Neuer Dienst für schwerkranke Kinder

Damit Eltern eine Wahl haben

Syke/Sulingen - Einen großen Schritt zur besseren Schmerztherapie und palliativen Versorgung schwerstkranker Kinder und Jugendlicher bietet das neue „Kinder-SAPV-Team Syke & Umzu“ an (SAPV steht für spezialisierte ambulante Palliativversorgung).

Dafür haben sich das „Kinderhospiz Löwenherz“, die Kinderkrankenpflegedienste „Krank und Klein – bleib daheim“ (Sulingen) und „Flügelchen“ (Stade) zusammengetan. Sie bieten unter der Regie des „Betreuungsnetzes für schwerkranke Kinder“ (Hannover) eine ambulante pädiatrische Schmerz- und Palliativversorgung in den Landkreisen Diepholz, Nienburg, Verden bis hinauf an die Nordsee. Die Koordinierung der Einsätze übernimmt das „Betreuungsnetz“.

Die vier Monate alte Miray aus Verden ist das erste Kind, das vom Kinder- SAPV-Team durch speziell geschulte Fachkräfte versorgt wird. Die Kleine hat eine schwere Hirnfehlbildung, epileptische Anfälle und muss immer wieder lebensbedrohliche Krisen durchstehen. „Unser Ziel ist es, dass Miray zu Hause möglichst optimal versorgt ist, damit sie in ihrer gewohnten Umgebung bleiben kann und nicht unnötig leiden muss“, erläutert Mario Scheer, Kinderarzt bei Löwenherz. „Die Frage ist für uns immer: Was braucht es, um die Lebensqualität des Kindes zu verbessern? Und was brauchen die Eltern, um diese Situation zu meistern?“

Ein niedergelassener Kinderarzt oder Ärzte in einer Kinderklinik können bei Bedarf die Hilfe des SAPV-Teams verordnen. Dieses soll die Akteure – den behandelnden Kinderarzt, das Pflegeteam und die Eltern – mit seinem spezifischen Wissen um Schmerztherapie und Symptomkontrolle bei Kindern und Jugendlichen unterstützen. Sie kommen zusätzlich ins Haus.

Bei ihrem ersten Hausbesuch erstellen der Kinderschmerz-Mediziner und eine Pflegekraft des SAPV-Teams einen Bedarfsplan. Das Team passt bei Bedarf die Dosierung der Schmerzmittel an und erstellt einen Notfallplan, der alle Medikamente für Krisensituationen in der richtigen Stärke und Menge enthält. Das gibt der Familie, Ärzten und Schwestern vor Ort Sicherheit, dem Kind auch bei Notfällen sofort helfen zu können. Außerdem ermittelt das SAPV-Kinderteam, ob weitere Hilfen wie eine psychosoziale Begleitung oder Hilfsmittel erforderlich sind. Ursula Beckmann, SAPV-Kinderkrankenschwester von „Krank und Klein – bleib daheim“ erläutert, dass man nach dem ersten Hausbesuch Kontakt zur Familie halte.

Für Gaby Letzing, Leiterin des Kinder- und Jugendhospizes Löwenherz, ist vor allem die Eigenständigkeit der Familien wichtig: „Sterbende Kinder müssen nicht zwangsläufig für ihre letzten Tage oder Wochen ins Kinderhospiz kommen. Die Eltern sollen die Wahl haben, ob ihr Kind zuhause bleibt und dort auch stirbt oder sie in einem Kinderhospiz oder in einer Klinik begleitet werden wollen.“

Die medizinische Versorgung im Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz ist durch eine Kooperation mit dem Klinikverbund Bremen Gesundheit Nord/Kinderklinik „Links der Weser“ abgesichert. Informationen erteilt das Koordinationsbüro des „Betreuungsnetz für schwerkranke Kinder“ unter Telefon 0511 / 8115 8980.

Rubriklistenbild: © dpa

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