Von der „Moses-Fabrik“ in die weite Welt: Ehemalige Seefahrer schwelgen im Spreekenhoff regelmäßig in Erinnerungen

„Dreimal Persischer Golf – ein Mord frei“

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„De olen Fahrenslüt“ nennt sich die Seefahrer-Gruppe, die sich auf Initiative von Hans-Dieter Gerlach (l.) regelmäßig im Spreekenhoff zum Austausch von Erinnerungen trifft. Die Fahne vorn rechts zeigt die Kontorflagge der „Hansa“-Reederei.

Von Frank Jaursch. Der eine war nur zwei Jahre als Schiffsjunge unterwegs, der andere hat vier Jahrzehnte auf allen Meeren der Welt hinter sich – die meiste Zeit davon als Kapitän. Aber wenn sich die 16 Seebären regelmäßig im Spreekenhoff treffen, dann reden sie „auf Augenhöhe“ miteinander.

Einmal im Monat sitzen sie zusammen und tauschen Erinnerungen aus – an eine Zeit, die fast jeden von ihnen geprägt hat. Meist waren es die Jahre zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Beginn der Containerschifffahrt. Jahre voller Erinnerungen.

Das Leben an Bord war meist hart. „Das Schönste waren die Liegezeiten“, blickt Klaus Oldenbüttel zurück. Hans Rakow denkt an die Fahrten nach Santos in Brasilien, in den 1950er-Jahren. „Drei Wochen haben wir da gelegen, um 7500 Tonnen Zement zu löschen.“ Beim Landgang wurde die Zeit kurz – und das Geld wurde knapp.

Hier kam man in Kontakt: Seeleute aus den verschiedensten Ecken der Welt. Und mit konkurrierenden Reedereien. Die Urag (deren Schiffe meist auf „-heim“ endeten), die Hansa („-turm“ und „-fels“) und die Lloyd („-stein“). Nicht jeder war sich damals grün. „In Hamburg, in der Piccolo-Bar, da gingen nur die Lloyd-Leute rein“, weiß Dieter Klebe. „Und wehe, da kam einer von der Hansa. Wenn der nicht rausging, gab‘s Prügel.“

„Beim Lloyd wollt ich nicht mitfahren“, schmunzelt Rakow, „da musste man sich benehmen.“ Dieter Klebe winkt ab. „Alles eine Suppe.“ Er muss es wissen – lange genug ist er für die Traditionsreederei gefahren. Bis zur Fusion 1970, als der blaue Brief kam…

Ob die Seefahrer mit Leidenschaft für ihre Reederei arbeiteten? „Leidenschaft? Hatten wir nur für die Mädels“, kommt es wie aus der Pistole geschossen. Ach, die Mädels! Ein Schmunzeln blitzt in den Mundwinkeln der Seebären.

„Heute würd‘ es

keiner mehr machen“

Wohl fast jeder von ihnen hätte Geschichten zu erzählen – wie Klaus Oldenbüttel, der von seiner Freundin Carmela berichtet, die er im südspanischen Huelva kennengelernt hatte. Als sein Zwillingsbruder später in Huelva auftauchte, war Carmela schon da, um „ihren“ Seemann zu begrüßen – und der hatte seine liebe Mühe, ihre Avancen abzuwehren.

Für viele begann der Dienst auf dem Schulschiff „Deutschland“, der Schiffsjungenschule, die sie liebevoll „Moses-Fabrik“ nennen. Dann ging es hinaus in die Welt – wohin, erfuhr man meist erst an Bord. Wolfgang Heering erinnert sich an die mörderische Hitze auf den Fahrten auf den Schwergutfrachtern in den Persischen Golf. „Wir haben nachts an Deck geschlafen, weil es nicht anders ging.“ Die hohen Temperaturen waren zum Verrücktwerden – manchmal buchstäblich. , lautete ein geflügeltes Wort.

Der Syker hat einen ganzen Ordner mitgebracht – Bilder von den Schiffen, auf denen er unterwegs war. Erinnerungen. „Je älter man wird“, sagt Klaus Oldenbüttel, „je mehr denkt man an früher.“ Es sind meist gute Gedanken, die sich die „olen Fahrenslüt“ teilen und mitteilen. „Ich hab‘s nie bereut“, sagt Hans Rakow zu seinen sieben Jahren auf hoher See.

In einem sind sie sich einig: „Heute würd‘ es keiner mehr machen wollen.“ Die Romantik ist längst verschwunden. Und die Mädels sind es wohl auch.

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