Mario Mann ist neuer evangelischer Schulseelsorger an den Berufsbildenden Schulen

„Dieser komische Religionskerl“

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Mario Mann hatte gestern seine formale Amtseinführung als Schulseelsorger an den BBS.

Syke - Von Miriam Unger. In einem Gottesdienst in der Christuskirche ist Mario Mann aus Bramstedt am Mittwochabend offiziell als evangelischer Schulseelsorger in sein Amt eingeführt worden. Der 51-Jährige ist Lehrer an den Berufsbildenden Schulen in Syke. Warum er die zusätzliche Aufgabe übernimmt und mit welchen Themen er konfrontiert wird, erzählt er im Interview.

Herr Mann, Sie sind Lehrer für Bautechnik und Politik. Wie wird denn so jemand Schulseelsorger?

Mario Mann (lacht): Ich habe nach der Schule Theologie studiert, das Studium aber nach fünf Semestern abgebrochen. Danach bin ich Zimmerer geworden und dann Berufschullehrer. Als ich an die BBS in Syke wechselte, kam die Frage, ob ich auch Religion unterrichten könnte. Ich habe Ja gesagt. Dann wurde ich mit zwei Stunden Religion pro Woche eingesetzt, bis die Kirche darauf hinwies, dass man Religion nur mit Facultas unterrichten dürfte. Also habe ich eine zweijährige Ausbildung gemacht, und dabei wurde ich auf die Möglichkeit aufmerksam, Schulseelsorger zu werden.

Wozu braucht Ihre Schule einen Seelsorger?

Mann: Ich hatte eine Klasse, in der Schüler mit vielen Schwierigkeiten waren. Viele hatten psychische Probleme und psychosomatische Krankheiten. Die meisten waren sehr unsicher und hatten viel Stress zu Hause. Da habe ich gedacht: Die brauchen eine emotionale Stärkung. Aber ich bin an eine Grenze gekommen, wo ich gemerkt habe, dass ich nicht die richtigen Fragen stelle, nicht weiterkomme. Darum habe ich die Seelsorge-Ausbildung gemacht.

Vor welchen Fragen und Problemen stehen Sie als Schulseelsorger?

Mann: Die volle Bandbreite. Gerade im Berufsfachschulbereich gibt es ja viele Schüler in schwierigen Lebenssituationen. Ganz stark geht es um Probleme im Elternhaus. Zum Beispiel, dass es mit dem Stiefvater nicht funktioniert, weil die emotionale Bindung fehlt. Es geht um geistig-seelische Verarmung, aber auch um die Situation, wo Schüler plötzlich in eine ganz andere Rolle geraten. Wenn die Eltern krank werden und sie plötzlich in der Verantwortung sind. Oder: Wir haben 17-Jährige, die Kinder haben und mit der Belastung nicht klarkommen. Kulturbedingte Schwierigkeiten kommen manchmal dazu, die für uns hier vielleicht erst mal ungewöhnlich sind. Zum Beispiel, dass Jugendliche aus Ländern stammen, in deren Kultur Geister eine Rolle spielen. Solche Fälle sind natürlich eher selten. Wenn Kollegen zu mir kommen, geht es meist um Tod. Manchmal um Problemebei der Arbeit.

Die Schüler an der BBS sind zwischen 15 und 21. Kommen die einfach so mit ihren Problemen zu einem Lehrer?

Mann: Nein. Von sich aus sprechen einen die wenigsten an, wenn man nicht ihr Klassenlehrer ist. Im Augenblick ist es so, dass alle langsam darauf aufmerksam werden, dass es einen Schulseelsorger gibt. Aber ich dränge mich nicht auf. Dieser komische Religionskerl wird häufig belächelt. Aber wenn dann mal etwas Schlimmes passiert, dann wird er gebraucht.

Ist den Leuten, die zu Ihnen kommen, klar, dass Sie einen christlichen Hintergrund haben?

Mann: Den meisten nicht. Ich habe kein Kreuz im Beratungszimmer hängen, ich möchte das Angebot möglichst niedrigschwellig halten. Für die meisten Schüler spielt es auch keine Rolle.

Welche Hilfe können Sie im ersten Gespräch anbieten, außer zuzuhören?

Mann: Ich habe eine Art Erste-Hilfe-Kit. Manchmal hilft es, eine Konstellation auf einem Stellbrett darzustellen und von oben draufzugucken. Oder eine gezielte Fragestellung, bei der es nicht darum geht: „Wo kommst du her, was ist dein Problem?“, sondern: „Ging‘s dir schon mal besser? Was war damals anders als jetzt?“

Was ist evangelisch an Ihrem Angebot?

Mann: Die Ausbildung. Und die Tatsache, dass ich einen evangelischen Hintergrund habe. Aber ich bin als Seelsorger für alle da. Ich sehe mich als erste Anlaufstation, die hilft oder guckt, wo geholfen werden kann. Ich bin eine Art kleines Bollwerk, das versucht, ein paar Inhalte und Gedanken rüberzubringen, die man als christlich bezeichnen kann.

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