Nach 40 Jahren wieder SY

Beim Landkreis-Geburtstag signalisiert Landrat: Er steht hinter altem SY-Kennzeichen

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Horst Meyer, Leiter des Ordnungsamtes in Syke, hat sein altes SY-Kennzeichen aufbewahrt. 

Landkreis Diepholz - Von Anke Seidel. Ende gut – alles gut: Nach vier Jahrzehnten soll das alte SY-Kennzeichen wieder auf den Straßen im Landkreis zu sehen sein. Zum Finale der großen Geburtstagsgala 40 Jahre nach der Kreisreform kündigte Landrat Cord Bockhop an, dem Kreistag einen entsprechenden Antrag vorlegen zu wollen.

Es ist ein Signal für das Zusammenwachsen eines Landkreises, der sich als Gemeinschaft versteht und deshalb zwei Kennzeichen leisten kann: DH und SY – wie einstmals.

Lesen Sie hier, wie die Mitglieder der Kreistagsfraktionen das Thema SY-Kennzeichen komemntieren

„Wir entsprechen dem Leitbild eines leistungsstarken Landkreises“, erklärte Bockhop am Ende seiner Laudatio. „Wie die Grafschaft Hoya damals...“, fügte er mit Blick auf etwaige neue Kreisreform-Debatten in Niedersachsen hinzu. Seine Zuhörer in der Syker Kreissparkasse: 150 Funktionsträger, die auf ihre Weise im Landkreis wirkten oder noch wirken – darunter Bürgermeister, ehemalige Hauptverwaltungsbeamte, Landtags- und Kreistagsabgeordnete. Sie erlebten eine Zeitreise der besonderen Art, gewürzt mit einer kräftigen Prise Sarkasmus und Humor. Denn der Kabarettist Pago Balke charakterisierte die Kreisreform als „eine einzige Schlachterei“, in der die damaligen Gebietskörperschaften „durch den Kreisfleischwolf“ gedreht und die Bürger von Hoya und Eystrup „wie Schlachtvieh nach Nienburg verfrachtet wurden“.

Protest gepresst auf Vinyl

Es war eine Allegorie auf die in Vinyl gepresste „Schlachteplatte“: eine Langspielplatte, auf der Künstler ihrem Protest gegen die Kreisreform musikalisch Ausdruck gaben – darunter der Wahl-Syker Rudi Carrell. Wie groß die Bürgerproteste damals waren und wie schwer die Pakete mit den Unterschriften der Reformgegner, das zeigte noch einmal die Kreisfilmschau 1977/78.

Diese bewegten Bilder bewiesen nicht nur, wie schwer sich der neue Kreistag damals mit der Frage nach einem zentralen Kreissitz tat. Er zauberte vielen Gästen auch ein versonnenes Lächeln ins Gesicht. Denn mindestens fünf Protagonisten von damals saßen bei der Geburtstagsgala im Publikum: Oberkreisdirektor a.D. Hans-Michael Heise, der spätere ehrenamtliche Landrat Helmut Rahn sowie die Kreistagsabgeordneten Hans-Ulrich Püschel, Heinfried Schumacher und Jürgen Timm.

Landkreise werden gebraucht

Sie hatten miterlebt, wie der zentrale Kreissitz damals mehrheitlich abgelehnt wurde. Jahrzehnte lang lebte der Landkreis deshalb mit zwei Verwaltungsstandorten – bis Landrat Gerd Stötzel 2004 die Zentralisierung auf den Weg brachte. „Damals gab es viel weniger Proteste. Es gab Sachargumente“, lobte Bockhop die Entscheidung seines Vorgängers – und genauso die Kfz-Zulassungsstellen und weitere Bürgerservice-Dienste, die damals in Rathäusern eingerichtet wurden.

Mit launigen Worten und prägnanten Zahlen beschrieb Bockhop die Entwicklung des Landkreises, der 1977 rund 182 000 Einwohner hatte – heute sind es 216 000. Die Zahl der Verwaltungsmitarbeiter stieg in 40 Jahren von 600 auf 1068, der Umfang des Haushalts von 60 auf 330 Millionen Euro und der Sozial-Etat von 20 auf 220 Millionen Euro.

Lesen Sie hier, wie die Kreisreform die Menschen in der Grafschaft Hoya bewegte.

Bockhop nannte zahlreiche Gründe dafür, warum die Landkreise auch in der Zukunft gebraucht werden. Museen, Krankenhäuser, Schulträgerschaft, Kommunalaufsicht und Regionalplanung sowie das Jobcenter: In vielen Bereichen habe der Landkreis Ergänzungs- und Bündelungsfunktion. Eines wünschte sich Bockhop für die Zukunft ausdrücklich: „Zufriedenheit und Solidarität statt Geiz ist geil und Nörgelei!“

40 Jahre, 40 Projekte

Solidarität und Schaffenskraft der Menschen im Landkreis präsentierte Dr. Ralf Vogeding als Direktor des Kreismuseums in Syke. Denn er hatte 40 ausgewählte Projekte stellvertretend für die 40 Jahre Landkreis in einer Ausstellung konzipiert. Genau die stellte er – mit einem Rückblick auf historische Fakten wie die vor 1932 noch vier Kreissitze in Diepholz, Sulingen, Syke und Hoya – in seinem Vortrag vor.

Und überließ dann der „Gästeführerin Traude Backhaus“ alias Pago Balke das Feld. Mit spitzen Absätzen und spitzer Zunge machte sich die herrliche Dame ihren eigenen Reim auf den Landkreis – wie eine „Kreuzfahrt“ auf dem Dümmer. Musikalisch umrahmte Gerhard Stengert den Abend auf dem Xylofon.

Lesen Sie auch: 

Bürgerpetition für SY-Kennzeichen gestartet: To SY or not to SY

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