Golden Sugarbirds mit buntem Stil-Mix im Sommergarten des Kreismuseums

Mozart mit Denkfalten

Die Golden Sugarbirds traten am Sonntag im Rahmen des Gartenkultur-Musikfestivals im Sommergarten des Kreismuseum auf. Sie boten dabei einen bunten Mix verschiedener musikalischer Genres in eigenwilligem Arrangement. - Fotos: Jantje Ehlers

Syke - Von Angelika Kratz. Das Gartenkultur-Musikfestival steht für eine bunte Mischung ganz unterschiedlicher Musikrichtungen für unterschiedliche Ansprüche. Am Sonntagnachmittag im Kreismuseum verliehen die zahlreichen Besuch dem Sommergarten eine äußerst fröhliche Atmosphäre und schufen damit beste Kulisse für das Konzert mit den Golden Sugarbirds aus Hamburg.

Gestandene Musiker mit grundsolider Ausbildung sind Jan Carstensen, Nils Fiedler und Friedemann Wulfes, die seit 2014 in dieser Formation die Musikszene bereichern. Das fröhliche Trio versprach „gute Laune mit Niveau“.

Bereits der Einzug mit der dicken Tuba (Wulfes), Banjo (Fiedler) und Saxophon ( Carstensen) gestaltete sich locker und passte zum Spätsommernachmittag. Kinder machten große Augen und schauten sich verdutzt um, wo denn die Musik plötzlich herkam. Denn die Sugarbirds ließen sich Zeit, ihre kleine Bühne zu finden und drehten ihre Runden über das Gelände.

Mitgebracht hatten sie große Hits aus vier Jahrhunderten, wobei gleich „Mama Mia“ so richtig gut zum mitmachen animierte. Und bei Mozarts „Vogelfänger“ zeigte die Tuba ihre hervorragende menschliche Stimme. Indes: Wenn Mozart zugehört hätte, würde er sicherlich einige Denkfalten hinsichtlich der etwas verfremdeten Bearbeitung seines Werks gehabt haben.

Bettina Seemann demonstrierte parallel zum Konzert, wie man früher Flachs zu Garn und letztlich zu nähbarem Stoff verarbeitete.

Aber goldene Zuckervögelchen dürfen sowas, und sie zwitscherten gleich weiter mit Musik von Klezmer bis zu „Ich wollt ich wär ein Huhn“. Und wer die mitunter etwas platten Döntjes zwischen den einzelnen Stücken nicht mehr hören wollte, ging eben ein Stück weiter zu Bettina Seemann und ihrer Flachsverarbeitung. Die Museumsfachfrau bot einen interessanten Mitmachkurs vom Flachs zum Leinen. Längst vergangen sind die Zeiten, in denen die aufwändige handwerkliche Verarbeitung zum Alltag des ländlichen Lebens gehörte.

„106 Stunden brauchte man damals für ein Hemd“, erklärte Bettina Seemann ihrem sehr interessierten Publikum. Brechen, Hecheln und Auskämmen, Spinnen, Weben und Nähen. Anne-Sophie (9) war bei Oma und Opa zu Besuch und fand den Ausflug ins Museum ganz toll. Sie traute sich an alle Bearbeitungsstationen. „Darf ich das mitnehmen?“, fragte sie beim Blick auf die letztendlich entstandenen gold glänzenden langen Fasern. Klar durfte sie. Und voller Stolz packte das Mädchen ihren Flachs ein.

Im Hintergrund ertönte derweil wieder der Reeperbahn-Sound der Golden Sugarbirds, und Steve wurde als Stargast aus den 60er Jahren erwartet: Mit blonder Lockenperücke und pinkfarbenen Rüschenhemd hatte Banjospieler Niels Fiedler eine wundersame Verwandlung gemacht. Dem Publikum schien es zu gefallen.

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