Inna Brodt übernimmt Leitung im DRK-Seniorenheim Syke

Neue Chefin am Friedeholz

Neue Chefin im DRK-Seniorenheim Syke am Friedeholz: Inna Brodt (Mitte) hat die Nachfolge von Jürgen Büsen angetreten, der in den Altersruhestand gegangen ist.
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Neue Chefin im DRK-Seniorenheim Syke am Friedeholz: Inna Brodt (Mitte) hat die Nachfolge von Jürgen Büsen angetreten, der in den Altersruhestand gegangen ist.

Syke – Es ist alles noch ganz neu und sie ist noch mitten in der Einarbeitungsphase. Aber so viel weiß Inna Brodt schon: Sie hat ein sehr gut strukturiertes Haus und ein sehr engagiertes Mitatbeiter-Team übernommen. Mit Wirkung zum 1. Oktober hat die 47-Jährige die Leitung des DRK-Seniorenheims Syke am Friedeholz übernommen.

Inna Brodt hat damit die Nachfolge von Jürgen Büsen angetreten, der das Haus rund 20 Jahre lang maßgeblich geprägt hat und jetzt in den Altersruhestand gegangen ist.

Inna Brodt hat ihren Job sozusagen von der Pike auf gelernt: Examinierte Altenpflegerin ist sie, hat sich dann zur Fachkraft für Geronteopsychiatrie weitergebildet (Fachrichtung: Demenzerkrankungen) und später die Qualifikation für das „Management Soziale Einrichtungen“ draufgesattelt. Seit 2011 ist sie in leitender Funktion tätig. Zuerst in der Pflegedienstleitung, ab 2016 dann als Heimleiterin. Erst in einer Einrichtung in Nienburg, jetzt in Syke.

Zuhause ist Inna Brodt in Siedenburg. Geboren und aufgewachsen ist sie aber in Kasachstan. „In einer kleinen Stadt im Süden mit etwa 40 000 Einwohnern“, erzählt sie. „Es gibt dort hauptsächlich Phosphor-Bergbau.“ Die deutsche Minderheit in Kasachstan stammt von den sogenannten Wolgadeutschen ab, die 1941 von Stalin zwangsweise umgesiedelt worden waren. Nach der Auflösung der Sowjetunion zum Jahresende 1991 setzte eine Auswanderungswelle nach Deutschland ein. Auch Inna Brodts Familie gehörte dazu.

„Meine Mama ist eine geborene Schmidt und mein Papa heißt Schäfer“, erzählt sie. Das „Brodt“ kommt von ihrem Mann, ebenfalls ein Kasachstan-Deutscher. Beide waren schon verheiratet, als es nach Deutschland ging. Nachdem die Familie drei Jahre lang auf die Bearbeitung ihres Antrags durch die deutschen Behörden warten musste.

An ihren Neustart erinnert sich Inna Brodt noch gut. „Kultur und Sprache waren mir nicht fremd. Bis ich vier war, hab ich überhaupt kein Russisch gekonnt. Das musste ich erst für die Schule lernen. Deutsch hab ich dann als Fremdsprache belegt. Aber wir sind mit einem veralteten Deutsch hierher gekommen.“ Die moderne Umgangssprache hat sie sich dann selbst beigebracht. Mit Lore-Liebesromanen. „Das war dann immer ein Erfolgserlebnis, wenn man eines dieser Heftchen durch hatte.“

Die Stelle in Syke hat quasi auf sie gewartet, erzählt Inna Brodt. „Sie ist mir von der Geschäftsführung schon vor längerer Zeit mal angeboten worden. Da wollte ich aber nicht. Etwa ein Jahr später habe ich dann von mir aus mal nachgefragt. Da war die Stelle noch frei.“

Vorgefunden hat sie in Syke „ein total nettes Team“. Sich gegenseitig aneinander zu gewöhnen, sei auch für sie sehr aufregend gewesen. „Eine Einrichtung in Männerhand kommt in Frauenhand. Das ist erstmal ungewohnt. Frauen führen anders. Und viele Mitarbeiter hier sind schon 20 bis 25 Jahre lang dabei. Inzwischen sind beide Seiten aber sehr entspannt. Wir reden offen und lachen miteinander. Das ist erstmal ein gutes Zeichen.“

An großartige Veränderungen im Haus denkt Inna Brodt im Moment überhaupt nicht. „Gefühlt dokumentieren wir nur noch Corona. Wir müssen so viel beachten, da bleibt keine Zeit für irgendetwas anderes.“

Den viel zitierten Personalnotstand spürt aber auch sie. „Wir bräuchten dringend zusätzliche Mitarbeiter in der Pflege. Aber es gibt keine. Demnächst gehen zwei Mitarbeiter in den Ruhestand. Ich werde deren Stellen wahrscheinlich nicht wieder besetzen können.“

Welche guten Eigenschaften schreibt Inna Brodt sich selbst zu? „Ehrlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Freundlichkeit“, antwortet sie ohne lang zu überlegen. Und welche schlechten? „Ich bin eine Perfektionistin. Auf die anderen gehe ich lieber gar nicht erst ein.“

Worüber freut sie sich? – Spontane Antwort: „Über Erfolge anderer. Meiner Mitarbeiter. Meiner Kinder. Und wenn jemand seine Versprechen einhält.“

Und was ärgert Inna Brodt? „Unterschwellige Spielchen hintenrum“, sagt sie und meint damit: Alles, was mit Klatsch, Tratsch, Intrigen und Unaufrichtigkeit zu tun hat. „Ich kann besser die bittere Wahrheit ertragen als die süße Lüge.“

Von Michael Walter

Inna Brodt ist Jahrgang 1973, verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. In ihrer Freizeit lernt sie gerade Orgel spielen: Kirchenmusik und Klassik. „Ob ich das dann jemals wirklich auch mache, weiß ich noch nicht.“

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