Reparatur- statt Mietzuschuss von der Stadt?

Die Syker Tafel stößt an ihre Kapazitätsgrenze :Mühe allein genügt nicht

Reparaturbedürftig: Das Tafel-Gebäude an der Straße Am Feuerwehrturm am vergangenen Dienstag bei der zweiten Ausgabe nach der Schließung. Foto: Jantje Ehlers

Syke - Von Frank Jaursch Und Michael Walter. Fast zwei Monate waren die Tafel-Ausgabestellen in Syke, Weyhe und Bruchhausen-Vilsen geschlossen. In der vergangenen Woche hatte die Zeit ein Ende – mit einem umfassenden Hygienekonzept (und einem zusätzlichen Zehn-Euro-Einkaufsgutschein als Bonbon) erwarteten die ehrenamtlichen Mitarbeiter ihre Kunden.

Mit großer Resonanz hatte das Team um Tafel-Sprecher Ralf Grey durchaus gerechnet. Der tatsächliche Ansturm übertraf dann aber noch die Erwartungen. „Wir wurden bei der Neubeantragung von Tafelausweisen und der Lebensmittel- und Gutscheinausgabe förmlich überrollt“, so Grey.

Um alle Kunden zu bedienen, hätten die ehrenamtlichen Mitarbeiter die Ausgabe teilweise um drei Stunden verlängert. Eine ihrer Aufgaben war es, auf die geltenden Abstandsregeln hinzuweisen, so manche Diskussion zu führen und die öffentlichen Straßen freizuräumen – „was nicht bei allen Kunden auf Verständnis stieß“. In Einzelfällen kam es zu verbalen Auseinandersetzungen mit „anweisungsresistenten“ Personen, so Grey.

Warum immer mehr Bürger in Syke und Weyhe das Tafel-Angebot in Anspruch nehmen, weiß Grey nicht. Auch er kann nur vermuten, dass es mit der größeren Präsenz der Tafel in der öffentlichen Wahrnehmung zu tun haben könnte. „Da ist die Hemmschwelle vielleicht gesunken, zu uns zu kommen.“ Ihm sei bekannt, dass es auch in Syke eine große Dunkelziffer von Menschen gebe, die Anspruch auf das Angebot der Tafel, den Gang dorthin aber bislang gescheut hätten.

Bei der zweiten Ausgabe am Dienstag ging alles schon deutlich gesitteter zu. Dennoch: Um der steigenden Kundenanzahl Rechnung zu tragen, werden die Kunden der Ausgabestellen Weyhe und Syke künftig in zwei Gruppen geteilt, sodass die Anzahl der Kunden pro Ausgabe halbiert wird. „Dadurch wird die Wartezeit verringert, der Mindestabstand eingehalten und der fließende Verkehr vor den Ausgabestellen nicht mehr so beeinträchtigt“, so Grey.

Konkret bedeutet die Aufteilung in zwei Gruppen das aber auch: Künftig können in Syke und Weyhe die Tafel-Kunden nur alle 14 Tage ihre Lebensmittel bekommen. Zwar denkt das Leitungsteam über eine mögliche Ausweitung der Öffnungszeiten nach, Grey räumt aber ein: „Dazu fehlt mir zurzeit organisatorisch die Fantasie.“

Neben der Zahl der ehrenamtlichen Helfer setze vor allem die räumliche Situation den Möglichkeiten Grenzen. Die Immobilie an der Straße Am Feuerwehrturm ist von der Kapazität her weitgehend ausgeschöpft.

Die Tafel hat noch ein weiteres Problem: Sie hat Sanierungsbedarf in ihren vier Wänden. Und um den decken zu können, soll die Stadt ein paar Tausend Euro dazugeben.

Geld dazugegeben hat die Stadt bisher auch schon: In Form eines Mietkostenzuschusses. Doch den braucht die Tafel jetzt nicht mehr. Der Kirchenkreis Syke-Hoya hat das Domizil gekauft (wir berichteten). Seitdem muss die Tafel keine Miete mehr zahlen. „Die Kröte, die wir dafür im Gegenzug schlucken mussten ist: Anders als ein normaler Mieter, müssen wir für Reparaturen und Instandhaltung selber aufkommen“, erklärt Ralf Grey.

Die Vorgeschichte ist ein bisschen komplizierter: Gebaut hat das Haus 1955 der damalige Landkreis Grafschaft Hoya. Syke war damals Kreisstadt, und die Kreisverwaltung baute das Gebäude als Dienstwohnung für leitende Mitarbeiter sowie zur Unterbringung von Dienstfahrzeugen. Inklusive Waschhalle.

Im Rahmen der Gemeindereform wurde der Kreis Grafschaft Hoya dann in den 1970er-Jahren aufgelöst. Das Gebäude ging an den Landkreis Diepholz über, und der vermietete es an Privat. Bis 2005 die letzten Mieter auszogen.

Damals wollte der Landkreis das Haus schon verkaufen. Doch die Stadtverwaltung setzte sich stark dafür ein, dass der Landkreis es der Tafel überließ, die damals händeringend nach einem geeigneten Gebäude suchte. Und da die Tafel über keine nenneswerten Geldeinkünfte verfügt, gewährte der Syker Rat einen Mietkostenzuschuss von monatlich 250 Euro. Oder anders ausgedrückt: 3000 Euro im Jahr.

Dieser Zuschuss hatte sich seitdem auf zuletzt 5500 Euro jährlich gesteigert, wovon die Tafel aber auch einen Teil ihrer sonstigen Kosten bestreiten musste.

Da die Tafel mit dem Verkauf des Gebäudes vom Landkreis an den Kirchenkreis aber nun gar keine Miete mehr zahlt, ist die Grundlage für den Zuschuss durch die Stadt entfallen. Und die müsste nun neu definiert werden. Daher beantragt die Tafel jetzt die Umwandlung des Mietkostenzuschusses in einen Zuschuss zu den Instandhaltungskosten.

In Weyhe und Bruchhausen-Vilsen, wo die Tafel weitere Ausgabestellen betreibt, würden solche Zuschüsse gezahlt, heißt es in der Begründung. Zudem sei in Syke der Handlungsbedarf verhältnismäßig groß, weil der Landkreis zuletzt keine Instandhaltungsarbeiten mehr durchgeführt habe. Das Dach sei undicht, und auch im Keller sickere das Wasser ein.

Die Stadtverwaltung befürwortet den Antrag. Die Entscheidung darüber trifft der Syker Rat. Der behandelt das Thema auf seiner Sitzung am 28. Mai im DGH Heiligenfelde. Beginn: 19 Uhr.

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