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AC Syke: Erfolgreiche Motorsportler erinnern sich an glorreiche Zeiten

Schwarz-Weiß-Bild von einem Autorennen aus dem Jahr 1954.
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Bereits im Jahr 1954 – ein Jahr nach der Vereinsgründung – veranstaltete der AC Syke seine erste eigene große Veranstaltung. Sie kann als Vorläufer der späteren internationalen „Roland-Rallye” betrachtet werden.

Heute ruht das Vereinsleben, aber der AC Syke kann auf eine erfolgreiche Motorsportgeschichte zurückblicken. Einige Veteranen erinnern sich.

Syke – Wer kennt ihn noch? Den „Friedeholzring“, die Motorsportstrecke Syke-Okel-Osterholz-Syke. Ihre Feuertaufe erlebte die Strecke ein Jahr nach Gründung des AC Syke im Jahre 1954 mit der ersten Nordwestdeutschen Orientierungsfahrt und Gleichmäßigkeitsprüfung. Erich Bergmann, AC-Mitgründer und 25 Jahre dessen Vorsitzender, war begeistert ob der Teilnehmerzahl.

Rund 70 Motorsportler aus dem Bundesgebiet waren angereist. Ein Jahr später wurde diese Veranstaltung wegen des Erfolges erneut gestartet. Einige Jahre war der „Friedeholzring“ Motorsportlern ein Begriff. Nicht weniger bekannt war später der „Hillmann-Ring“ in Osterholz.

Der Club drohte das Aus

Als es in den 60er-Jahren ruhiger wurde um den Motorsport beim AC Syke, drohte dem Club das Aus. Das verhinderten ab 1964 junge motorsportbegeisterte Syker wie Horst Hansemann, Günter Bohlmann, Eugen Lohrig (er verunglückte bei der Tour d’Europe 1969 in der Türkei tödlich), Burkhard Iden, Karl Vieson, Rainer Grammel, Hanns Freese, Hermann Behrens oder Günter Pussack. Sie und andere AC-Enthusiasten prägten das Vereinsleben als Aktive im Motorsport, wie auch in Vorstandsämtern. Etwa 20 Lizenz- und Ausweisfahrer trugen mit Erfolg den Namen Syke in die Welt hinaus, sowohl per Auto und Motorrad.

In den 1960er-Jahren errangen AC-Fahrer viele Erfolge und vordere Platzierungen bei Rallyes.

Gleich, ob auf der Tour d’Europe, Hockenheimring, Nürburgring, der Rallye Dakar oder großen ADAC-Motorsportevents, die Fahrer des AC fuhren in der Spitze mit. Es „regnete“ Gold-, Silber- und Bronzemedaillen, Pokale oder Titel wie Deutscher Meister, Norddeutscher Meister oder ADAC-Gaumeister. Und an den Montagstreffen bei Fidi Otersen (später „bei Grete“) ging es um die Motorsporterfolge vom Wochenende.

Ein Einblick in die AC-Elite beim Fest der Motorsportler im Jahr 1970.

Einen Namen machte sich der AC zudem mit den eigenen Motorsportevents, zum Beispiel Nachtorientierungs- oder Slalomfahrten, Motocross-Läufen, Rallye Buten und Binnen oder Orientierungsfahrten. „Wir waren mehr als motorsportbegeistert. Wir waren schon besessen vom Motorsport“, erinnert sich Günter Bohlmann (80) im Gespräch mit dieser Zeitung.

Früh stellte er sich zur Mitarbeit im Vorstand bereit. Erst als zweite Vorsitzender, dann wurde er erster Vorsitzender und blieb das acht Jahre lang. Mit einer Reihe von Mitstreitern brachte er den Club auf Kurs, unter anderem als Tourenwart. Mit ihm im Vorstand als Schriftführerin: seine Frau Rosi. Sie brachte Erfahrung als Schriftführerin des Automobilclubs Vechta mit.

Erfolgreiche Motorsportler erinnern sich

Auch motorsportlich war Günter Bohlmann erfolgreich. Ihn, der über 50 Jahre dem Club angehört und der, wie auch andere Clubmitglieder, vom ADAC höchste Auszeichnungen erhielt, schmerzt die jetzige Situation. Dass der Club nach rund 68 Jahren des Bestehens nicht aufgelöst wurde, ist seinem Vorschlag zu danken.

Nur zu gerne erinnert sich auch Horst Hansemann (85) an seine Jahre im AC Syke. Er ist einer der erfolgreichsten Syker Motorsportler. Schon bevor er dem AC beitrat, gewann er 1963 das Fischereihafen-Rennen Bremerhaven. Für den AC Syke fuhr Hansemann über Jahre Siege und Top-Platzierungen ein.

Zeitungsbericht vom Winterfest des AC Syke im Jahr 1965.

Echt spannend wird es, wenn er von seinem größten Erlebnis als Beifahrer an der Seite von Eugen Lohrig bei der Tour d‘Europe 1967 erzählt. „Wir starteten in Garmisch-Partenkirchen.“ Das Rennen führte sie über Rom, Palermo, Tunis, Algier, Tanger nach Malaga, Madrid, über Lüttich nach Hannover und zum Endziel Travemünde. Hansemann: „Das war das Größte und Berührendste, das ich im Motorsport erleben durfte.“

Dann wurde es weniger mit dem Motorsport. Die Familie mit Ehefrau Irene und Sohn Peer rückten in den Vordergrund. Aber er investierte viel Freizeit in den AC. Er war Fahrten- und Sportwart, wurde 1996 zum Vorsitzenden gewählt und blieb es 20 Jahre. „Wir waren eine sehr aktive Gemeinschaft, sportlich und gesellschaftlich“. Horst Hansemann: „Ich habe mein Leben auch beruflich mit Autos verbracht.“ Und heute? Kein Autorennen im Fernsehen, dem er nicht zuschaut. Seine zweite Ehefrau Doris Müller-Hansemann, die als Schriftführerin und Tourenwartin im AC Syke aktiv war, tourt mit ihm im Wohnmobil durch die Lande.

Geballte AC-Syke-Geschichte an einem Tisch: Horst Hansemann (v.l.), Günter Pussack und Günter Bohlmann – alle doppelt geimpft und vielfach prämiert.

„Ich wurde in eine große Familie aufgenommen“ erinnert sich Rainer Grammel (69) an den Tag, als er 1974 dem AC beitrat. Aktiv war er nicht nur als Fahrer, er war engagiert in der Vorstandsarbeit, zuletzt über Jahre als zweiter Vorsitzender.

Das gesellschaftliche Top-Ereignis über Syke hinaus waren über Jahre die Winterbälle des AC. Rosi Bohlmann erinnert sich dazu: „Es war ein festliches Ereignis. Für uns Frauen bedeutete das, dass für jeden Ball ein neues Abendkleid gekauft wurde. Für die Festbälle haben wir uns stets eine ideenreiche Dekoration einfallen lassen.“

Das größte Ball-Event war der Ball gemeinsam mit dem Syker Tennisverein. Smoking und tolle Abendroben waren angesagt. Rainer Grammel: „Unsere Bälle waren legendär, das gesellschaftliche Ereignis Sykes schlechthin.“ Er erinnert sich: Die Vorbereitungen dauerten oft nächtelang. „Manchmal war es stressig, aber es hat sich gelohnt.“

Wenn Günter Pussack, der schon 60 Jahre dem Automobil Club Syke angehört, aus alten Zeiten plaudert, spricht er weniger von den motorsportlichen Erfolgen, die ihn an der Seite von Horst Hansemann über Jahre von einer Rallye zur anderen quer durch Deutschland und ins Ausland führten. Auch er schwärmt immer noch von den Winterbällen. „Diese Feste waren das Allerbeste. Gleich, ob im Schützenhaus, in Neubruchhausen „Zur Post“ oder in Riede. Es spielten zwei Kapellen auf, es gab drei bis vier Bars und immer wieder neue Ideen was die Dekoration betraf“. Irgendwann sei es im AC mehr um Fahrten mit Wohnwagen und um Wohnmobile gegangen.

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