„Wie sieht das hier denn aus?“

Syke gibt der Natur mehr Raum – aber nicht allen gefällt das

Oben: Angelika Hanel zeigt, was allein schon zwischen Fahrbahn und Bürgersteig von ganz alleine wächst, wenn man „einfach mal nichts macht“.
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Oben: Angelika Hanel zeigt, was allein schon zwischen Fahrbahn und Bürgersteig von ganz alleine wächst, wenn man „einfach mal nichts macht“.

Die kleinen Paradiese entstehen ganz von selbst am Straßenrand, sind völlig kostenlos und müssen noch nicht mal besonders abgelegen sein.

Ein schönes Beispiel dafür findet sich an der Ferdinand-Salfer-Straße: Auf der einen Seite das Schulzentrum, auf der anderen der Sportplatz, dazwischen verlaufen die Linienbus-Anbindung zum Bahnhof und mehrere Spazierwege. Und es ist eigentlich völlig egal, in welche Richtung sich Stadtbiologin Angelika Hanel umdreht – überall kann sie bemerkenswerte Entwicklungen zeigen.

Das fängt direkt am Grünstreifen zwischen Straße und Bürgersteig an. „Hier haben wir: Glockenblume, Wilde Möhre und Schafgarbe“, zeigt sie. „Das hier ist Johanniskraut, eine Heilpflanze. Die wird gerne mal mit Jakobskreuzkraut verwechselt, das hat aber einen völlig anderen Blütenstand“, ist sie ganz in ihrem Element.

Ein Stückchen weiter hat die Stadt einen größeren Bereich so „ungepflegt“ wachsen lassen und auf diese Weise ein richtiges Biotop geschaffen.

Und das hat sich alles ganz von allein dort angesiedelt. Weil die Stadt da ganz bewusst lange Zeit nicht gemäht hat. „Das war alles noch im Boden. Hier ist jahrzehntelang nicht gespritzt worden“, sagt Hanel. Alles, was die Stadt getan hat, war: Den Pflanzen so lange Zeit zu geben, dass sie sich wieder neu aussäen konnten. Und so macht sie es inzwischen an vielen Stellen.

Ein kleines Stück weiter beim Kreisverkehr führt der Spazierweg Richtung Rolandstraße/Bremer Weg vorbei an einem kleinen Rodel-Hügel. Auch dort stehen jetzt kniehoch die Wildblumen. Auf den Luftbildern bei Google Maps ist das alles noch dunkelgrün gemähtes Gras. Wie auch gegenüber die Insektenwiese hinterm Sportplatz. Das ist erst ein paar Jahre her.

„Die trockenen Sommer der letzten Jahre haben diese Entwicklung begünstigt“, erklärt Hanel. „Das Gras welkt weg, und die Kräuter kommen durch.“

„Wir kriegen nach wie vor Beschwerden. Auch von Ratsmitgliedern!“

Nicht allen gefällt das. Bürgermeisterin Suse Laue betätigt: „Es ist nach wie vor so, dass wir Beschwerden kriegen, das müsse doch ordentlich aussehen. Auch von Ratsmitgliedern! Wir wollen aber ganz bewusst der Natur mehr Raum geben. Für Vögel, Igel und andere Kleinsäuger.“

Dieser gezielte Wildwuchs streut mit der Zeit von ganz allein immer weiter in die Siedlungsbereiche hinein. Hanel: „Das kommt gerade bei Älteren manchmal nicht so gut an. Weil es für sie ungepflegt aussieht.“ Hanel ärgert das ein bisschen. „Auf Bildern finden sie blühende Pflanzen alle toll. Das hört aber auf, sobald sie vor der eigenen Nase eine größere Fläche haben. Dann ist das plötzlich alles Unkraut.“

Aber sie ist zuversichtlich: „Wenn wir das noch ein paar Jahre so weiter machen, haben sich die Leute dran gewöhnt.“

Suse Laue geht sogar noch einen Schritt weiter und hofft, dass die vielen Blühstreifen und -wiesen zum Nachmachen animieren. „Vielleicht haben die Leute ja auch bei sich zu Hause im Garten eine Ecke, wo sie das, was da wächst, einfach mal stehen lassen.“ Die Zeit wird’s zeigen.

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