Kreismuseum erzählt Geschichten

Wenn Dinge reden könnten

Anika Weise misst ein Bündel Getreide
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Annika Weise zeigt‘s per Zollstock: Fast zwei Meter hoch ist das Getreidebündel.

Syke – Ein Museum ist, vereinfacht gesagt, ein Ort, an dem alte Dinge Geschichte erlebbar machen. Und damit das interessant bleibt, muss es immer mal wieder etwas Neues zu sehen geben. Das müssen nicht immer sensationelle Dinge sein. Manchmal können auch scheinbar unspektakuläre Objekte einen geschichtlichen Wert haben. Und manchmal haben sie selbst sogar eine spannende Geschichte. Das Kreismuseum hat zum Beispiel gerade drei solcher Stücke neu in seinen Ausstellungen.

Na gut: Das erste ist streng genommen gar kein Ausstellungsstück, sondern eigentlich nur Dekoration. Es ist ein Bündel Stroh, das in der hauswirtschaftlichen Ausstellung im Obergeschoss der Diele eine Stellfläche schmückt. Mit einem Zollstock stellt sich Annika Weise daneben und zeigt, was es damit Besonderes auf sich hat: Das Stroh ist durchgehend 1,8 0 m hoch, die längsten Halme sogar fast zwei Meter. „So hohes Getreide gibt es heute praktisch gar nicht mehr“, sagt sie.

Annika Weise ist Restauratorin und Magazinverwalterin am Museum und außerdem für den Auf- und Abbau der Ausstellungen zuständig. Von daher kennt sie den Hintergrund dieses Strohbündels genau: „Das ist ein Geschenk von Heini Evers aus Twistringen“, erzählt sie. Evers ist einer der wenigen, die in Deutschland noch Getreide mit solch langen Halmen anbauen. Und er verarbeitet auch das Stroh mit alten Maschinen und Handwerkstechniken selber. „Er macht das als Hobby“, erzählt Weise. „Aber es gibt immer noch Abnehmer für dieses Langstroh.“ Als Beispiel nennt Annika Weise das Projekt „Campus Galli“ in Süddeutschland, wo ein Kloster aus dem 9. Jahrhundert mit den Mitteln und Methoden des 9. Jahrhunderts nachgebaut wird. Dort wird das Twistringer Stroh zum Dacheindecken benutzt, wie auch in anderen Museumsdörfern. Im Kreismuseum illustriert das Bündel das Ausstellungsthema Mahlzeiten auf dem Feld. Auch für Mitmach-Aktionen nutzt das Kreismuseum Getreide von Heini Evers. Etwa beim museumspädagogischen Projekt „Vom Korn zum Brot“.

Weit älter ist das Stück, das seit Kurzem in der vor- und frühgeschichtlichen Abteilung steht: das Schwert von Nechtelsen. Archäologin Nele Miethig erklärt: „Das ist ein Bronzeschwert, das 1899 bei Sulingen in einem Hügelgrab gefunden worden ist. Weil die Gegend damals preußisch war, ist es automatisch nach Berlin gekommen. Und da hat es dann 120 Jahre lang gelegen. Bis es jetzt zum ersten Mal in den Landkreis Diepholz zurückgekommen ist.“ Als Dauerleihgabe übrigens. Allein das ist schon eine spannende Geschichte. „Wir haben alte Akten digitalisiert und sind dabei auf das Schwert gestoßen“, erzählt Nele Miethig. „Wir haben dann in Berlin eine Leihanfrage gestellt, und jetzt ist es hier.“

Nele Miethig vor dem originalen Schwert von Nechtelsen. In den Händen hält sie ein mit antiken Techniken hergestelltes Replikat.

Das Schwert ist laut Nele Miethig noch ein paar hundert Jahre älter als der Gesseler Goldhort. Ein Bronzeguss und eine handwerkliche Meisterleistung. Die Oberfläche des Originals ist allerdings stark angegriffen. „Eine Folge der damaligen Konservierungsmethode, die man heute nicht mehr anwendet.“ Deshalb hat das Kreismuseum bei einem Spezialisten für antike Fertigungstechniken zwei Replikate in Auftrag gegeben. Eins mit rekonstruiertem Griff und eins – wie das Original – ohne.

Auffallend ist die verhältnismäßig schmale Klinge. „Wir vermuten daher, dass es ein Prunkschwert war, mit dem nicht gekämpft wurde. Es ist aber tatsächlich eine einsetzbare Waffe“, sagt Nele Miethig.

Im Kindermuseum steht seit kurzer Zeit das etwa ein Meter hohe Modell eines Pferdestalls mit Speicherboden. Annika Weise kennt die Geschichte dahinter: „Gebaut hat ihn Friedrich Koch aus Leeste in der Kriegsgefangenschaft.“ Koch war als junger Soldat in Frankreich stationiert und in Gefangenschaft geraten. Den Stall hat er als Spielzeug für seinen kleinen Sohn gebaut, der damals etwa vier Jahre alt gewesen sein muss.

Pferde und Wagen stehen sicher hinter Glas...
...mit dem Stall kann man hingegen immer noch spielen.

Wie Koch nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft den zwar zerlegbaren, aber trotzdem großen und schweren Stall samt dreier Holzpferde und zwei Wagen nach Hause bekommen hat, ist nicht überliefert. Bekannt ist, dass über längere Zeit viele Kinder intensiv damit gespielt hatten und der Stall dann jahrzehntelang auf dem Speicher lag, wo er 2010 wiederentdeckt und reaktiviert worden ist.

Zuletzt war er bei einer Familie mit vier Kindern. „Die Kinder hatten dann beschlossen, dass er im Museum besser aufgehoben ist“, sagt Annika Weise. „Sie wollten ihn nicht kaputt spielen.“ Jetzt stehen Stall und Zubehör im Kindermuseum. Pferde und Wagen sicher hinter Glas. Der Stall selbst ist aber nach wie vor spielbar.

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