„Mehr als Bürokratie“

Sehnsuchtsmobil sammelt Geschichten, Wünsche und Kritik rund ums Thema Europa

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Die Ergebnisse aus den Gesprächen von Oliver Behnecke (r.) mit Gerhard Thiel (l.) sowie Rahmi Tuncer und Ruth E. E. Cordes hielt Samis Obst als grafisches Verlaufsprotokoll fest. - Foto: Husmann

Syke - Von Anika Bokelmann. Für Gerhard Thiel ist es die Idee von Frieden und einer gemeinsamen Identität, für Rahmi Tuncer das Wirtschaftssystem und Rechte und für Ruth E. E. Cordes die grenzübergreifende Kunst und Kultur, was Europa ausmacht. Die drei stellten sich am Sonntagnachmittag den Fragen von Oliver Behnecke rund um das Thema „Sehnsucht Europa“.

Zu der gleichnamigen Ausstellung, die noch bis 4.  März im Kreismuseum zu sehen ist, machte dort das Sehnsuchtsmobil Station und befragte Personen aus Syke zu ihrer persönlichen „Sehnsucht Europa“, sammelte Geschichten und Wünsche. Als Interviewpartner für Oliver Behnecke hatte Museumsleiter Dr. Ralf Vogeding den Vorsitzenden des Kreisverbands der Europa-Union, die Künstlerin und den Migrationsbeauftragten ausgewählt.

Unterstützt wurde Behnecke von Samis Obst von der Kunsthochschule Ottersberg. Sie fungierte als „Graphic Recorderin“ und hielt die Antworten bildlich als Verlaufsprotokoll auf einem Plakat fest. Als weitere Assistentin war Nurten Kurnaz beim Sehnsuchtsmobil dabei. „Ich begleite das Projekt auf der zweiten Hälfte bis zum Höhepunkt im September“, sagte die Kulturmanagerin des Bremer Vereins Stadtkultur. Ein Festival, bei dem die Ergebnisse aus Ausstellung und Rahmenprogramm vorgestellt werden, erwartet die Interessierten dann.

Europa ist mehr als Bürokratie

Die Essenzen aus den Gesprächen von Sonntag werden dann vorgestellt. Damit soll laut Oliver Behnecke deutlich werden, dass „Europa mehr ist als Bürokratie“. „Mit der Sprache der Kunst wollen wir uns Europa nähern. Außerdem prägen sich Bilder mehr in den Köpfen der Menschen ein“, so Behnecke über das Projekt, das zu weitergehenden Gesprächen führen und helfen soll, Brücken innerhalb der Gesellschaft zu schlagen.

Kunst war alsdann auch ein wichtiger Aspekt der Antworten von Ruth E. E. Cordes. Die 52-Jährige berichtete von ihren ersten Erlebnissen des Europa-Gefühls. „Als ich mit 17 Jahren nach Kanada ging, wurde ich mit dem Hitler-Gruß empfangen“, erinnerte sich Cordes. Damals habe sie bedrückende Grenzen gespürt. Umso mehr wünscht sich die dreifache Mutter heute, dass insbesondere Kinder und Jugendliche so früh wie möglich die Chance bekommen, auf Reisen zu gehen. „Mehr Offenheit und weniger Angst und Hass in den Köpfen“, lautet ihr Wunsch.

Vielfalt der Kulturen als Gewinn

Auch Gerhard Thiel spürt Europa eigenen Angaben zufolge auf Reisen. „Um keine Missverständnisse wegen der deutschen Vergangenheit aufkommen zu lassen, habe ich in den 60er-Jahren im Ausland auf Fragen nach meiner Herkunft gesagt, ich sei Europäer“, berichtete Thiel. Dem Migrationsbeauftragten Rahmi Tuncer sei es hingegen lieber, „sich nicht auf Begriffe reduzieren zu lassen“. „Ich bin ein Mensch“, unterstrich der 57-Jährige. Identifikation habe für ihn etwas mit dem Ort zu tun, wo man sich wohl fühle. „Ich bin an einem friedlichen Zusammenleben interessiert“, so Tuncer. Weiter kritisierte er die Ungleichheiten der Länder, insbesondere die aktuellen Geschehnisse in Osteuropa: „Das hat nichts mit dem europäischen Gedanken zu tun.“

Seine persönliche Sehnsucht Europa formulierte Gerhard Thiel: „Alle Menschen sollen Freunde werden und die Vielfalt der Kulturen als Gewinn verstehen.“ Zugleich dürfe die regionale Identität nicht zu kurz kommen, so Thiel, der beispielhaft auf die Diskussionen um das SY-Kennzeichen verwies. „Für mich hat auch das viel mit Europa zu tun“, sagte Thiel.

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