An der Montessorischule haben die Schüler in vielen Fällen freie Wahl

Lernen am Buffet

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Emilia Souto (rechts) spricht nur englisch mit den Schülern. Foto Ehlers

Syke - Von Andree Wächter. „Ab hier wird geflüstert“, sagt Lehrerin Michaela Döpelheuer und öffnet eine schwere Holztür im ehemaligen Forstamt an der Waldstraße. Im Raum dahinter sitzen Schüler um einen runden Tisch und sprechen englisch. Diese Sprache gehört in der Montessorischule zum Alltag – wie Deutsch oder Mathe.

Die Lehrer heißen hier Lernbegleiter. Ihre Aufgabe ist es, Impulse zu geben. Viel Zeit verbringen die Kinder mit dem selbstständigen Lernen. Kommen doch Fragen auf, gehen sie zu einem Lernbegleiter und heften ihm eine Wäscheklammer mit ihrem Namen an den Ärmel. Der Lernbegleiter weiß, wer Hilfe braucht, muss aber ein laufendes Gespräch nicht unterbrechen. Und die Schüler wissen, dass sie nicht vergessen werden.

Gelernt wird in Gruppen. Die Zusammensetzung ist spontan und richtet sich nach den Themen – nicht nach Jahrgängen. Mal lernen Duos zusammen, dann wieder Fünfer- oder Sechser-Gruppen. „Zwei Schüler haben sich mit Walen beschäftigt. Sie waren richtig gut informiert, als einige Tiere kürzlich vor der Nordseeküste angespült wurden“, sagt Michaela Döpelheuer. Sie ist die pädagogische Leiterin der „Freien Aktiven Schule“.

An einer staatlichen Schule würde das Fach, in dem die Kinder gerade lernen, Sachkunde heißen. An der Montessorischule ist es der „Kosmische Bereich“. Weitere Bereiche wären etwa Sprache oder Mathe.

Jeder Bereich hat sein Lehrmaterial. Dazu gehören Bücher, Spiele oder Rechensschieber. „Das ist aufgebaut wie ein Buffet“, sagt Döpelheuer. „Unser Konzept ist es, die Lernschritte sichtbar zu machen. Kinder lernen über Bilder besser als abstrakt.“

Das gilt auch für Fremdsprachen. Lernbegleiterin Emilia Souto sitzt mit sechs Schülern um einen runden Tisch. Auf ihm liegen Kärtchen mit Bildern und eine Art Landkarte. Die Argentinierin unterhält sich mit den Jungen und Mädchen über die Länder – auf Englisch. „Durch das stetige hören der Sprache wird sie verinnerlicht“, so Döpelheuer. Souto kann natürlich auch deutsch. Sollte ein Schüler völlig auf dem Schlauch stehen, bildet er mit Daumen und Zeigefinger ein L. Das ist das Zeichen für „Ich habe es nicht verstanden, bitte übersetzen“. Die Fremdsprache hören die Kleinen ab der ersten Klasse.

In einem anderen Raum sieht es ein bisschen aus wie Chillen. Zwei Mädchen sitzen in einer Ecke und lesen. Um Lernerforschritte nachweisen zu können, dokumentieren die Schüler ihre tägliche Arbeit in einem Heft. „Ziel ist es, sie beim eigenständigen Lernen zu begleiten“, so die Lernbegleiterin.

Die Montessorischule ist eine genehmigte Ersatzschule. Mit Beginn des Schuljahres 2016/17 darf sie erstmals Anträge auf staatliche Zuschüsse stellen. Zurzeit nutzen 32 Schüler das Angebot. Davon gehen 20 in die Grundschule und zwölf in den Sekundarbereich I (Oberschule). Die Jungen und Mädchen kommen aus der Syker Umgebung, aber auch aus Bremen oder Richtung Soltau.

Morgen veranstaltet die Schule um 19.30 Uhr einen Info-Abend im Schulgebäude an der Waldstraße.

www.fas-syke.de

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