„Das nennt man talentiert!“

Selbstversuch: Line Dance mit den Brisk Boots im Hotel Wessels in Syke

+
Volontärin Janna Silinger besucht einen Schnupperkurs im Line Dance. Die Brisk Boots aus Syke nehmen sie freundlich in Empfang und zeigen ihr geduldig, wie dieser Tanz funktioniert. 

Syke - Von Janna Silinger. Eigentlich war es die Idee meines Kollegen, mich zum Line Dance zu schicken. Ich könnte doch einen Selbstversuch wagen. Ohne drüber nachzudenken, sagte ich enthusiastisch zu – und erntete erstaunte Blicke meiner anderen Kollegen. Aber: Neues auszuprobieren, soll Alzheimer vorbeugen, der psychischen Gesundheit guttun und den Horizont erweitern. Das habe ich irgendwo gelesen. Wieso also nicht?

Ich treffe mich mit den Brisk Boots vorm Hotel Wessels in Syke. Die Frauen und der Mann (er sucht dringend Unterstützung) präsentieren sich als eingespieltes Team – sie tragen weiße Hemden und amerikanische Flaggen um den Hals. Gut gelaunt empfangen sie mich. Dann geht es direkt in den Saal des Hotels. Ich kann noch schnell ein paar Fragen stellen, während die Gruppenleiterin Manuela Kleinecke ihr Tablet an die Boxen schließt. Die Gruppe tanzt seit mehreren Jahren zusammen, einige der Mitglieder betreiben dieses Hobby bereits 20 Jahre.

Da für mich zum Selbstversuch gehört, komplett unbefangen an die Sache zu gehen, bin ich auch in keiner Weise informiert und muss fragen, was Line Dance eigentlich genau ist. Ein wenig überrascht über mein Unwissen sagt Kleinecke „Line Dance ist ein Gruppentanz in der Reihe – ohne Anfassen.“ Die Antwort beruhigt mich. Es ist ein sehr warmer Tag. Auf Anfassen oder Angefasst-Werden habe ich wenig Lust.

Dann startet die Musik. Ohne Absprache legen die zehn Teilnehmer, die heute dabei sind, los. Gar nicht so unkomplizierte Schritte, zu US-amerikanischer Country-Musik. Dann fällt mir auch wieder ein, dass ich Line Dance sehr wohl kenne. Aus dem Film Footloose.

Vollkommen überfordert

Nach wenigen Takten wird klar: Ich bin vollkommen überfordert. Jeglicher Versuch, nicht bescheuert auszusehen, scheitert gnadenlos. Da mir versichert wird, dass es allen Anfängern so ergehe, lasse ich mich drauf ein. Versuche mitzukommen. Gebe alles – und komme dann trotzdem nicht mit. Unangenehm ist das nicht, da die Gruppe sich größte Mühe gibt, mich freundlich aufzunehmen und mir zu zeigen, dass jeder Fehler macht. Stimmt bloß nicht. Ich bin die Einzige.

Anschließend lernen wir eine kurze Choreografie. Und ich muss dazu in die erste Reihe kommen, direkt hinter die Trainerin. Ich weigere mich kurz, denn die erste Reihe meide ich grundsätzlich. Ich habe eigentlich nicht vor, damit ausgerechnet jetzt aufzuhören. Aber mir bleibt keine Wahl. Eine Gasse bildet sich. Alle Augen sind auf mich gerichtet. Es wird vermutlich noch unangenehmer, wenn ich mich jetzt wie ein trotziges Kleinkind in der Ecke verkrieche. Also los!

Dann entpuppt sich die Idee jedoch als ganz gut. Ich kann so mit direktem Blickkontakt auf die Beine der Kursleiterin die Choreografie nachtanzen. Bis es bei allen sitzt, wiederholen wir die Schrittfolge: Rechts, zwo, drei, Slide – links, zwo, drei, Tap, drei Schritte rückwärts, tap, vorwärts, tap, rückwärts tap, vorwärts Tap, hoch das Bein und rechts zwo drei... Dabei komme ich gut mit.

„Das nennt man talentiert“, sagt eine freundliche Frau zu mir. Komplimente setzten mich leider immer ein bisschen unter Druck. Das führt dazu, dass ich in der letzten Runde wieder absolute Inkompetenz beweise und ganz schön ins Schwitzen komme.

Gruppe sucht neue Mitglieder

„Wir tanzen zu Pop und Country“, erklärt mir Kleinecke zum Schluss der Stunde. Der Tanz stamme aus den USA und habe sich dort im 20. Jahrhundert entwickelt. Und irgendwie ist er dann wieder zurück nach Europa gekommen.

Auftritte haben die Brisk Boots keine. Es geht ausschließlich um die Sache an sich. Warum entscheidet man sich dazu, Line Dance zu machen? „Weil's einfach Spaß macht, miteinander ungezwungen zu tanzen.“ Stimmt!

Die Gruppe sucht neue Mitglieder und würde sich freuen, sowohl Anfänger als auch erfahrenen Line Dancer begrüßen zu dürfen. Ich kann versichern, dass man beim ersten Versuch ständig im Weg steht und allen auf die Füße tritt. Aber das nimmt einem zum Glück keiner übel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Trump sieht seinen Gipfel mit Putin optimistisch

Trump sieht seinen Gipfel mit Putin optimistisch

Fahren E-Autos wirklich anders als "normale" Autos?

Fahren E-Autos wirklich anders als "normale" Autos?

Scheunenbrand in Sage

Scheunenbrand in Sage

Flächenbrand an der A27 bei Langwedel

Flächenbrand an der A27 bei Langwedel

Meistgelesene Artikel

Twistringen hat einen neuen König: Dieter Kathmann erzielt 20 Ringe

Twistringen hat einen neuen König: Dieter Kathmann erzielt 20 Ringe

Vom Line-up bis zum Wetter: Beim 23. Neuenkirchener Open Air stimmt alles

Vom Line-up bis zum Wetter: Beim 23. Neuenkirchener Open Air stimmt alles

Schwerer Raubüberfall in Rehden: Vermummte Täter fesseln Bewohner

Schwerer Raubüberfall in Rehden: Vermummte Täter fesseln Bewohner

Stromverteilung brennt in Brinkum 

Stromverteilung brennt in Brinkum 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.