Uwe Meseberg kann seine Familiengeschichte um 1000 Jahre zurückverfolgen

Verbotene Liebschaften und gerissene Grafen

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Uwe Meseberg zeigt eine Aufnahme des Sarkophags des Grafen von Ammensleben aus der gleichnamigen Benedektinerkirche in Sachsen-Anhalt. Die Frau seines Ahnen, Ekbert von Harbke, heiratete nach dessen Tod den Grafen von Ammensleben. Uwe Meseberg bekam die Aufnahme von dem Bürgermeister der Gemeinde Meseberg auf der 1000-Jahr-Feier seiner Familie geschenkt.

Süstedt - Von Julia Kreykenbohm. Es war im Jahr 985. Die Ottonen herrschten über das Ostfränkische Reich, aus dem einmal das Heilige Römische Reich hervorgehen sollte, das vom deutsch-römischen Kaiser regiert wurde. Da lebte in Meseberg bei Magdeburg ein Adeliger namens Graf Ekbert von Harbke.

Er gehörte einem Verbund an, der treu hinter dem Kaiser stand und ihn unterstützte. Irgendwann fügte er den Namen seines Heimatortes seinem Nachnamen hinzu und ließ sich fortan Ekbert von Meseberg und Harbke rufen.

Knapp 1000 Jahre später entdeckt ein Junge in Bremen im Wohnzimmer seiner Eltern ein Bild mit einem Familienwappen, das ihn fasziniert. Er fragt seinen Vater nach der Bedeutung und der erzählt ihm, dass es das Familienwappen sei und die Mesebergs einmal adelig gewesen seien. Der Name des Jungen ist Uwe Meseberg und er ist ein Nachfahre des Ekbert von Meseberg und Harbke.

Heute ist Uwe Meseberg 73 Jahre alt und lebt in Süstedt. Nachdem ihm sein Vater erzählt hatte, dass die Familie von adeliger Abstammung ist, wurde er neugierig. „Mein Vater hatte damals unseren Stammbaum nur ein paar Jahrhunderte zurückverfolgt, weil er bei der Wehrmacht anfangen wollte und nachweisen musste, dass er keine jüdischen Vorfahren hatte“, erinnert sich der pensionierte Finanzbeamte und langjährige Behördenleiter. Doch er selbst wollte herausfinden, ob sich die Familiengeschichte nicht noch weiter zurückverfolgen lässt und so begannen er und seine Frau mit den Nachforschungen.

Sie beauftragten einen Hobby-Historiker, der viele Archive in Deutschland besuchte, nach und nach immer mehr Geschichten zu Tage förderte und in die Familienhistorie eindrang, die er nun auf 1 000 Jahre zurückverfolgen kann. Und es sind ein paar kuriose Ereignisse, auf die er stieß, die wohl Stoff für so manchen Krimi oder so manches Drama bieten würden – und die letztlich einen Zweig der Familie Meseberg nach Bremen führten.

So hatte Mesebergs Urahn, Ekbert, vier Töchter, was theoretisch schon den Familiennamen zum Erlöschen hätte bringen müssen. Die eine Tochter ging ins Kloster und begann dort eine Liebschaft mit einem Kirchenpatron, aus der ein Junge hervorging, der – wie damals üblich – den Nachnamen der Mutter trug. Allerdings wurde dem „unehelich gezeugten“ Kind der Grafentitel aberkannt.

Später zog der junge Mann in den Krieg gegen die Slawen und erwies sich dabei als so tapfer, dass er dafür einen niederen Adelstitel und ein Rittergut in einem Wendendorf in der Nähe von Osterburg erhielt. Noch heute trägt das Dorf diesen Namen. Ein Nachfahre dieses Mannes zog dann weiter und gründete das dritte Meseberg in Brandenburg, das vor allem heute für sein Schloss bekannt ist.

Seit den 70er-Jahren bringt Meseberg Licht in das Dunkel seiner Familiengeschichte. „Aber die Reise neigt sich dem Ende zu“, so der 73-Jährige. Die Chronik ist fast vollständig. Inzwischen weiß er, dass es 80 Familien in ganz Deutschland mit dem Namen Meseberg gibt, aber nur zwei von ihnen Zugang zum Adelsgeschlecht haben. Eine davon ist seine. Den Titel verloren sie, weil Uwe Mesebergs Vorfahr, Heinrich Meseberg, unehelich geboren wurde. Er war der Sohn von August-Wilhelm von Meseberg und einer Schneiderin. Allerdings bestand August-Wilhelm darauf, dass sein Sohn trotzdem seinen Namen bekam. So wurde Heinrich Meseberg der Stammvater der heutigen bürgerlichen Linie. Das war im 18. Jahrhundert.

Vor Kurzem lud Uwe Meseberg alle Angehörigen seiner Familie zu einer 1000-Jahr-Feier nach Meseberg in Brandenburg ein. Und obwohl er viel Zeit in die Aufarbeitung seiner Familiengeschichte gesteckt hat, pflegt er noch andere Hobbys. Er hat bereits mehrfach den New-York-Marathon bestritten und spielt in einer Band.

„Die Mesebergs waren schon immer anders und ein bisschen verrückt“, bemerkt Uwe Meseberg schmunzelnd und erzählt dazu folgende Anekdote: „Der Herzog von Brauschweig/Lüneburg baute sich ein Schloss, ganz aus Holz. Nur ging der Rohstoff zur Neige. Also ,klaute‘ mein Vorfahr, Gehard Wilhelm von Meseberg, dem Grafen von Stolberg durch illegale Grenzverschiebung ganze Waldgebiete und gab sie dem Herzog, damit dieser wieder Holz für sein Schloss hatte.“

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