Songs and Whispers überzeugt auch im Vorwerk statt davor

Musiker hautnah erleben

Ben Riddle und Dasha Wright brachten ihre Sichtweise auf die alltäglichen kleinen Dinge auf die Bühne des Vorwerks – mal mit einem Augenzwinkern, mal mit viel Sentimentalität. - Foto: Husmann

Syke - Australien, Deutschland, Russland und Amerika gingen am Freitagabend zumindest musikalisch eine wunderbare Partnerschaft ein. Nur leider spielte das Wetter nicht so ganz mit. So wurde aus dem angekündigten Open-Air-Konzert in der Songs- and-Whispers-Reihe im Garten des Syker Vorwerks eine Indoor-Veranstaltung. Sehr zum Bedauern der zahlreichen Gäste.

„Das fühlt sich nicht gut an, wenn die Feuchtigkeit zwischen dem Mikro und den Lippen anfängt, elektrisch zu breezeln“, bat Sängerin Hanna Fearns um Verständnis für die Verlagerung der Veranstaltung in die etwas beengten Räume des Vorwerks. Bis in den letzten Flurwinkel wurden Stühle aufgestellt, denn ein Konzert auf der grünen Wiese bedarf eben keiner unbedingten Pünktlichkeit. Trotz aller Widrigkeiten sollte der Abend über weit mehr als drei Stunden zu einem sommerlichen Höhepunkt mit drei außergewöhnlichen Gruppen werden.

Den Auftakt bildeten der australische Songwriter Ben Riddle und Dasha Wright aus Russland, die mittlerweile in Bremen lebt. Mitgebracht hatten sie ihre Gedanken über die vielen kleinen Begegnungen im Alltag, die Momente zum Innehalten zwischen Humor und Trauer bis hin zur Liebeserklärung an alle tollen Mütter, wie die Schwestern von Riddle.

Die aufkommende kleine Träne im Auge übersetzte die Geige von Wright auf eigene Weise und statt Sentimentalität kam bei den Zuhörern eher Glückseligkeit auf. Das Duo bot eine perfekte Kombination zwischen Gitarre, Geige und Gesang. Die Songtexte überzeugten mit oft harter Ehrlichkeit, und so bekam auch das Lied für die Flüchtlinge die richtige Portion an Emotionen.

Daneben stand auch Hanna Fearns im Vorwerk auf der Bühne. Sie ist in Syke keine unbekannte musikalische Größe und wurde mit entsprechendem Applaus begrüßt. Mitgebracht hatte sie ihre aktuelle Band aus Köln. „Vorsicht mit der Kunst“, gab es von ihr als kleine Warnung vorab an die Bandmitglieder Andreas Schulte (Bass), Markus Pieper (Percussion) und Stefan von Berg (Gitarre). Denn für das Ensemble wurde es ganz schön eng auf der improvisierten Bühne. Auch bei Fearns drehte es sich textmäßig um die vielen kleinen Dinge, die mit Witz, wunderschöner Stimme und toller Band das Publikum begeisterten. Die Sängerin erzählte offen aus ihrem Leben und steckte mit ihrer Lebensfreude auch die letzte Stuhlreihe an. Voller Tempo ritt sie als Cowgirl über die Prärie, roch an einer „Sweet Rose“ und träumte von ihrem Lover. Eine Extra-Zugabe spielten die Band für alle Zuhörer, die im Flur unter dem sehr eingeschränktem Blickkontakt zur Bühne zu leiden hatten. Ferans und ihr Gitarrist von Berg stellten sich spontan auf die Treppe und begannen ein kleines Zusatzkonzert.

Den dritten Teil gestaltete die Gruppe „Echo Bloom“ aus Amerika. Dank der bereits guten Stimmung im Vorwerk hatten sie ein leichtes Spiel und wurden mit tosendem Applaus begrüßt. Nachdem die Band mit Sänger und Gitarrist Kyle Evans, Aviva Jave mit Altgesang und am Klavier, Cody Rahn an den Percussions und Jason Mattis am Bass im vergangenen Jahr bereits mit dem ersten Teil ihrer Farbentrilogie „Blue“ durch die Lande tourte, gab es nun den zweiten Teil mit „Red“. Country und Rock in einer ganz besonderen Mischung, getragen von den beiden Sängern Evans und Jave, begeisterte das Publikum.

Aber auch die Instrumentalisten überzeugten mit ihrem Können. Während Kyle fast träumerisch mit seinem Mikro verschmolz und die Worte kaum zu verstehen waren, setzte Sängerin Jave mit ihrer Stimme einen frischen Akzent. Zunehmend gingen alle Fenster und Türen zur Abendsonne auf, es konnte tief durch geatmet werden, und einige Gäste nutzten sogar die Stehtische auf der Terrasse zum Zuhören an der frischen Luft. Ab Ende waren sich die Gäste einig, dass es ein gelungenes Konzert war – trotz des fehlenden Open-Air-Feelings.

Von Angelika Kratz

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