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Warnstreik: Kita-Beschäftigte fordern mehr Anerkennung

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Von: Dierck Wittenberg

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Mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld sind die Forderungen der Streikenden.
Mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld sind die Forderungen der Streikenden. © Wittenberg, Dierck

Verdi hat zum Warnstreik aufgerufen. 250 Mitarbeiter aus Kitas demonstrieren in Syke für bessere Arbeitsbedingungen.

Syke/Landkreis Diepholz – Im Nordkreis haben am Dienstagvormittag Mitarbeiter aus Kindertagesstätten und dem sozialen Bereich gestreikt. Sie waren dem Aufruf der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gefolgt und sind in Syke auf die Straße gegangen. An der Demonstration haben sich Kita-Beschäftigte aus Stuhr, Weyhe, Bassum, Bruchhausen-Vilsen und Syke sowie Mitarbeiter aus der Kreisverwaltung beteiligt.

Von 250 Teilnehmern sprach Verdi-Gewerkschaftssekretär Volker Selent, mehr als er erwartet habe. An die Adresse der Arbeitgeber gerichtet sagte er: „Wir werden noch mehr sein können, wenn ihr uns nicht ernst nehmt.“ Die Polizei hatte etwas weniger Teilnehmer gezählt, nämlich rund 200.

Die Aktion war Teil eines bundesweiten Warnstreiks, mit dem die Gewerkschaften ihre Forderungen in den Tarifverhandlungen mit den kommunalen Arbeitgebern untermauern wollen. Den Streikenden geht es um mehr Geld, teils durch höhere Eingruppierungen. Aber nicht nur.

Die Belastung in den Kindertagesstätten ist groß

Das haben sie auch in Syke auf Transparenten und in Redebeiträgen deutlich gemacht. „Es geht um gesellschaftliche Anerkennung“, unterstrich Martin Peter, Landesfachbereichsleiter bei Verdi. So forderten die Streikenden bessere Arbeitsbedingungen und dass die Arbeitgeberseite dem Fachkräftemangel im Kita- und Sozialbereich stärker entgegenwirkt.

„Die Belastung in den Kindertagesstätten ist groß, ebenso in der Sozialarbeit“, hatte Volker Selent im Vorfeld erklärt. Immer noch würden diese Berufe im Vergleich zu den technischen und Ingenieurstätigkeiten unter ihrem Wert vergütet, so der Gewerkschaftssekretär. „Wir sind mehr wert, als das, was wir bekommen“, betonte auch Martina-Rosa Meyer vom Bassumer Kindergarten Kinderreich in ihrer Rede.

„Applaus, Applaus - das reicht uns nicht aus“

In den vergangenen zwei Jahren war die Corona-Pandemie eine zusätzliche Belastung für die Beschädigten. „Applaus, Applaus – das reicht uns nicht aus!“, skandierten die Demonstrationsteilnehmer. Ihre Route führte sie von den Berufsbildenden Schulen (BBS) über das Rathaus zum Syker Kreishaus.

Rund 250 Teilnehmer haben sich laut Gewerkschaft Verdi an der Demonstration beteiligt. In Kitas in Stuhr, Syke, Weyhe, Bassum, Bruchhausen-Vilsen und bei der Kreisverwaltung hatten Beschäftigte die Arbeit niedergelegt.
Rund 250 Teilnehmer haben sich laut Gewerkschaft Verdi an der Demonstration beteiligt. In Kitas in Stuhr, Syke, Weyhe, Bassum, Bruchhausen-Vilsen und bei der Kreisverwaltung hatten Beschäftigte die Arbeit niedergelegt. © Wittenberg

Mehrere Rednerinnen und Redner wiesen zudem auf eine Auswirkung des Kriegs in der Ukraine hin: Es sei mit Tausenden kriegstraumatisierten Kindern zu rechnen, die in nächster Zeit nach Deutschland kommen. Denen müsse mit genügend Personal geholfen werden.

Bezug zum Frauentag: „Soziale Arbeit ist überwiegend weiblich“

Der Warnstreik am Dienstag fiel auf den Internationalen Frauentag am 8. März. Das war ein weiterer Bezugspunkt der Reden: „Soziale Arbeit ist überwiegendend weiblich“, sagte etwa Sabine Fischer-Garve. Die Sozialpädagogin merkte an, dass man sich gut überlegen müsse, ob man jungen Menschen wirklich empfehlen könne, in einen sozialen Beruf einzusteigen. Darauf, dass besonders im Kita-Bereich viele Beschäftigte den Beruf nach drei bis fünf Jahren wieder verließen, wies Verdi-Bereichsleiter Peter hin.

Laut Volker Selent waren die Kitas unterschiedlich betroffen: von nicht bestreikt, über Notdienst bis ganz geschlossen. Dies sei in vier Kitas in Weyhe und Stuhr der Fall gewesen. Die Verhandlungen zwischen kommunalen Arbeitgebern und Gewerkschaften sollen am 21. und 22. März weitergehen.

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