Bürgerstiftung: Nichtstun nervt

2021 flachgefallen und 2022 ein einziges großes Fragezeichen

Ein Bild aus früheren Zeiten: Bürgermahl 2012 mit dem damaligen Bürgerstiftungs-Vorsitzenden Wilhelm Tesch (r.) und Gastredner Asfa Wossen-Asserate. Archivfoto: Jantje Ehlers
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Ein Bild aus früheren Zeiten: Bürgermahl 2012 mit dem damaligen Bürgerstiftungs-Vorsitzenden Wilhelm Tesch (r.) und Gastredner Asfa Wossen-Asserate.

Syke – Nein: Das war kein gutes Jahr für die Syker Bürgerstiftung. Viel gearbeitet, aber fast nur für den Mülleimer. Und das schon im zweiten Jahr nacheinander. Und es steht zu befürchten: Das dürfte sich 2022 nahtlos so fortsetzen. Corona und Kontaktvermeidung machen es nicht einfach, anderen Leuten Gutes zu tun.

Die Bürgerstiftung ist durch die Pandemie keineswegs in ihrer Existenz bedroht. „Aber alles, was wir machen, hat mit Menschen und Kontakten zu tun“, sagt der Vorsitzende Ralf Michel. Nur: wenn es keine Kontakte gibt,...

Michel zählt auf: Zweimal im Jahr die Kinderakademie, zu Weihnachten der Wunschzettelbaum und einmal im Jahr das Bürgermahl mit Festvortrag zu einem aktuellen Thema und Menü: Das sind die Schwerpunkte im Jahreskalender der Stiftung. „Da machen wir Werbung für, und da generieren wir unsere Spenden.“ Schon 2020 ist all das coronahalber flachgefallen. Und nun 2021 noch einmal. Ärgerlich für die Mitglieder: Jedes Mal hatten sie im Vorfeld eine Heidenarbeit in die Vorbereitungen gesteckt.

Michel erklärt das am Beispiel der Wunschzettelaktion. Bei der sammelt die Stiftung Wunschzettel von Kindern. Die Zettel hängen dann gewöhnlich zu den Weihnachtlichen Kulturtagen an einem Weihnachtsbaum im Sparkassen-Foyer, und wer mag, nimmt sich einen, erfüllt den Wunsch und gibt sein Päckchen bei der Bürgerstiftung ab, deren Mitglieder dann die Geschenke an die Kinder ausliefern. „Wir planen so was mit ein, zwei Monaten Vorlauf“, sagt Michel. „Im Oktober sah das mit dem Infektionsgeschehen noch ganz gut aus. Da sind alle davon ausgegangen, dass wir dieses Jahr im Dezember wieder Weihnachtliche Kulturtage haben würden. Dann ist das abgespeckt worden auf eine Outdoor-Veranstaltung auf dem Rathausplatz. Wir haben überlegt und entschieden, wir machen die Wunschzettel-Aktion trotzdem und entsprechend neu geplant. Und dann sind die Kulturtage ganz abgesagt worden. Aber da hatten wir schon knapp 240 Wunschzettel bekommen. Da konnten wir ja jetzt nicht sagen: April, April.“

Mit beträchtlicher Hilfe ihres Spender-Stamms hat die Stiftung die meisten Wunschzettel selbst erfüllt. Abgesehen vom persönlichen Zeitaufwand aller Beteiligten: Das wäre auch finanziell eine große Belastung gewesen. „Wir haben aber auch rund 6000 Euro Spenden nur für diese Aktion eingenommen. Das hat uns gewaltig geholfen“, sagt Michel.

„Wir leiden keine Not! Wir sind im Grunde ein bisschen zum Nichtstun verdammt, und das stört uns“, sagt Ralf Michel.

Ansonsten war das Jahr sehr überschaubar. „Weil die Anlässe fehlten, auf denen wir normalerweise Spenden generieren“, so Michel. Und weil umgekehrt auch die Gelegenheit fehlte, sie wieder auszugeben. Lediglich ein paar kleinere Projekte konnte die Bürgerstiftung unterstützen. Unter anderem die Impfaktion in der Olympiahalle im Frühjahr, wo die Stiftung Lunchpakete für die Impfteams organisiert hatte.

Ralf Michel betont: „Wir leiden keine Not! Wir sind im Grunde ein bisschen zum Nichtstun verdammt, und das stört uns.“

2022 ist für den Vorsitzenden noch ein einziges großes Fragezeichen. „Wir hatten die Idee, unser Bürgermahl diesmal nicht im November, sondern schon im Februar zu veranstalten. Das war alles schon eingetütet. Jetzt haben wir Omikron.“

Im Frühjahr wäre auch wieder die Kinderakademie. Mit dem entsprechenden planerischen Vorlauf. Die Entscheidungen über beides ist noch nicht gefallen, sagt Michel. „Aber im Grunde wissen wir alle, dass das vermutlich wieder nichts werden wird. Das ist kein Beinbruch. Weder für uns noch für andere. Es passiert dann halt nur wieder nichts.“

Von Michael Walter

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