„Mehr als simple Dekoration“

Kunstpreisträger stellen Werke zum Thema Aufbruch in Syke aus

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Vor dem Siegerbild präsentieren sich die Kunstpreisträger 2017 bei der Vernissage am Donnerstagabend in der Kreissparkasse in Syke. Brunhild Buhre (l.), Vorsitzende des Vereins Kunst in der Provinz, gratuliert (v.l.) Bettina Bollmann-Koch, Karin-Maria Menk und Edgar Wüstefeld.

Syke - Von Anika Bokelmann. Eine grau-grüne Steinskulptur, ein rötliches Bild mit Seidenpapier und Schellack auf einem Bodenbelag sowie eine verblasste Deutschlandflagge in Acryl auf Leinwand – drei unterschiedliche Kunstwerke mit einer Gemeinsamkeit: dem Thema Aufbruch.

Dieses hatte der Verein Kunst in der Provinz für den diesjährigen Kunstpreis vorgegeben. Die drei Bestplatzierten stellen seit Donnerstag die Preisträgerstücke sowie weitere Exponate in der Kreissparkasse in Syke aus.

Die Gemeinschaftsausstellung von Edgar Wüstefeld (1. Platz), Bettina Bollmann-Koch und Karin-Maria Menk (beide 2. Platz) trage „verschiedene Handschriften“, sagt Geschäftsstellenleiter Uwe Husmann bei der Vernissage. „Wir wollen die Gesellschaft mitgestalten, Reaktionen hervorrufen und dazu anregen, dem kreativen Schaffen nachzugehen“, stellt Brunhild Buhre, Vorsitzende der Künstlervereinigung Kunst in der Provinz, das Ziel vor. Alle zwei Jahre entscheidet eine Jury über die Werke, die Vereinsmitglieder zum vorgegebenen Thema einreichen.

Kunst als Leidenschaft

Für den diesjährigen Gewinner, Edgar Wüstefeld aus Sulingen, ist Kunst „eine Leidenschaft und ein Luxusgut“, wie es der Jurist im Ruhestand beschreibt. „Nach dem Berufsleben konnte ich das machen, was mir Spaß macht“, sagt Wüstefeld. Er hat vor zwölf Jahren seine Arbeit im Atelier intensiviert. Für den kreativen Sulinger sind seine Bilder „keine simple Dekoration“. Vielmehr stecke ein Rätsel hinter dem Motiv, das ihm helfe, die Welt besser zu verstehen.

Das gilt auch für sein preisgekröntes Werk „Aufbruch“, einem 100 x 140 Zentimeter großen Acrylbild auf Leinwand. Eine verblasste Deutschlandflagge mit deutlichen Überarbeitungsspuren und einer zerrissenen Oberfläche überzeugte die Jury. Dahinter steht eine intensive Vorbereitungszeit. „Ich habe mich mit der Geschichte der Flagge auseinandergesetzt“, berichtet Wüstefeld bei der Vernissage zum Hintergrund des Bildes mit einer starken Atmosphäre. 

Während es sich auf den ersten Blick aufgrund der ungegenständlichen Farbkomposition einer festen nationalen Symbolik entzieht, möchte der Urheber die Flagge im Kontext ihrer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zeigen. „Es ist unsere Aufgabe, die Flagge wieder zum Glänzen zu bringen“, laute sein politisches Statement zur zerrissenen Gesellschaft, erklärt Wüstefeld.

Verschiedene Wege des Aufbruchs in einer Skulptur

Verschiedene Wege des Aufbruchs finden sich in der Skulptur von Bettina Bollmann-Koch. Die Grundidee gebe das Material vor, so die Pr. Oldendorferin. Die Steinbildhauerin, die 1999 erstmals einen Stein in die Hand genommen hatte, hat die Skulptur aus einem Steatit (Speckstein) herausgeformt. Während einerseits der Rohstein erkennbar ist, zeigen sich im Vordergrund verschiedene glänzend-grüne Formen. 

Damit drückt Bollmann-Koch der Jury zufolge „ihren Respekt vor dem Naturstein“ aus. „Viele Situationen stehen für einen Aufbruch“, sagt die Künstlerin und nennt den inneren Ausbruch aus Regeln und gesellschaftlichen Zwängen, aus dem Beruf sowie aus Krisengebieten. „Es ist ein schwieriger Weg, der durch die Enge des Steins hervorgehoben wird“, so Bollmann-Koch.

Ebenso wie die anderen Preisträger möchte Karin-Maria Menk, dass sich der Betrachter mit ihren Kunstwerken beschäftigt, einen Zugang findet. Daher gibt die Künstlerin aus Heiligenloh ihren Bildern niemals Titel. „Die Bilder entziehen sich so einem voreingenommenen Urteil“, erklärt sie. Zu ihrer Arbeitsweise sagt Menk, die seit 1995 ihre Kreativität aus der Nähe zur Natur nimmt: „Ich arbeite auf vielen Untergründen.“ Das Wettbewerbsbild vermischt nicht nur Materialien, sondern auch Realität und Abstraktion. Wichtig sei ihr, so Karin-Maria Menk, dass ein Aufbruch immer auch ein Schritt ins Ungewisse sei.

Die Gemeinschaftsausstellung ist noch bis Mittwoch, 29. November, während der Geschäftszeiten der Syker Kreissparkasse öffentlich zugänglich.

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