„Mein Vater hätte es genauso gemacht“

Autohaus Hartmann an der Steimker Straße ist Geschichte

Fast 50 Jahre lang stand das Autohaus Hartmann an der Steimker Straße. Jetzt sind die Hallen abgerissen. Das Gelände soll für Wohnbebauung erschlossen werden. - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Michael Walter. Nur noch ein bisschen Schutt und Staub erinnern an die Ausstellungshallen, Werkstatt- und Verkaufsräume, die bis vor Kurzem an der Steimker Straße gestanden haben. Fast 50 Jahre lang war dort das Autohaus Hartmann ein Aushängeschild, das Menschen aus der ganzen Region nach Syke gezogen hat. Das ist jetzt Geschichte. Inhaber Gerald Hartmann hat das Gelände verkauft und führt den Betrieb jetzt quasi von seinem Wohnzimmer aus weiter.

Hartmann – Anfang 50 und damit das, was man heute auf neudeutsch Bestager nennt – ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. „Ich bin dort schließlich groß geworden“, sagt er.

Vater Günter hatte 1966 auf seinem Privatgrundstück einen Gebrauchtwagenhandel gegründet. Um 1970 baute er dann an der Steimker Straße die erste Halle und vergrößerte den Betrieb nach und nach. Automobile Hartmann wurde regional ein Begriff: Wer einen Gebrauchtwagen suchte, kam um den Syker Betrieb praktisch gar nicht herum.

Aus gesundheitlichen Gründen musste Günter Hartmann Anfang 1991 aufhören. Der Betrieb wurde in eine GmbH ohne Beteiligung der Familie überführt. Lediglich Grundstück und Gebäude blieben in Familienhand.

2009 stellte die GmbH ihre Geschäfte ein. Gerald Hartmann machte den Betrieb dann als Einzelunternehmer unter dem alten Namen am vertrauten Standort neu auf. Sein Vater hat das allerdings nicht mehr miterlebt.

„Seitdem hat sich der Markt ganz fürchterlich gewandelt“, erzählt Gerald Hartmann. Große Händler in unmittelbarer Autobahnnähe werben mit Beständen von 3 000 Fahrzeugen oder mehr, Internetplattformen wie Autoscout 24 oder mobile.de grasen einen großen Teil des Marktes ab. „Die Luft für die Kleinen wird immer dünner“, sagt Hartmann. Hinzu kam für ihn: „Die Hallen waren 40 und 50 Jahre alt. Ich hätte viel Geld investieren müssen. Und das an einem Standort, der mitten in einem Wohngebiet liegt.“

Dem Unternehmer wurde zunehmend bewusst, dass es nicht mehr lange so weitergehen würde. Seit Anfang 2017 hat er dann über einen Verkauf verhandelt und als sich der dann abzeichnete, nach und nach seinen Mitarbeitern gekündigt. „Die sind alle sauber wieder untergekommen“, sagt er.

„Im Schnitt schon ‘ne 55-Stunden-Woche“

Zum Jahresende wurde der Verkauf dann konkret. „Davor habe ich mich bestimmt ein halbes Jahr lang köstlich amüsiert, wer das Gelände angeblich alles gekauft haben soll“, sagt Hartmann und muss heute noch grinsen angesichts des Klatschs in den sozialen Medien und der Gerüchteküche, die brodelte. Tatsächlich hat Hartmann Grundstück und Gebäude an das Heiligenfelder Bauunternehmen Kulinna und die Firma Baucon aus Weyhe verkauft. Beide wollen gemeinsam das Areal für eine Wohnbebauung erschließen.

„Mein Gewerbe habe ich aber nicht abgemeldet“, sagt Hartmann. „Gerade erst habe ich die Nachricht bekommen, dass ich meine alte Telefonnummer behalten kann. Und meine Autos stehen bei befreundeten Händlern.“

An seinem alten Firmengelände ist Hartmann nur noch einmal kurz vorbeigefahren, seit er dort den Schlüssel umgedreht hat. „Natürlich liegt da Wehmut drin, wenn du weißt, dass das alles zusammengeschoben wird“, sagt er. Dennoch sei der Verkauf die richtige Entscheidung gewesen. Wirtschaftlich sowieso, aber auch persönlich.

„Du hast da im Schnitt schon ‘ne 55-Stunden-Woche hingenagelt“, sagt er. „Eher mehr. Und dann fragst du dich irgendwann: Wie lange willst du das noch machen? Und wofür, wenn klar ist, dass es in deiner Familie keinen Nachfolger gibt?“ Gerald Hartmann hat zwar drei Kinder, doch die haben ganz andere berufliche Pläne, als die Fortführung des Betriebes..

Und dann sagt Hartmann den für ihn wohl entscheidenden Satz: „Vom Prinzip her weiß ich, dass mein Vater es genauso gemacht hätte.“

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