Verein „Kontakt“ stellt neue Mitarbeiterin vor

Straffällig gewordene Jugendliche bekommen neue Perspektiven

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Der Verein „Kontakt“ hat Nachwuchs: Sozialarbeiterin Anne Jahnke verstärk das Team und Polizeikommissarin Heike El-Bira den Vorstand. Nicht auf dem Foto ist Rene Scheibe, ebenfalls neues Mitglied im Vorstand. Dahinter die Vorstandmitglieder Matthias Wandzik und Reinhold Jakob (v.l.).

Syke - Von Vivian Krause. Besonders mehrfach straffällig gewordenen Jugendlichen und solchen, die sozial erheblich benachteiligt sind, greift der Verein „Kontakt“ in den Bereichen Kommunikation, Schule, Beruf oder Elternhaus unter die Arme. Dazu bietet der Verein ambulante sozialpädagogische Hilfe im Landkreis Diepholz an.

Zukünftig unterstützt Diplom-Sozialarbeiterin Anne Jahnke den Verein in der Betreuungsweisung, also der Betreuung durch einen pädagogischen Mitarbeiter. Diese können straffällig gewordenen jungen Menschen als Erziehungsmaßnahme auferlegt werden. Zentrale Methode ist das Einzelgespräch.

Auch stellen sich zwei neue Vorstandsmitglieder vor: Heike El-Bira, Polizeikommissarin für Jugendkriminalität bei der Polizeiinspektion Diepholz, und Rene Scheibe, Diplom-Sozialarbeiter beim Fachdienst Jugend des Landkreises. Die zwei reihen sich nun neben den ersten Vorsitzenden Matthias Wandzik, Rechtsanwalt in Syke, Reinhold Jakob, Diplom-Sozialarbeiter beim Fachdienst Jugend/Jugendgerichtshilfe des Landkreises, und Klaus Mikles, Kriminalhauptkommissar vom zentralen Kriminaldienst in Diepholz, ein.

Finanziert wird der Verein „Kontakt“ durch Zuschüsse vom Landkreis Diepholz und dem Land Niedersachsen. Auch Geldbußen und Spenden tragen ihren Teil zum Erhalt des nunmehr 30-jährigen Vereins bei.

Der Unterschied der Bestrafung Jugendlicher und Erwachsener sei ganz prägnant, erklärt Matthias Wandzik. So habe man bei Jugendlichen immer den Erziehungsgedanken im Blick, bei Erwachsenen gehe es um die Strafe an sich. Besonders der Freiheitsentzug sei ein falscher Weg bei Jugendlichen, so lautet der Leitsatz des Vereins: Betreuen statt einsperren. Und das wird von den Mitarbeitern in verschiedenen ambulanten Angeboten getan. So gibt es Anti-Gewalt-, Verkehrs-, oder Risiko-Kompetenztraining-Seminare, Soziale Trainingskurse oder den Täter-Opfer-Ausgleich.

Die Straffälligkeit sollte als Symptom, nicht als kriminelle Energie verstanden werden. Das, was den Jugendlichen passieren kann, im Sinne von „den Anschluss verlieren“, ist in allen Schichten möglich, nicht nur in den unteren, betont Reinhold Jakob.

Die Zahlen der betreuten Jugendlichen sind eher rückläufig. „Das heißt aber nicht, dass die Kriminalität zurückgegangen ist“, stellt Geschäftsführerin Susanne Huick fest. Die Klientel würde allerdings schwieriger, so sind viele Jugendlichen psychisch auffällig oder krank.

Dadurch muss zunächst ein Zugang zu ihnen gefunden werden, was die Arbeit erschwert und auch intensiviert, erklärt Huick. Es ginge in erster Linie nicht darum, weitere Straftaten zu vermeiden, sondern die Hintergründe zu erfahren und Unterstützung liefern zu können.

Als Erfolg interpretieren die pädagogischen Mitarbeiter schon kleine Schritte. Bei manchen Jugendlichen müsse man von null anfangen, begonnen bei einem Frisör-Besuch über Amts-Gänge bis zum Erhalten der aktuellen Wohnung. Es gehe um eine Verbesserung der Lebenssituation. „Die muss ja nicht gleich paradiesisch sein“, betont Diplom-Sozialpädagoge Holger Schröder.

Innerhalb von sechs Monaten müssen die Sozialarbeiter die Jugendlichen so weit bringen, dass sie danach alleine weiter machen können. Oft wird diese Zeit aber verlängert. Jede Woche bleiben den Mitarbeitern drei Stunden für einen Jugendlichen. „Das ist aber kein starres Gerüst. Wir behandeln jeden bedarfsorientiert“, so der stellvertretende Geschäftsführer Holger Schröder.

Der Vorstand betont die ideale Situation, dass Richter und Staatsanwälte den Verein vorbehaltslos unterstützen. „Das sind 30 Jahre Anerkennung durch die Gerichte und das Land“, betont Reinhold Jakob. Auch die Geldbußen, die dem Verein von Staatsanwälten und Richtern zugesprochen werden, „sind ein Beweis dafür, dass wir gute Arbeit machen“, so Matthias Wandzik.

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