Stadt verkauft Steinway-Konzertflügel an Kreismusikschule

Der „Mercedes“ wechselt den Eigentümer

Ein Steinway C-227 Konzertflügel. - Foto: Linus Lintner, Deuker-Piano.de

Syke - Von Frank Jaursch. Wenn Uwe Wegert über den Konzertflügel der Stadt Syke spricht, gerät er ins Schwärmen. Ein „ganz fantastisches Instrument“ sei der Steinway-Flügel C227, findet der Leiter der Kreismusikschule. Und in seinen Worten schwingt eine ganze Menge Vorfreude mit. Denn die Kreismusikschule wird die neue Eigentümerin des Instruments. Der Rat hat beschlossen, den Flügel zu verkaufen.

„Man muss sich fragen: Was kann eine Stadt sich leisten?“ erklärt Bürgermeisterin Suse Laue zu den Verkaufsplänen. Seit 28 Jahren besitzt die Stadt das Instrument für die Theaterbühne – und kann sich damit rühmen, mit hoher Qualität zu punkten.

„Das ist ein Konzertflügel, auf dem man auch auf höchstem Niveau spielen kann“, so Wegert. Er bezeichnet den Steinway als den „Mercedes unter den Flügeln“. Und auch Laue kennt den guten Ruf des Instruments in Künstlerkreisen. „Da hat sich die Stadt echte Qualität geleistet.“

Allzuoft allerdings kommt das gute Stück nicht zum Einsatz – in den letzten fünf Jahren gerade zweimal. Für Suse Laue ist das ein guter Grund, über einen Verkauf nachzudenken. „Macht ein Flügel Sinn, wenn man bedenkt, wie oft er benutzt wird – und wie viel es auf der anderen Seite kostet, ihn zu unterhalten?“

Der Steinway ist schließlich kein Gegenstand, den man mal eben so in der Ecke stehen lassen kann. Er lagerte in einem eigenen Raum in einer bestimmten Temperatur. Aller Pflege zum Trotz ist das High-End-Instrument reparaturbedürftig. Und das wird teuer. Auf etwa 18. 000 Euro taxierte ein Bielefelder Pianohaus die Kosten.

Ein Verkauf schien angesichts der hohen Summe eine erwägenswerte Alternative zu sein. Der Stadt lag nach Aussage des Ersten Stadtrats Thomas Kuchem ein Angebot des Herstellers vor.

Noch attraktiver allerdings wurde es für die Stadt, als die Kreismusikschule sich ins Gespräch brachte. Die Einrichtung verfügt derzeit landkreisweit bereits über acht Flügel. „Aber so einen haben wir noch nicht“, freut sich Uwe Wegert auf die Neuerwerbung.

Der Vorteil: Der Steinway bliebe in Syke. Und stünde unter Umständen für künftige Events zur Verfügung. „Wir haben vereinbart, dass wir den Flügel auch weiterhin nutzen können“, so Laue.

Auch preislich erzielten Käufer und Verkäufer eine Einigung: Vom Normalwert des Instruments (67. 000 Euro) wurden die 27 Jahre Nutzungsdauer und die erwarteten Reparaturkosten abgezogen. Blieb noch ein Kaufpreis von 32 .314 Euro. Ein solches Juwel in einer Musikschule – sind das nicht, ketzerisch gefragt, die berühmten Perlen vor die Säue?

Uwe Wegert lächelt. „An manch einer Musikschule würde ich sagen: Ja. Aber hier? Nein.“ Die Schule verfolge schließlich einen sehr breit gefächerten Ansatz. Da werden auf der einen Seite Grundlagen vermittelt, aber auch darüber hinaus auf hohem Niveau besonders begabte Talente gefördert. „Für die ist es schön, nicht nur theoretisch auf einem so hohen Level spielen zu können.“

Was genau mit dem Instrument geschieht, kann Wegert noch nicht sagen. „Wir überlegen noch, wo wir ihn hinstellen.“ Nur soviel: Der Flügel, so Wegert, bleibt in Syke.

Mit Besorgnis hatten nicht zuletzt die Musik-Enthusiasten von Jazz Folk Klassik (JFK) die Diskussion um einen möglichen Verkauf des Konzertflügels verfolgt. Ein Theater ohne Flügel? Für den JFK-Vorsitzenden Gerd Harthus „unvorstellbar“. Einen Flügel von so hoher Qualität für ein Konzert zu mieten, koste schnell mehr als 1000 Euro – und würde dazu führen, dass am Ende die Zuschauer dafür mehr zahlen müssten.

Der Leiter der Kreismusikschule kennt die Bedenken. Und möchte sie zerstreuen. „Es liegt ja auch in unserem Interesse, dass es einem Verein wie JFK gut geht“, sagt Uwe Wegert – und fügt für künftige Veranstaltungen hinzu: „Da finden wir sicher einen Weg.“

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