„Das macht süchtig“: Geocaching bringt Syker Schatzsucher auf Trab / Hunderte versteckte Ziele – in der Stadt und auf dem Land

Nur Muggels dürfen nichts mitbekommen...

Die Ausrüstung eines Geocachers: Nicht nur Stifte und GPS-Empfänger (oben rechts) sind für eine erfolgreiche Suche hilfreich. Je nach Art und Schwierigkeit kommen Teleskopspiegel oder Magnet, Schwarzlicht-Lampe oder Kompass, Batterien oder Taschenmesser zum Einsatz. - Foto: Jaursch

Syke - „Ich hab ihn!“ Der Triumph in Steffi Fischers Stimme ist kaum überhörbar. Ihr geübter Blick hat die grüne, halb verborgene Kunststoff-Hülse als erste entdeckt – Sekunden, bevor auch ihr Freund Wolfram Schneider lächelnd auf den Fund deutet. Die beiden modernen Schatzsucher haben ihrer langen Liste soeben einen weiteren Erfolg hinzugefügt. „Das war jetzt Nummer 1439“, sagt Steffi. Und klingt dabei so begeistert, als sei es ihr erster.

Die beiden Barrier sind seit 2012 vom Geocaching-Virus befallen. „Das macht süchtig“, gibt die 29-Jährige offen zu. Die Suche nach den kleinen, verborgenen Döschen transportiert die gute alte Schnitzeljagd ins 21. Jahrhundert. Statt mit Schatzkarten und Schrittzählen kommt man jetzt mit Hilfe von Internet und GPS an die notwendigen Informationen.

Mit flinken Fingern schraubt Steffi die kleine Dose auf und holt einen länglichen Papierstreifen heraus: das Logbuch. Jeder, der den Cache gefunden hat, verewigt sich hier. Sie lacht. „Oh, Dr. Peanuts war auch schon da!“ Die Cacher kennen sich, wenn auch zum Teil nur über ihre Profilnamen. „Einige laufen einem eben immer wieder über den Weg“, erzählt Wolfram Schneider. Zum Teil als fleißige Schatzsucher, zum Teil auch, weil sie selbst gute Caches irgendwo in Syke platziert haben. Um bei der Suche mitzumachen, reichen schon ein Smartphone und eine App – etwa „Geocaching“ von Groundspeak. Kleine Punkte zeigen auf der Karte den Ort, an dem der Cache verborgen ist. Etwas komfortabler geht es mit GPS-Empfängern, die Richtung und Entfernung zum nächsten Cache angeben.

Hat man sich dem Ort bis auf wenig Meter genähert, heißt es „Augen aufmachen“. Caches sind meist getarnt, aber mit etwas Geduld gut zu entdecken. Mit dem Fund der kleinen Dose ist in vielen Fällen die Suche schon beendet. Man trägt sich ins Logbuch ein, gibt dem Ersteller des Caches ein Feedback im Internet – und freut sich über einen weiteren Fund.

Premium-Mitglieder (Kostenpunkt: etwa 30 Euro im Jahr) bekommen zudem den Zugang zu den komplexeren Rätsel-Caches und zu schwierigeren Aufgaben. Diese Caches sind so vielfältig wie die Menschen, die sie anlegen. Wer sich auf das Abenteuer einlässt, so versichern die beiden Cache-Profis, wird immer aufs Neue überrascht.

Einmal, so berichtet Wolfram Schneider, war in der Aufgabenstellung angegeben, dass man eine Neun-Volt-Blockbatterie mitnehmen sollte. „Wir kamen dann zu einem Baum, aus dem zwei Drähte herausschauten.“ Als sie die Batterie anschlossen, hob sich hinter ihnen langsam der Cache aus dem Waldboden heraus.

Andere Cache-Ersteller haben sich auf Knobeleien spezialisiert. Rechenaufgaben, Bilderrätsel, mysteriöse Geschichten. Es gibt liebevoll gestaltete Cashes, fies versteckte und so offensichtliche, dass man sich fragt, wie man sie je übersehen haben konnte. Eine ganze Folge an Caches (Multi-Caches) beschäftigt sich mit dem „Mord in der Wolfsschlucht“, eine andere Cache-Rallye führt durch alle Syker Ortsteile.

Man kommt ordentlich herum bei der Suche. „Du kannst mal abschalten, raus in die Natur – und du lernst die Gegend kennen“, erzählt Wolfram Schneider. Der 30-Jährige, beruflich bei der Syker Verwaltung als Stadtplaner tätig, wohnt erst seit 2013 in Syke, seine Freundin zog sogar erst 2014 nach. Beide haben sicher so manchen Weg entdeckt, den viele Alteingesessene noch nicht kennen.

Es gibt Regeln, die zu beachten sind. Ein Cache sollte auf öffentlichem Gelände sein und muss einen Mindestabstand von gut 160 Metern zum nächsten Cache haben. Das Vergraben ist aus Rücksicht auf die Natur tabu.

Aber auch die Sucher haben einige Dinge zu beachten. Vor allem gilt: Unbeteiligte Passanten – Cacher nennen sie Muggels – sollten von der Suchaktion möglichst nichts mitbekommen. Natürlich soll der Cache nach erfolgreichem Fund wieder an seine Position zurückgelegt werden. Und wenn er zerstört oder beschädigt wurde, ist es sinnvoll, den Ersteller des Caches darüber zu informieren.

Für Steffi Fischer und Wolfram Schneider ist das Erstellen eigener Caches ebenso aufregend wie die Suche. „Ich finde ja auch Ostern toll“, antwortet Steffi lachend, wenn man sie nach dem Grund für ihre Leidenschaft fragt. „Ich liebe es, irgendwas zu suchen und dann ein Erfolgserlebnis zu haben.“

Die meisten Caches in Syke und umzu haben die beiden gefunden und sich im Logbuch mit ihrem Profilnamen c17c18 verewigt. Zu entdecken gibt es für alle leidenschaftlichen Schatzsucher aber noch genug: Allein in Deutschland gibt es derzeit rund 340 000 aktive Caches.

Von Frank Jaursch

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