Florian Butt (29) restauriert Motormühle

Müllers Lust: Alte Mühlen

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Florian Butt ist nicht nur Müller von Beruf, Mühlen faszinieren ihn auch in seiner Freizeit. Hier schaut er aus der Motormühle am Bramstedter Bahnhof heraus, die er gepachtet hat und die er mit neuem Leben füllen möchte. 

Syke - Nicht nur das Wandern ist des Müllers Lust. Das gilt zumindest für Florian Butt (29), dessen Herz seit früher Kindheit für die Welt der Mühlen schlägt und der bei der Raiffeisen Warengenossenschaft (RWG) als Müller arbeitet. Inzwischen ist aus Florian Butt aus Syke-Henstedt ein Experte in Sachen Mühlen und ihre Geschichte geworden.

Für die Mühlenvereinigung Niedersachsen-Bremen bereitet er seit zehn Jahren den Mühlentag in Niedersachsen und Bremen vor. Außerdem ist er der Koordinator für den Ausbau, die Einlagerung und die Vermittlung von historischen Müllereimaschinen und -geräten.

In Neubruchhausen gehört er zum Wassermühlenverein und hilft aktiv bei der Mühlenrestaurierung und Technikbeschaffung. Im Elternhaus in Syke-Henstedt stand er im Interview Rede und Antwort.

Woher kommt Ihre Leidenschaft für Mühlen?

Florian Butt: Das habe ich von meinem Großvater Friedel Butt geerbt. Er war ein technikbegeisterter Mühlenfan. Er hat mich oft mitgenommen. Wenn Mühlentage anstanden, fuhr ich mit zu den Mühlen und er hat mir viel von Mühlen und deren Technik erzählt, außerdem kannte er viele Müller.

Wie ging es mit Ihnen und den Mühlen weiter?

Butt: Ich habe per Fahrrad als Jugendlicher die Mühlen im Landkreis abgeklappert oder auch per Bahn. Mühlen sind für mich ortsprägende Gebäude. Zuerst war ich ein Fan der Windmühlen, später kamen die Motormühlen und Industriemühlen hinzu.

Sie sind Müller von Beruf, wie kam es dazu?

Butt: Eigentlich wollte ich kaufmännischer Angestellter werden und bewarb mich bei der damaligen Raiffeisen Warengenossenschaft Twistringen. Als ich im Gespräch von meiner Leidenschaft für Mühlen erzählte, bot man mir eine Lehrstelle zum Müller an. Ich habe zugesagt, das per Telefon meinem Großvater erzählt und der sagte mir, dass er richtig stolz auf mich ist. Leider starb er wenige Tage später. Ausgebildet wurde ich im Mühlenbetrieb in Twistringen und später auch in Heiligenfelde. Dort bin ich auch jetzt noch tätig, auch in der Nordwohlder Mühle war ich kurze Zeit.

Herr Butt, inzwischen haben Sie 2013 in Bramstedt die alte Motormühle nahe beim Bahnhof gepachtet. Was haben Sie damit vor?

Butt: Das Gebäude stammt von 1933, Müllermeister Heinrich Grafe hat hier gearbeitet, die Mühle war bis 1965 in Betrieb, wir können uns ja das Innere mal sehen. (Das Angebot wurde angenommen.)

Wir sind jetzt im alten Mühlengebäude und ehrlich gesagt heißt die Frage, was wollen Sie denn damit?

Butt: Ich habe schon viel Zeit und Geld investiert, habe aufgeräumt, die technische Einrichtung ist fast wieder komplett. Neue Mahlgänge und Getriebe kommen aus einer Motormühle in Groß Mackenstedt hinzu. Weitere Maschinen stehen auf Lager.

Was ist Ihr Ziel, was soll am Ende aller Arbeit die Motormühle hergeben?

Butt: Die Motormühle soll wieder funktionsfähig und mahlfähig werden. Früher wurde hier Futterschrot und Backschrot erzeugt, ich möchte wieder schroten. Ich möchte den Menschen vermitteln, wie in der Mühle vor rund hundert Jahren gearbeitet wurde. Dazu werde ich später einen Verein gründen.

Sie haben sich intensiv mit den Mühlen in der Region beschäftigt. Es gab eine Zeit, etwa 1945 bis 1970, als Windmühlen niedergemacht wurden, zum Beispiel in Bassum-Dimhausen, Syke- Okel, Drentwede, Syke-Heiligenfelde oder Staffhorst. Wie sieht es inzwischen mit den Mühlen aus?

Butt: Um 1880 gab es im Regierungsbezirk Hannover noch rund 150 Windmühlen, 185 Wassermühlen, 1960 waren es in der Grafschaft Diepholz noch 31 Wind-, acht Wasser- und 57 Motormühlen, in der Grafschaft Hoya noch 42 Wind-, 21 Wasser- und 72 Motormühlen. Heute sind in der Region noch zehn Windmühlen mahlfähig, neun Wassermühlen lauffähig, ferner nur eine Handvoll Motormühlen. Geblieben sind auch 35 Mühlenruinen.

Insider wissen, dass Sie ein umfangreiches Archiv mit Fotos und Unterlagen von Mühlen aus dem Bundesgebiet haben. Wie viele sind es?

Butt: Auf Festplatten sind rund 150.000 Fotos von historischen und noch aktuellen Mühlen zu finden, dabei überwiegen natürlich Fotos der aktuellen Mühlen. Museen, Behörden, Denkmalschützer, Kommunen und Mühlenvereinigungen fragen häufig bei mir an.

Wie sehen Sie die Zukunft der Mühlenlandschaft?

Butt: Für unsere Region kann ich sagen: Das Mühlensterben ist noch nicht beendet. Es ist eine Folge des Strukturwandels. Kleinmühlen und mittlere Landhandelsbetriebe werden es wohl in den nächsten Jahren schwer haben, wirtschaftlich arbeiten zu können, produzieren sie nicht gerade Spezialmischungen oder rüsten entsprechend nach. Zudem fehlt vielerorts der Nachwuchs.

Die Fragen stellte Dieter Niederheide.

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