Schülerinnen berichten von Verunsicherung

Nicht genügend Selbsttests für Schulen im Kreis Diepholz

Ein Schulkind wendet einen Corona-Selbsttest an.
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Neues Morgenritual: In Niedersachsen sollten die Schüler sich zweimal wöchentlich vor dem Schulweg auf Corona testen.

Holprige zweite Woche für Corona-Selbsttests an Schulen. Wegen Logistikproblemen reichen die Kits nicht überall für die vorgeschriebenen zwei Tests wöchentlich.

  • Schülerin kritsiert: Wirtschaft wichtiger als unsere Gesundheit.
  • Verwirrung um Präsenz-Unterricht trotz fehlender Tests.
  • Landrat: Schulen sind keine Infektionsherde.

Landkreis Diepholz – Bildung ist ein hohes Gut? „Unsere Gesundheit finde ich wichtiger“, sagt eine 17-jährige Gymnasiastin aus dem Südkreis. Dass Schulen geöffnet seien, liege weniger an der Bildung, sondern vielmehr an der Wirtschaft, sagt sie: „Die Schüler gehen zur Schule, damit die Eltern arbeiten gehen können.“

Am Donnerstagnachmittag ist die 17-Jährige noch unentschlossen, ob sie Freitag zur Schule gehen wird: Einerseits gab es keine Tests für das Gros der Schüler an ihrer Schule, der letzte datiert von Montag. Anderseits: „Man hat schon das Gefühl, man verpasst was. Online geht es nicht so gut und außerdem bin ich im Mündlichen besser.“ Ein Blick in Schülerherzen, Lehrerzimmer und das Büro des Landrats.

Eigentlich gilt: Zwei Tests pro Woche

Seit Ende der Osterferien gilt: Jeder, der eine Schule betreten möchte, muss zweimal in der Woche über Antigen-Selbsttests nachweisen, nicht mit Covid-19 infiziert zu sein. So will es die aktuelle Corona-Verordnung des Landes Niedersachsen und so sieht es auch das geänderte Infektionsschutzgesetz des Bundes vor.

Im Szenario B (Wechselunterricht) besuchen die Klassen die Schule in Gruppen aufgeteilt. Manche Schulen teilen die Gruppen tageweise auf. Andere haben eine wochenweise Aufteilung in Gruppe 1 und 2.

Ungetestet in die Schule

Für die erste Woche nach den Osterferien gab es genügend Schnelltests an der Schule, die die 17-Jährige und ihre 18-jährige Freundin besuchen. Schon in Woche zwei sei bereits nur für Gruppe 1 ein Test vorhanden gewesen. Als dann doch noch eine begrenzte Menge an Tests eintraf, sollte Gruppe 2 zum Abholen für die darauffolgende Woche – ungetestet – in die Schule kommen.

„Wir haben doch eine Testpflicht und ohne Test darf ich gar nicht in die Schule?“, wundert sich die 18-Jährige. Sie könnte sich privat testen, zu Hause, fragt sich aber: „Was bringt das? Ich möchte nicht in die Schule, wenn die anderen nicht getestet sind.“ Sie ist irritiert: „Erst heißt es, ich komme ohne Test nicht rein. Jetzt aber doch. Und eigentlich ist doch die Schule geschlossen, wenn der Wert mehrere Tage über 100 liegt?“

Jahrgang uneinig

Beide jungen Frauen gehören dem 12. Jahrgang der Schule an. Und der sei sich nicht einig. Anfangs wollte man sich absprechen, als Jahrgang komplett nicht zur Schule zu gehen, wenn nicht alle einen Test bekommen. Das sei verworfen worden. „Wir müssen doch zur Schule“, hätten Mitschüler argumentiert. War aus dem Jahrgang schon jemand an Corona erkrankt? „Keine Ahnung. Das wird uns verschwiegen, das kriegen wir nicht mit.“

Tatsächlich scheint es an Nachschub zu hapern. Die Logistik, rechtzeitig zwei Tests pro Schüler an die rund 3 000 niedersächsischen Schulen auszuliefern, bedeutet eine Herausforderung. Nicht immer sind es einzeln abgepackte Kits, sondern Großpackungen, deren Einzelteile dann zusammengestellt werden müssen.

Nachschubprobleme auch in Syke

In Syke haben die Sets an der Realschule und am Gymnasium diese Woche nur für einen Test pro Schüler gereicht. Am Montag wies die Kreisverwaltung darauf hin, dass die Kinder in diesem Fall laut niedersächsischer Corona-Verordnung trotzdem zur Schule dürften.

„Sehr befremdlich“ findet dieses Vorgehen eine Mutter aus Syke, deren Sohn dort zur Realschule geht. Zu den Selbsttests sagt sie: „Den einen Tag ist das lebensnotwenig, den nächsten Tag ist das egal.“

Pflicht unabhängig von Verfügbarkeit

Antje Jorek, Rektorin der Syker Realschule verweist darauf, dass die Pflicht, sich zu testen, in Abhängigkeit davon besteht, wie viele Tests zur Verfügung gestellt würden. Ein wöchentlicher Test sei nicht optimal, aber besser als keiner. Ab kommender Woche werde es aber „definitiv“ wieder zwei Tests geben.

Auch am Syker Gymnasium stehen nach Auskunft des kommissarischen Schulleiters Andreas Gläser ab Montag wieder genügend Tests zur Verfügung. Er bedauert, dass die Lieferengpässe sich zu den Dingen gereiht hätten, die in der Pandemie-Bekämpfung nicht glatt gelaufen sind. Darüber, die Präsenz-Pflicht währenddessen auszusetzen, habe die Schule aber nicht entscheiden können.

Bockhop: Infektionen von außen hereingetragen

Landrat Cord Bockhop betont am Donnerstag, dass unter den derzeit rund 250 Infizierten im Landkreis nur neun Schüler seien, und zwar aus verschiedenen Schulen. Diese Zahlen zeigten, dass die Kinder sich an die Regeln hielten und dass die Infektionen von außen in die Schulen hineingetragen würden.

Schülerin: Wir fühlen uns, als würde man uns vergessen“

Die 17-jährige Schülerin aus dem Südkreis ist in ihren Forderungen deutlich: „Ich wünsche mir, dass auf die Schüler gehört wird, dass man auch mal mit uns redet. Unser Jahrgang darf im September wählen und viele werden das tun. Wir möchten ernst genommen werden. Wir fühlen uns, als würde man uns vergessen.“ Sie rechnet vor: Durch Corona habe der damalige 11. Jahrgang bereits die Oberstufenvorbereitung anpassen müssen. Das zwölfte Schuljahr ist durch Lockdown, unvollständigen Unterricht und Homeschooling geprägt. „Und nächstes Jahr sollen wir Abitur schreiben. Wir fühlen uns nicht vorbereitet.“

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