„Mir geht es besser, wenn du da bist“ 

Mentorenprogramm „Balu und Du“ stärkt seit zehn Jahren Grundschüler

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Die Balus mit Imke Lehmkuhl (2.v.l.) und Gründerin Hildegard Müller-Kohlenberg (l.).

Syke - Von Deflef Voges. Wer das „Dschungelbuch“ von Rudyard Kipling gelesen und den Disney-Film gesehen hat, dem sind die beiden Figuren für immer ins Gedächtnis eingebrannt: das Menschenkind Mogli und sein Freund, der Bär Balu. Vielleicht war die positive Message dieser beiden der Grund für die Namensgebung des Mentorenprogramms „Balu und Du“. Ein Projekt, in dem auch zwei eine Rolle spielen – junge Leute, die sich um benachteiligte Grundschulkinder kümmern.

„Balu und Du“ – das Mentorenprogramm gehört auch an den Berufsbildenden Schulen Syke (BBS) seit zehn Jahren zum festen Ausbildungsplan im Fachbereich Sozialpädagogik. In einer Feierstunde würdigten am Dienstag Beteiligte das Projekt mit positivem Lerneffekt auf beiden Seiten: bei den Moglis (Grundschulkinder) und den angehenden Pädagoginnen (Balus).

Für die Projektkoordinatorin, Studienrätin Imke Lehmkuhl, war es eine sichtbare Freude, den Balus und Moglis im Beisein der Eltern für das aktuelle Projekt Urkunden und Medaillen auszuhändigen. Ein Jahr lang hatten sich 13 junge Erzieherinnen ehrenamtlich und außerschulisch um Moglis gekümmert und eine Patenschaft übernommen.

Unter dem Motto „Großes Engagement für kleine Persönlichkeiten“ halfen die Balus ihren Patenkindern durch persönliche Zuwendung und aktive Freizeitgestaltung, Freude am Lernen zu entwickeln und die Benachteiligung als veränderbar zu begreifen. Ein Erfolgsrezept, wenn man in die freudigen Gesichter aller Beteiligten blickt.

Ergreifende Momente

„Mir geht es besser, wenn du da bist“, hat ein Mogli auf einen Zettel an seinen Balu geschrieben. Ein anderer Mogli schreibt: „Eigentlich erzähle ich es nicht, weil mir das peinlich ist. Aber dir erzähl ich das.“ Für Imke Lehmkuhl Beispiele, dass sich bei dem Mentorenprojekt Vertrauensbeziehungen zwischen den Balus und Moglis aufbauen, die eine positive Entwicklung beschleunigen. „Es hat ergreifende Momente gegeben“, so die Projektkoordinatorin. Offenkundig keine Einbahnstraße. Eine Sozialpädagogin erklärte, dass die Woche einfach schön beginne mit ihrem Mogli und sich das auch positiv auf ihre eigene Einstellung auswirke.

135 Grundschulkinder haben in den vergangenen zehn Jahren an dem Mentorenprogramm teilgenommen, in dem aktuellen Kurs 13. Bei der Zusammenstellung der Paare arbeitet die BBS eng mit Schulen, Kindertagesstätten und dem Fachdienst Jugend des Landkreises zusammen.

Erfolge des Mentorenprogramms

Den Sozialpädagoginnen verlangt das Engagement einiges ab. Sie treffen sich außerschulisch jede Woche drei Stunden mit ihren Moglis. 156 Stunden im Jahr. 19 Stunden benötigten sie für die Planung, 54 Stunden für ihre Aufzeichnungen. Zwölf Stunden vergingen für Fahrzeiten. „Hinter jeder Verantwortung steckt ein Schatz“, meinte Imke Lehmkuhl, die sich bei allen Beteiligten für das Engagement bedankte, besonders auch bei den Eltern, die ja die für sie fremden Balus in ihr Haus aufgenommen hätten.

Die Erfolge des Mentorenprogramms erläuterte Prof. Dr. Hildegard Müller-Kohlenberg. Sie hatte das Projekt 2002 mit zwei Standorten gegründet. Heute sind es 80 mit mehr als 9 000 Patenschaften. „Patenschaften, die das Projekt überdauern“, sagte die Wissenschaftlerin, die es über Jahre begleitet und ausgewertet hat. Bei den Moglis habe sie deutliche Fortschritte im Lernen und in der Konzentration festgestellt – auch ein Jahr nach dem Ende des Programms. Die Unsicherheit bei den Schulkindern habe abgenommen, die Ich-Stärke zugenommen. „Ein tolles Projekt. Ich werde alles unterstützen, um es hier an der Schule zu halten“, erklärte BBS-Leiter, Oberstudiendirektor Horst Burghardt.

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