Syker Kommissariat registriert für 70. 000-Einwohner-Gebiet rund 4.000 Taten

„Mehr als die Hälfte aller Delikte klären wir auf“

Holger Schmöe (r.), Leiter des Kriminal-und Ermittlungsdienstes in Syke, sowie der Leiter des Syker Polizeikommissariats Andreas Kunath stellen die Kriminalstatistik für ihr Einzugsgebiet vor. - Foto: Schritt

Syke - 63 Prozent aller Straftaten, die in der Polizeiinspektion (PI) Diepholz anfallen, registrieren die Beamten im Nordkreis, sagt der Leiter des Syker Polizeikommissariats, Polizeirat Andreas Kunath, bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für den Zuständigkeitsbereich Syke.

„Mit Bassum, Twistringen, Bruchhausen-Vilsen und Syke sind wir mit 70 Beamten für ein 70.000-Einwohner-Gebiet zuständig.“ Und dafür hat die Polizei im vergangenen Jahr insgesamt 3.978 Delikte (2014: 4.096) gezählt. Hilfe bei exakt 427 Delikten bekamen die Syker von den PI-Ermittlern in Diepholz. Den größten Anteil, 1561 Fälle, bilden die Diebstahls-Taten in allen Varianten, ergänzt Polizeihauptkommissar Holger Schmöe, Leiter des Kriminal- und Ermittlungsdienstes in Syke. Zum Vergleich: Das Leester Kommissariat zählte für Weyhe und Stuhr (60 000 Einwohner) im gleichen Zeitraum 1.600 Taten. Das Problem: Anders als bei Betrügereien oder bei Körperverletzungen, ist es oftmals schwer, die Täter ausfindig zu machen. Um das gesteckte Ziel zu erreichen, mindestens jede vierte Tat zur Anklage zu bringen, bedarf es der Hilfe aus der Bevölkerung. „In Weyhe rufen die Menschen an, wenn sie etwas Verdächtiges beobachten“, so Kunath. Das wünscht sich der Polizeichef auch für seinen Zuständigkeitsbereich. „Zeitungsträger oder Anwohner merken, wenn etwas nicht stimmt. Da meldet sich oftmals das Bauchgefühl“, weiß Schmöe aus der langjährigen Berufspraxis. Deshalb sollten die Bürger ruhig zum Hörer greifen und die Beobachtungen sofort telefonisch mitteilen, wenn sie merken, das beispielsweise Personen oder Autos nicht zum Ort gehören. Die Wache ist rund um die Uhr besetzt (Telefon: 04242 / 96 90).

„Wir bewerten, ob wir die Meldung verwenden können“, sagt Kunath. Gleiches gelte auch für Firmeninhaber. Wenn eine Alarmanlage auslöst, wird oftmals ein Serviceunternehmen benachrichtigt, das jemand zum möglichen Einbruchstatort beordert. „Das kann schon mal 20 Minuten dauern, und wenn die Polizei dann erscheint, sind die Diebe wahrscheinlich über alle Berge“, so der Ordnungshüter. Die Ladendiebstähle nehmen zu, so die Ordnungshüter.

Oftmals sind es Waren des täglichen Bedarfs. Die Täter sind Menschen, die zu allen Schichten gehören. Die Menschen, die vor Krieg und Terror in der Region Schutz suchen, fallen jedoch nicht auf.

Die Geschäftsleute haben es verstärkt mit Banden zu tun, die laut Schmöe in den Ortschaften links und rechts der Bundesstraßen „regelrecht auf Beutezug gehen. Doch Ermittlungsgruppen sind geplant.

Bei den Fahrraddiebstählen sind die Fallzahlen rückläufig: Waren es 2014 409 waren es 2015 noch 369 Fälle. „Kontrollen an Bahnhöfen, Boxen und Codierungsaktionen zeigen Wirkung“, so Kunath.

Bürger müssen keine Angst haben. Sie könnten laut Schmöe und Kunath grundsätzlich zu allen Zeiten beruhigt auf die Straßen gehen – Gewalttaten registrieren die Beamten nach Familienstreitigkeiten im häuslichen Bereich und bei Volksfesten. „Auch die Bahnhöfe sind nachts sicher“, sagen die Ordnungshüter.

Die Polizei geht auch das gesellschaftliche Problem an, wonach bereits einige 13-Jährige laut Schmöe Drogenprobleme haben. Der Beschaffungsdruck steige an, wenn man abhängig ist, so der Fachmann. „Ein Gramm kostet einen Zehner.“ Das Geld sei „ruckzuck“ weg. Eine sogenannte kriminelle Karriere mit ersten Diebstählen, Einbrüchen bis hin zum Raub kann ihren Lauf nehmen. Um Dealern das Handwerk zu legen und um die Betäubungsmitteldelikte einzudämmen setzt die Polizei auf ganzheitliche Kontrollen, auf Präventionsveranstaltungen mit den Schulen, Lehrern und Eltern. „Es sind jetzt so viele Drogen im Umlauf wie noch nie zuvor“, so Schmöe.

Die Gesamtaufklärungsquote lag 2015 bei 55,25 Prozent (2014: 60,4 Prozent): Mehr als die Hälfte aller Taten konnten die Beamten aufklären. „Dass die Quote gesunken ist, ärgert uns“, sagt Andreas Kunath. Allerdings hatte die Aufklärung der Diebstahlsserie aus den Kleingärten 2014 die Quote nach oben geschoben. Der Polizeirat hat sprichwörtlich ein ganzes Maßnahmenpaket geschnürt, um die Quote zu verbessern. Ein Beispiel: Die Streifen sollten an den Bundesstraßen verstärkt den fließenden Verkehr kontrollieren. Obwohl das Personal in der PI gerecht und ausgewogen verteilt ist, wünscht sich Holger Schmöe, dass Diepholzer Personal verstärkt aus dem Nordkreis agiert. Die langen Hin- und Rückwege würden wegfallen, das käme dann der Aufklärungsarbeit zugute. Synergieeffekte erhoffen sich Schmöe und Kunath auch von einer Erweiterung der Bearbeitungszuständigkeiten. „Wir hatten schon mal ein Kriminalkommissariat“, so Schmöe. Denn beide glauben, dass die Fallzahlen ansteigen. Was zunächst paradox klingt, begründen beide mit dem linearen Anstieg.

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