Tod des Barrier Lehrers vor 100 Jahren

Der Mord an Heinrich Bodenstab

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Das Barrier „Schulzentrum“ vor 100 Jahren: Links das Haus Kastendiek, in dem viele Jahre hindurch das Barrier Postamt untergebracht war. Dann natürlich die Kirche und davor die ganz alte Schule, die 1853 errichtet und 1926 abgebrochen wurde. Dahinter ist das hohe Dach des zweiten Schulgebäudes erkennbar, das 1893 erbaut und 1961 abgebrochen wurde. Das Fachwerkhaus rechts ist das Elternhaus des ehemaligen Bürgermeisters Willy Meyer, das später von Schuster Schütte erworben wurde und durch den Neubau ersetzt wurde, der inzwischen Peter Cohrsen gehört.

Barrien - Von Heiner Büntemeyer. Vor genau 100 Jahren, im Sommer 1918, bewegten zwei Themen die Barrier Bevölkerung: Der Verlauf des Weltkrieges und das plötzliche Verschwinden des Lehrers Heinrich Bodenstab.

Heinrich Bodenstab war als Kriegsinvalide aus dem Militärdienst entlassen worden und hatte Ostern 1915 die dritte Lehrerstelle an der Barrier Volksschule übernommen. Er war seit gut drei Jahren in Barrien tätig und hatte seine Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit seiner Vorgesetzten erledigt.

Am 8. Juni 1918 unternahm Bodenstab noch gegen 21.30 Uhr einen Spaziergang, der ihn über den Krusenberg zum Okeler Busch führen sollte. Von diesem Spaziergang kehrte er nicht mehr zurück.

Sein Fehlen wurde erst am Montag, 10. Juni, bemerkt, weil er nicht zum Unterricht erschien. Das sorgte unter den Kindern, den Kollegen und im Dorf natürlich für Aufregung, und am gleichen Abend wurden die Sucharbeiten mit einem Suchhund und durch die Jugendwehren aus Barrien und Syke verstärkt.

Aber Bodenstab blieb verschollen. Nachdem einige Bürger Bodenstab auch am Barrier Bahnhof gesehen haben wollten, wurden die Sucharbeiten ergebnislos eingestellt. Gerüchte schwirrten nun durch das Dorf. Hatte er sich, bedingt durch plötzliche geistige Umnachtung selbst umgebracht? War er einem Mord zum Opfer gefallen? Immerhin hatte Bodenstab bei seinem letzten Besuch in seiner Heimatstadt Wunstorf geäußert: „Wir haben da in Barrien einen besonders schlimmen Wilddieb.“

„Sie wurde identifiziert an den Kleidungsstücken“

Gut sechs Wochen waren vergangen, als am 24. Juli der Anbauer Mönch beim Roggenmähen die stark verweste Leiche Bodenstabs fand. „Sie wurde identifiziert an den Kleidungsstücken. Uhr und Uhrkette waren wie auch Portemonnaie nebst Inhalt unberührt. Waffen oder andere Sachen, von denen man vielleicht auf Selbstmord hätte schließen können, wurden nirgends gefunden“, berichtet die Barrier Schulchronik.

Die Polizei sorgte dafür, dass die Leiche in die Gerätehalle des Friedhofs gebracht wurde, wo eine Obduktion durch Herrn Dr. Wüllmers, Syke, erfolgte, die aber auch keine weiteren Hinweise brachte. Am 27. Juli 1918 wurde in Barrien eine Trauerfeier veranstaltet. „Die meisten Kollegen der Inspektion, viele Bewohner Barriens und Gessels, eine Abteilung der Jugendwehr, die beiden obersten Schulklassen nahmen daran teil. Unter Glockengeläute wurde der von den Schulkindern geschmückte Sarg zum Barrier Bahnhof und von dort aus mit der Eisenbahn in Bodenstabs Heimatstadt Wunstorf gebracht, wo er bestattet wurde“, hieß es dazu in der „Syker Zeitung“.

Da man davon ausging, dass Bodenstab einem Verbrechen zum Opfer gefallen war, schaltete sich auch die Staatsanwaltschaft ein. Täter wurden jedoch nie ermittelt. Allerdings veröffentliche die „Syker Zeitung“ am 21. Dezember 1918 noch folgende Mitteilung: „Als seinerzeit der Lehrer Bodenstab aus Barrien auf unerklärlich Weise ums Leben kam, wurde unter anderen möglichen oder wahrscheinlichen Fällen besonders der angenommen, dass er von Wilderern erschossen worden sei. Der Lehrer Bodenstab aus Wunstorf sichert demjenigen eine Belohnung von 2.000 Mark zu, der zur Aufklärung dieser dunklen Angelegenheit beiträgt bzw. Angaben machen kann, die zur Entdeckung des Täters führen.“

Auch dieser Aufruf brachte keine neuen Erkenntnisse. Der Fall blieb bis zum heutigen Tage ungelöst.

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