der erste Schritt in die richtige Richtung ist mit der Düngeverordnung getan. Ob dieser weit genug geht, ist eine andere Sache“, so der Fachmann, der in Syke nicht nur ein interessiertes, sondern auch teilweise sehr gut informiertes Publikum hatte. Dies wurde in den zahlreichen Wortbeiträgen und der intensiven anschließenden Diskussion deutlich.

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