Landtagskandidaten im Interview

Marco Genthe: „Mehr Polizei und mehr Justizkräfte“

Marco Genthe

Landkreis - „Freiheit braucht Sicherheit“ hat sich Dr. Marco Genthe zum Wahlspruch erkoren. Der FDP-Landtagsabgeordnete tritt erneut an. Genthe ist 50 Jahre alt, Rechtsanwalt, verheiratet und wohnt in Weyhe.

„Meine Stärke ist, überzeugen zu können“, sagt der Liberale, „und meine Schwäche eine gewisse Ungeduld“. Angst bekommt Marco Genthe vor „vernagelten Extremisten jedweder Couleur“. Im Interview bezieht er Stellung zu aktuellen landespolitischen Themen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Wenn landesweit mindestens 300 Lehrer an den Schulen fehlen, weil es nicht genügend Bewerber gibt, dann ist das ein Kardinalproblem im Bildungsbereich. Denn Bildung schafft die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wie wollen Sie das akute Lehrermangel-Problem lösen und wie wollen Sie das finanzieren?

Marco Genthe: Zurzeit fallen 100 000 Unterrichtsstunden pro Woche aus. Ein trauriger Rekord! Freie Lehrerstellen müssen besetzt und die Ausbildungskapazitäten erhöht werden. Zudem müssen Lehrer von Verwaltungsaufgaben entlastet werden, damit sie unterrichten können. Frühpensionierungen muss mit Angeboten entgegengewirkt werden.

Dass die Polizei in Niedersachsen verstärkt werden muss, ist – wie Wahlprogramme beweisen – politisch unstrittig. Wie viele neue Kräfte wollen Sie einstellen – auch mit Blick auf die bevorstehende Pensionierungswelle? Und vor allem: Wie wollen Sie diese Polizisten in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen?

Genthe: Wir brauchen 1 000 zusätzliche Polizisten und 300 neue Verwaltungsstellen, damit Gesetze nicht nur auf dem Papier stehen. Die Zugangsmöglichkeiten für diesen Beruf müssen erweitert werden, zum Beispiel durch duale Ausbildung für mittlere Bildungsabschlüsse. Der Direkteinstieg bei der Kriminalpolizei soll möglich werden.

Haben Sie Sorge um die Innere Sicherheit in Niedersachsen? Wenn ja, was muss dann sofort umgesetzt werden?

Genthe: Die Untersuchungsausschüsse haben gezeigt, dass die Sicherheitsbehörden nicht gut zusammenarbeiten und teilweise politisch beeinflusst wurden. Das muss dringendst abgestellt werden. Strukturen müssen gestrafft und Verantwortlichkeiten definiert werden. Das ist eine Aufgabe nicht nur der Länder, sondern auch Europas.

Die Klagen über eine überlastete Justiz scheinen kein Ende zu nehmen. Der Niedersächsische Richterbund fordert 250 neue Stellen für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Genthe: Wir benötigen 252 weitere Richter und Staatsanwälte. Die Dauer der Verfahren muss gesenkt werden. Nur schnelles Recht ist gutes Recht! Ein gezielter Ausbau der bewährten Modelle der Schwerpunktstaatsanwaltschaften steigert die Effektivität. Die Digitalisierung der Justiz muss endlich ernsthaft vorangebracht werden.

Niedersachsen hat Schwein – sprich mit 8,01 Millionen Borstentieren mehr Schweine als Bürger (7,7 Millionen Einwohner). Der Tierschutz in der Landwirtschaft hat deshalb – nicht nur für Schweine – enorme Bedeutung. Was würden Sie sofort verbessern?

Genthe: Wir brauchen eine gut ausgestattete und handlungsfähige staatliche Veterinärverwaltung und keine privaten Verbandsklagen. Die Digitalisierung bietet die Chance, gezielter und damit weniger Antibiotika einzusetzen und artgerechter zu füttern. Gute Haltungsbedingungen müssen ideologiefrei gefördert werden.

Die schätzungsweise 120 Wölfe in Niedersachsen haben laut Landesjägerschaft in neun Jahren 500 Nutztiere gerissen. Der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wolfsanhängern wird immer schärfer. Haben Sie eine Lösung?

Genthe: Ganz einfach: auffällige Wölfe müssen entnommen, das heißt erschossen werden. Die Ansiedlung eines Fressfeindes für den Wolf ist jedenfalls nicht die Lösung.

Alle Kandidaten, alle Ergebnisse

Die weiteren Kandidaten im Wahlkreis und die Ergebnisse am Wahlabend finden Sie in unserem Überblick.

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