Ranga Yogeshwar referiert über Fortschritt und Innovation

Nächste Ausfahrt: Zukunft

Ranga Yogeshwar sprach am Donnerstag im vollbesetzten Saal der Syker Kreissparkasse. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Robin Grulke. „Er gilt als einzigartiger Übersetzer von Wissenschaft in Sprache.“ So präsentierte Günter Günnemann, Vorstandsvorsitzender der Kreissparkasse Syke, am Donnerstag Abend den Moderator, Wissenschaftsjournalist und Physiker Ranga Yogeshwar. Große Worte, die Yogeshwar im Laufe seines rund einstündigen Vortrags bestätigen sollte.

Der 57-jährige gebürtige Luxemburger mit indischen Wurzeln hat experimentelle Physik studiert und moderiert seit 1990 diverse Sendungen im Fernsehen, darunter die „Wissenschaftsshow“, „Quarks & Co“ und „W wie Wissen“. Er ist ein versierter „Lehrer“, der es vermag, komplizierte Themen verständlich zu vermitteln.

An diesem Abend hat er sich das Thema Fortschritt ausgesucht. Er erzählt, wie das Smartphone uns Menschen verändert hat. Die „junge Generation“ würde heute ständig kommunizieren, immer in Kontakt stehen und ihre Pläne ändern. Wenn Ranga Yogeshwar seine 17-jährige Tochter fragt, welche Pläne sie für den Abend habe, sei „mal gucken“ eine Standardantwort. Der ständige Informationsaustausch ermöglicht es den jungen Menschen von heute, weitaus flexibler in ihrem Handeln zu sein. Sie erlangen „die Fähigkeit, umzudenken“.

Vor rund 30 Jahren hatte der schnellste Computer der Welt eine Rechenleistung von etwa 200 Megaflops – und einen stolzen Preis. 15 Millionen Dollar kostete die Firma „Cray Research“ damals diese Ausnahme-Maschine. Heute hat ein handelsüblicher Desktop-PC nicht selten Leistungen um die sieben Millionen Megaflops – und kostet keine 2000 Euro.

„Früher war man krank und ging zum Arzt“, so Yogeshwar. Heute sei es möglich, bestimmte Krankheiten im Vorfeld zu erkennen, Risiken abzuschätzen und die Gesundheit eines Menschen präventiv zu schützen. Die Brustkrebsoperation von Angelina Jolie sowie eine Parkinson-Diagnose-Hotline, die die Erkrankung anhand der vom Telefon übertragenen Stimme erkennt, nennt der Moderater als aktuelle Beispiele.

Auch auf die „normativen Kräfte des Neuen“ wirft er einen Blick: Vor 20 Jahren wurden bundesweit nur wenige Kilogramm Methylphenidat konsumiert. Das ist ein Wirkstoff, der in dem konzentrationssteigernden Medikament Ritalin enthalten ist. Heute sind es über zwei Tonnen. Inzwischen seien es hierzulande „über 150.000 Kinder, die heute Morgen ‘ne Pille eingeworfen haben, um mitzukommen.“

Forscher sollten vorher nachdenken

In allen Bereichen könne man dem steten Fortschritt Positives wie Negatives abgewinnen. Ein selbstlaufender Roboter, der seine Umgebung analysiert und in hohem Tempo über Hindernisse springt, könne auf schwierigem Terrain militärische Unterstützung bieten oder kaum begehbare Umgebungen erkunden. „Als ich das gesehen habe, lief’s mir kalt den Rücken runter. Dem will man nicht im Wald begegnen.“

Neben globaler Erwärmung und international geführten Kriegen nennt Yogeshwar künstliche Intelligenz als ein Thema, dessen Entwicklung wir Menschen im richtigen Moment einen Riegel vorschieben müssen. „Wenn wir so weitermachen, kommen wir an einen Punkt, an dem es nicht zurückgeht.“ Forscher sollten „vorher nachdenken“, wenn sie etwas Neues schaffen können.

Ranga Yogeshwar appelliert an die „ältere Generation“, mehr Anteil an den technologischen Entwicklungen zu nehmen. „Sie sind ein Teil davon. Sie können das!“, betont er und mahnt, nicht den Kopf in den Sand zu stecken und das Feld der Innovation „den jungen Leuten“ zu überlassen. „Wir alle müssen die Betriebsanleitung für den Umgang mit dem Fortschritt selbst schreiben.“

Yogeshwar beendet den Abend mit einem Bild seiner Tochter: Ihre Augen strahlen von der Leinwand. „Wenn ich in diese Augen schaue, sehe ich Neugier.“ Neugier auf Unerforschtes, Unbekanntes und auf Dinge, die heute noch unmöglich scheinen.

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