Markus Hartwig richtet für die Stadt Flüchtlingsunterkünfte ein

„Hauptsache, hier können Leute wohnen“

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Markus Hartwig und Sabunan „Sabo“ Bunjaku schrauben die Möbel für eine Flüchtlingsunterkunft zusammen.

Von Michael Walter. Für Markus Hartwig ist jeder Arbeitstag eine neue Herausforderung: Seit Mitte November ist der 48-Jährige bei der Stadt als Hausmeister speziell für Flüchtlingsunterkünfte eingestellt. Und es ist ein wesentliches Merkmal dieses Jobs, dass sich fast nichts daran langfristig planen lässt.

Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Vorlaufzeiten sehr kurz sind: Es vergehen nur wenige Tage von dem Moment, an dem der Stadt neue Flüchtlinge zugeteilt werden, bis zu dem Moment, an dem sie in Syke ankommen. Und in dieser Zeit muss die Stadt nicht nur eine geeignete Unterkunft finden, sondern sie auch einrichten.

Wirklich vorbereiten lässt sich davon nur der erste Teil: Seit Monaten schon akquiriert die Stadt leer stehende Häuser und Wohnungen und mietet sozusagen auf Vorrat. Am Anfang steht in jeder Wohnung eine Bestandsaufnahme: Funktionieren Heizung, Elektrik, Wasserhähne? Muss noch ein Handwerker rein?

Erhält die Stadt dann neue Flüchtlinge zugewiesen, erfolgt die eigentliche Wohnungszuteilung: Wie viele Personen kommen? Wie viele davon gehören zusammen? Wie viele Zimmer werden gebraucht? Und welches Objekt ist dafür am besten geeignet?

An dieser Stelle wälzen Markus Hartwig und Hilde Hemmer vom Fachbereich Ordnung und Soziales im Syker Rathaus gemeinsam die Grundrisse der in Frage kommenden Wohnungen: Wo können die Betten hin? Haben wir eine Küche? Und passen die Anschlüsse? „Und dann stelle ich zusammen, was ich benötige“, sagt Hartwig. „Vom Kochgeschirr über Handtücher bis zu den Möbeln.“

Zusammensuchen muss er sich das aus den vielen Spenden, die übers ganze Stadtgebiet verstreut eingelagert sind. Was fehlt, muss die Stadt dazukaufen: Meist Matratzen und Betten. „Das Billigste vom Billigen“, sagt Hartwig. „Hauptsache, es funktioniert.“

Jetzt folgt der anstrengendste Teil: Möbel schleppen. Zuerst hat Hartwig das allein gemacht. Seit kurzem hat er eine Hilfe: Sabunan Bunjako. Der 30-Jährige ist selbst Asylbewerber, lebt seit Juli in Syke und ist heilfroh, dass er was Sinnvolles tun kann. „Immer nur sitzen und sitzen – davon wirst du krank.“

Die Wohnung, die beide gerade in Gessel einrichten, versprüht den Charme der frühen 80er Jahre: Dunkle Holzvertäfelungen an den Decken, dunkelbraune Fliesen, dunkelbraune Textiltapeten, und im Wohnzimmer steht ein dunkelbraunes Sofa. Selbst bei voller Beleuchtung wird‘s nicht richtig hell. „Egal“, sagt Hartwig, „darum geht‘s nicht. Hauptsache, hier können Leute wohnen.“

Dafür hat er genau zwei Tage Zeit. Die meisten Möbel sind schon drin. Während „Sabo“ die Betten aufbaut, fährt Hartwig schon mal die Waschmaschine beim Händler abholen. Dann muss er im Rathaus noch Sachen einladen und nach Schnepke bringen, wo sie parallel noch ein Zimmer für fünf Personen herrichten, und dort einen Tisch abholen, den er wieder nach Gessel bringen muss. „Dann ist hoffentlich Feierabend“, sagt Hartwig. Wenn er nicht zwischendurch noch zu einer anderen Unterkunft gerufen wird, wo noch etwas fehlt oder kaputt gegangen ist.

Zeit zum Durchschnaufen gibt es dabei kaum. „Das ist ein stressiger Job“, sagt Hartwig. „Aber es ist Stress, der mir großen Spaß macht.“ Nicht zuletzt, weil er auch große Wertschätzung seitens der Asylbewerber erfährt. Denn wenn eine Wohnung eingerichtet ist, kümmert sich Markus Hartwig darum, dass dort auch weiterhin alles läuft, und ist auf diese Weise mit den Bewohnern regelmäßig in Kontakt. Dabei erlebt der gelernte Elektriker häufig eine geradezu demütige Bescheidenheit. „Viele trauen sich nicht einmal, Bescheid zu sagen, wenn irgendwo etwas kaputt gegangen ist. Und die meisten sind sehr dankbar für das, was die Stadt für sie tut.“

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