Ein Jahr nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens: Syker Blechtechnik ist auf Wachstumskurs

Neuer Name, neue Perspektiven

Syker Blechtechnik - ein Jahr nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist das Unternehmen in ruhigerem Fahrwasser.
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Syker Blechtechnik - ein Jahr nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ist das Unternehmen in ruhigerem Fahrwasser.

Syke – Die Tische und der Rest des Büros passen so was von überhaupt nicht zusammen: die Tische leicht, hell und modern. Der Rest – Wände, Schränke, Türen – dunkles Holz. Schwer, edel, sicher einmal sehr teuer gewesen, aber auch irgendwie von vorgestern. Wie der Rauchsalon auf der Titanic.

Dieser optische Gegensatz ist ein Zeichen des Umbruchs: Es geht weiter bei der Syker Blechwaren GmbH. Nur nicht so wie bisher. Auch nicht unter dem alten Namen. Syker Blechtechnik GmbH lautet der neue. Und die neuen Tische im alten Chefbüro zeigen: Der Umbruch ist noch längst nicht abgeschlossen.

Vor ziemlich genau einem Jahr – im Februar 2020 – musste das einstige Syker Vorzeigeunternehmen Insolvenz anmelden. Im Juni erfolgte dann die Übernahme durch die Gütersloher Unternehmensgruppe Friedrich Elbracht Umformtechnik. Seitdem geht es wieder bergauf.

„Vor der Insolvenz ist das Unternehmen jeden Tag ein bisschen mehr gestorben“, sagt Geschäftsführer Frank Teichert. „Heute hält es einen Stand, von dem wir gut leben können.“ Und damit soll es nicht genug sein.

Wie das Unternehmen überhaupt in Schieflage geraten ist, umschrieb Insolenzverwalter Christian Willmer im Sommer noch recht nebulös: „Altlasten, deren negative Auswirkungen nicht länger ausgeglichen werden konnten“, seien die Ursache gewesen. „Zudem hatten bestimmte strategische Entscheidungen in der Vergangenheit nicht die erhoffte Wirkung erzielt.“ Frank Teichert und sein Betriebsleiter Torsten Kochems werden da schon deutlicher: „Jeder hat eigentlich nur noch sein eigenes Süppchen gekocht, ohne das Ganze im Blick zu haben“, sagt Kochems. Und Teichert ergänzt: „Auftragsabwicklung nach Bauchgefühl – das hat vieles kaputt gemacht. Und wir sind auch immer noch am Reparieren.“

Zu weiten Teilen mussten völlig neue Strukturen geschaffen werden. Abläufe optimieren, Maschinenverfügbarkeiten besser planen und das gesamte Ressourcenmanagement verbessern. „Das ist wie ein Klavier, und wir haben noch nicht alle Tasten bedient“, sagt Teichert. „Die schwarzen fehlen uns noch.“

Aus der Firmengeschichte weiß er: „Das Unternehmen hatte lange Zeit einen ausgezeichneten Ruf bei den Kunden.“ Und sein Ziel ist: „Da wollen wir wieder hin.“

Die Zusammenarbeit mit dem Mutterkonzern ist für Teichert da sehr hilfreich: Elbracht Umformtechnik ist ein Zulieferbetrieb für diverse Branchen von der Auto- bis zur Möbelindustrie. „Ein Serienfertiger für Massenteile“, erklärt Teichert. Vom Sitzversteller für Fahrzeuge bis zu Dichtklemmen für Waschmaschinen. In Auflagen von bis zu 34 Millionen Stück pro Bauteil.

Schwierig wird’s für Gütersloh immer dann, wenn es um kleine Serien geht. Und da kommt Syke ins Spiel. „Von der Einzelanfertigung bis zu 5000 Stück, das ist genau das, was wir hier können“, sagt Teichert. „Bis zur kompletten Baugruppen-Erstellung.“

Das Prinzip funktioniert in beide Richtungen: Schon mehrfach hat Syke Kunden an Gütersloh vermittelt, die größere Serien benötigten als der Betrieb an der Werkstraße wuppen kann.

„Wir sind auf Wachstumskurs“, sagt Frank Teichert. Auch personell. Alle 36 Mitarbeiter, die zur Zeit der Insolvenz noch an Bord waren, sind übernommen worden. Vier weitere hat Teichert inzwischen eingestellt. Und er würde noch mehr einstellen. Betriebsleiter Torsten Kochems: „Vier Stellen plus ein bis zwei Azubis könnten wir sofort besetzen. Aber der Markt gibt nichts her.“ Ein neuer Schweißer sei kürzlich über Mundpropaganda durch einen Mitarbeiter akquiriert worden. Das macht Hoffnung. Teichert: „Wir brauchen Mitarbeiter, die Lust haben.“

In neue Maschinen und neue Software hat Teichert ebenso schon investiert. Und eine optische Frischzellenkur für das alte Chef-Büro ist mittelfristig bestimmt auch noch im Budget.

Im Netz

www.syker-blechtechnik.de

Von Michael Walter

Händeringend gesucht: gute Schweißer. Frank Teichert würde sofort drei bis vier einstellen. Wenn er denn welche finden würde.
Investition in die Zukunft: Betriebsleiter Torsten Kochems (links) und Geschäftsführer Frank Teichert an einer neuen Maschine, die bestimmte Arbeitsgänge schneller und genauer erledigt als das Vorgängermodell.

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