Nach dem Zusammenbruch im Herbst lautet für die Fußballsparte jetzt die Devise „Neustart von ganz unten“

TuS Syke: Ein Traditionsclub auf der Suche nach der Zukunft

+
Das Vereinsheim am Waldstadion ist für viele ein Symbol für den Verfall des Fußballs im TuS Syke. Von der Ausstattung her nicht mehr zeitgemäß und baulich sanierungsbedürftig, sehen manche darin sogar einen Fall für die Abrissbirne. Der Verein hat sich jedoch für eine Sanierung im kleinen Rahmen entschieden.

Syke - Von Michael Walter. Anfang der 1980er Jahre: Der TuS Syke ist eine Fußball-Macht in Niedersachsen. Die Verbandsliga-Mannschaft rüttelt kräftig an der Tür zur Amateur-Oberliga Nord, damals die dritthöchste Spielklasse in Deutschland, und verpasst den Aufstieg mehrfach nur knapp.– September 2014: Mangels Spielern muss der TuS seine letzte noch verbliebene Herrenmannschaft aus der 2.Kreisklasse abmelden.

Was ist da so gründlich schief gelaufen, dass es so weit kommen konnte? Und was soll jetzt passieren, damit es wieder anders wird?

„Neustart von ganz unten“ lautet die Devise, die der TuS dazu ausgegeben hat. Kurz vor Weihnachten hat sich die Fußballsparte neu aufgestellt und eine Doppelspitze installiert. Ziel: Zur nächsten Saison wieder eine Herrenmannschaft zu melden und durch bessere Jugendarbeit kontinuierlich Spieler aus der eigenen Jugend an den Erwachsenenbereich heranzuführen.

„Genau daran hat es seit langer Zeit gekrankt“, ist Markus Duhme überzeugt. Er ist der neue Spartenleiter „Jugend“ im Fußballbereich. Um den Erwachsenenbereich kümmert sich der Ex-Trainer der Ersten Herren, Uwe Behrens. Viel zu oft und viel zu lange habe der TuS lieber „fertige“ Spieler und Trainer von anderen Clubs geholt und dabei die eigene Nachwuchsarbeit vernachlässigt, meint Duhme. Folge: Spieler, die beim TuS das Kicken gelernt haben, sind reihenweise zu anderen Vereinen gewechselt, weil sie dort bessere Bedingungen vorgefunden haben. Und heute? „In der G-, F- und E-Jugend haben wir ausreichend viele Spieler. Bei den älteren Jahrgängen ist es eng“, so Duhme.

Diesen Entwurf für einen Umbau des Vereinsheims hatte die Architektin Sigrun Steinmetz vor ein paar Jahren vorgeschlagen, als sie für den TuS als ehrenamtliche Geschäftsführerin tätig war. Mit geschätzten Kosten von rund 650 000 Euro war er dem Vorstand allerdings zu teuer.

Fußball im TuS wirkt nur begrenzt attraktiv. Das hat viele Gründe, und nicht wenige davon sind hausgemacht. Angefangen damit, dass der Verein durchaus eine gewisse Mitschuld daran hat, dass er nur mit Schwierigkeiten qualifizierte Trainer finden kann. Es spricht sich eben rum, wenn Übungsleiter immer und immer wieder monatelang auf ihre Aufwandsentschädigungen warten müssen. Oder dass es manchmal schier unmöglich scheint, für bestimmte Dinge einen kompetenten Ansprechpartner zu finden, und solche Probleme einfach ausgesessen werden. Wer aber das Gefühl hat, man lasse ihn immer wieder gegen die gleichen Wände laufen, der verbreitet nicht unbedingt positive Reklame.

Karsten Bödeker ist ebenfalls seit 1998 Vorstandsmitglied. Als aktiver Fußballer spielte er in der Zweiten Herren, später war er Spartenleiter. Heute ist Bödeker Sprecher des TuS.

„Das Grundproblem beim TuS war schon immer die Kommunikation“, sagt Clubsprecher Karsten Bödeker. „Es wurde schon immer zu viel übereinander und zu wenig miteinander geredet. Und es kommen immer wieder welche nach, die es genauso machen.“ Womit Bödeker ausdrücklich nicht die neue Spartenleitung meint, sondern die Ebenen darunter. Bödeker sichert zu: „Wenn es irgendwo ein Problem gibt, dann lösen wir es. Informiert eure Spartenleitung, und ich garantiere, dass dieses Problem dann auch bearbeitet wird. Manchmal dauert das bloß etwas länger.“

Der Witz bei der Kommunikation ist allerdings, dass sie in beide Richtungen funktionieren muss. Also auch vom Vorstand zur Spartenleiter-Ebene und weiter zu den Trainern und Betreuern. Und Bödeker weiß, dass es da an mancher Stelle hakt, mitunter sogar seit langer Zeit.

Bödeker gibt ein Beispiel für das eigentliche Problem: „Auf der letzten Spartenversammlung waren 25 Teilnehmer. Das ist nicht viel. Wir hatten aber auch schon welche, da waren wir nicht mal im zweistelligen Bereich. Und dann versuch mal, alle nötigen Funktionen zu besetzen. Da musst du dir den auskucken, von dem du glaubst, dass er es noch am ehesten hinkriegt.“

Als Peter Schnabel 1998 zum Vorsitzenden des TuS Syke gewählt wurde, übernahm er einen Verein mit knapp einer Viertelmillion Mark Schulden. Heute ist der TuS schuldenfrei.

Die Ursache sieht Bödeker gar nicht unbedingt in mangelndem Interesse der Vereinsmitglieder, sondern schlicht in den fehlenden Möglichkeiten. „Wer hat denn heute noch Zeit, sich in größerem Umfang ehrenamtlich zu engagieren?“ Sollte der TuS dann nicht besser einen hauptamtlichen Geschäftsführer einstellen? TuS-Chef Peter Schnabel meint: „Das wäre keine Lösung. Der müsste ja auch wieder auf die Ehrenamtlichen zurückgreifen.“ Defizite sieht Markus Duhme auch in der Identifikation mit dem Verein. „Das Vereinsheim am Waldstadion müsste der zentrale Punkt sein, an dem sich das Vereinsleben abspielt. Und ich rede hier nicht von einer Gaststätte. Aber das Vereinsheim ist tot.“ Pläne zur Modernisierung inklusive kleiner Mehrzweckhalle im aufgestockten Obergeschoss liegen seit Jahren fertig in der Schublade. „Aber die wurden als zu teuer vom Tisch gewischt.“

Zu voreilig? Duhme findet: „Ja! Statt dessen wird jetzt wieder hier und da ein bisschen ausgebessert. Auch das kostet viel Geld, löst aber das Problem nicht.“

Markus Duhme ist neuer Leiter des Fußball-Nachwuchses. Über seinen Sohn, der seit der G-Jugend im TuS kickt, ist er nach und nach in die Teambetreuung „hineingerutscht“.

„Sollen wir uns für das Vereinsheim wieder auf Jahrzehnte hinaus verschulden?“, fragt Peter Schnabel dagegen. Er hält es für weit sinnvoller, wenn der Verein in absehbarer Zeit eine der stadteigenen Sporthallen übernehmen und in Eigenregie betreiben könnte. Etwa die Halle am Riederdamm. „Das wäre sicher interessanter als da oben.“Was Markus Duhme grundsätzlich vermisst, ist eine Strategie für die Zukunft. „Wie soll der TuS 2030 aussehen? Wo wollen wir hin? Wie schaffen wir das? Es gibt überhaupt keine Perspektive.“ „Es hat schon zwei Symposien zu dieser Frage gegeben“, sagt Peter Schnabel. „Die Ergebnisse waren aber unbefriedigend. Wir machen im Januar ein weiteres.“

Und in welche Richtung möchte er das TuS-Schiff steuern? „Wir sind ein Verein mit sehr vielen Sparten. Gemeinschaftsveranstaltungen könnten da zur Identifikation beitragen.“ Darüber hinaus sieht er Schwerpunkte in den Bereichen Gesundheitspräventionssport, Ü40 sowie Kinder- und Jugendsport. Schnabel sagt aber auch: „Eigentlich wäre es langsam mal Zeit für einen neuen Vorsitzenden. Ich bin jetzt 63 und mache das seit 16Jahren. Das reicht!“

Lesen Sie auch:

Jahrzehntelange Talfahrt in Etappen

Defizite auch im Training

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Gladbach besiegt die Bayern - auch Leipzig und BVB gewinnen

Gladbach besiegt die Bayern - auch Leipzig und BVB gewinnen

Moisander nimmt die letzte Hürde - Fotostrecke vom Werder-Abschlusstraining vor SCP

Moisander nimmt die letzte Hürde - Fotostrecke vom Werder-Abschlusstraining vor SCP

Heimsieg für Hannover 96 - VfL Osnabrück rückt vor

Heimsieg für Hannover 96 - VfL Osnabrück rückt vor

Empfang für die Feuerwehren in der Gemeinde Weyhe

Empfang für die Feuerwehren in der Gemeinde Weyhe

Meistgelesene Artikel

TV Stuhr startet Sticker-Aktion: „Ich glaub’, ich bin eine Niete“

TV Stuhr startet Sticker-Aktion: „Ich glaub’, ich bin eine Niete“

Landwirtschafts-Azubis auf der Suche nach dem perfekten Bein

Landwirtschafts-Azubis auf der Suche nach dem perfekten Bein

Melanie und Alexander Lenz spenden 10. 000 Euro – und ernten Shitstorm

Melanie und Alexander Lenz spenden 10. 000 Euro – und ernten Shitstorm

Karussell-Freifahrten dank Stromausfall

Karussell-Freifahrten dank Stromausfall

Kommentare