Landtagskandidaten im Interview

André Fieseler: „Mehr Polizei in Kleinstädte“

André Fieseler

Landkreis  - Er ist der jüngste aller Kandidaten im Landkreis Diepholz, der in insgesamt vier Wahlkreise zerschnitten ist: Mit 22 Jahren bewirbt sich André Fieseler für die Partei „Die Linke“ um ein Mandat im Niedersächsischen Landtag.

Der Informatiker wohnt in Syke. Zu seinen Stärken und Schwächen macht er keine Angaben. Befragt zu seinen Ängsten sagt er: „Natürlich gibt es Dinge, die ich fürchte: Beängstigend ist zum Beispiel, dass viele Menschen in ausbeuterischen Lebens- und Arbeitsverhältnissen leben müssen.“ Im Interview nimmt Fieseler Stellung zu aktuellen landespolitischen Themen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Wenn landesweit mindestens 300 Lehrer an den Schulen fehlen, weil es nicht genügend Bewerber gibt, dann ist das ein Kardinalproblem im Bildungsbereich. Denn Bildung schafft die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wie wollen Sie das akute Lehrermangel-Problem lösen und wie wollen Sie das finanzieren?

André Fieseler: Grund dafür ist eine falsche Bildungs- und Personalpolitik. Das ist für Schüler schlecht, weil ihr Unterricht ausfällt, und für Lehrer schlecht, weil sie den Personalmangel mit Mehrarbeit ausgleichen müssen. Ich fordere eine Unterrichtsversorgung von mindestens 105 Prozent und eine bessere Bezahlung für Lehrer.

Dass die Polizei in Niedersachsen verstärkt werden muss, ist – wie Wahlprogramme beweisen – politisch unstrittig. Wie viele neue Kräfte wollen Sie einstellen – auch mit Blick auf die anstehende Pensionierungswelle? Und wie wollen Sie diese Polizisten in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen?

Fieseler: Anders als in manchen Bundesländern, in denen viel abgebaut wurde, gibt es in Niedersachsen Personalzuwachs. In den letzten 18 Jahren ist hier die Polizei um sieben Prozent gewachsen. Genügend Polizistinnen und Polizisten sind wichtig und müssen gut bezahlt werden. Ich bin dafür, mehr Polizei in Kleinstädte und ländliche Gegenden zu bringen.

Haben Sie Sorge um die innere Sicherheit in Niedersachsen? Wenn ja, was muss dann sofort umgesetzt werden?

Fieseler: Polizeiarbeit sollte stets bürgernah und verhältnismäßig sein, was sie zu großen Teilen schon ist. Sofort gestoppt werden muss der Abzug der Polizei aus der Fläche, damit es dort nicht an Sicherheit fehlt. Kriminalität ist übrigens häufig auch eine soziale Frage, gute Prävention ist es also, am 15. Oktober links zu wählen.

Die Klagen über eine überlastete Justiz scheinen kein Ende zu nehmen. Der Niedersächsische Richterbund fordert 250 neue Stellen für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Fieseler: Ich halte die Forderung für sinnvoll, vor allem bei Sozial- und Verwaltungsgerichten. Belastungsspitzen, wie sie immer wieder eingetreten sind, geben dafür einen guten Anlass. Nur so lässt sich die Sicherheit von Verfahren erhalten. Wenn an der Justiz gespart wird, dann wird auch am Rechtsstaat gespart, was fatal ist.

Niedersachsen hat Schwein– sprich mit 8,01 Millionen Borstentieren mehr Schweine als Bürger (7,7 Millionen Einwohner). Der Tierschutz in der Landwirtschaft hat deshalb – nicht nur für Schweine – enorme Bedeutung. Was würden Sie sofort verbessern?

Fieseler: Wir brauchen höhere Standards in der Tierhaltung. Platzangebot und Auslauf müssen vergrößert werden. Außerdem muss der Missbrauch von Antibiotika als Masthilfe verboten werden. Die Linke steht auch für eine Bundesratsinitiative für Tierobergrenzen in der Massentierhaltung. Für uns zählt Tierwohl und nicht Profit.

Die schätzungsweise 120 Wölfe in Niedersachsen haben laut Landesjägerschaft in neun Jahren 500 Nutztiere gerissen. Der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wolfsanhängern wird immer schärfer. Haben Sie eine Lösung?

Fieseler: Keinesfalls dürfen Wölfe zum Abschuss freigegeben werden, ihre Rückkehr ist ein großer Erfolg für den Artenschutz. Durch das lange Fehlen von Wölfen in der heimischen Tierwelt wurde der Umgang mit ihnen verlernt. Nutztier-Schutzmaßnahmen sind zum Beispiel Herdenschutzhunde und Verbesserung von Weidezäunen.

Alle Kandidaten, alle Ergebnisse

Die weiteren Kandidaten im Wahlkreis und die Ergebnisse am Wahlabend finden Sie in unserem Überblick.

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