Sven Reimann kümmert sich um etwa 330 Flüchtlinge und Asylbewerber

Der Mann, der keine Langeweile kennt

Sven Reimann ist seit Anfang April beim Diakonischen Werk als Flüchtlingssozialarbeiter für Syke beschäftigt. Der 29-Jährige hat in Kiel seinen Master in Geschichte und Islamwissenschaften gemacht - Foto: Heinfried Husmann

Syke - Von Michael Walter. Was genau macht eigentlich ein Flüchtlingssozialarbeiter? – Das ist eine Frage, bei der Sven Reimann erstmal tief Luft holen muss. Seit Anfang April ist er in genau dieser Funktion in Syke. Und er hat jedenfalls keine Langeweile.

Reimann kümmert sich um die aktuell rund 330 Flüchtlinge und Asylbewerber und koordiniert die Arbeit von etwa 100 ehrenamtlichen Helfern und Betreuern. 200 weitere Flüchtlinge muss die Stadt Syke laut der aktuell gültigen Zuweisungsquote noch aufnehmen. Wann die kommen, ist unklar. Der Flüchtlingsstrom hat derzeit spürbar nachgelassen. Was für Reimann aber nicht bedeutet, dass er dadurch weniger Arbeit hätte.

„Es kommen im Moment zwar weniger Menschen. Aber bei denen, die schon da sind, kommen neue Thematiken auf.“ Das heißt konkret? „Erst ging es darum, die Leute überhaupt unterzubringen, sie mit dem Nötigsten zu versorgen und ihnen Betreuer zuzuordnen. Jetzt sind die beiden dringendsten Themen Sprache und Arbeit.“

Vor allem im Bereich Sprache laufe schon sehr viel, sagt Reimann. Es gebe aber immer noch deutlichen Verbesserungsbedarf. Das Hauptproblem dabei sieht er vor allem im Lehrermangel. „Manchmal müssen Flüchtlinge monatelang warten, bis sie einen Sprachkurs bekommen. Und dann ist die noch wichtigere Frage: Was passiert nach dem ersten Sprachkurs? Wie geht es dann weiter?“

Das ist für die Erwachsenen ein Problem, genauso aber für Kinder im schulpflichtigen Alter. „Mit den Sommerferien sind sie aus ihrem Sprachunterricht sechs Wochen raus. Danach haben sie wahrscheinlich die Hälfte schon wieder vergessen, wenn in ihrem Umfeld niemand Deutsch spricht.“ Deshalb ist ein Ansatzpunkt für Reimann, diese Kinder in Ferienaktionen einzubinden.

Persönlich hat Sven Reimann bei seiner Arbeit die Sprachbarrieren als überwindbar erfahren. Wenn er direkt zu den Familien geht, ist er mal mit und mal ohne Übersetzer unterwegs. „Viele können prima Englisch. Andere haben Kinder, die schon ganz gut Deutsch können, und ich selbst verstehe ein bisschen Arabisch.“ Seine Beobachtung: „Die Flüchtlinge sind sehr bemüht, die Sprache zu lernen.“

Was das Thema Arbeit betrifft, sind die Dinge etwas komplizierter. Grundsätzlich, erklärt Reimann, dürfen Asylbewerber nach drei Monaten in Deutschland bereits arbeiten. Es gibt aber die Vorgabe, dass sie erst eingestellt werden dürfen, wenn diese Stelle nicht an einen EU-Bürger vermittelt werden kann.

Soweit die Theorie. Das Problem ist die Praxis, sprich die konkrete Vermittlung in Arbeit. „Da laufen jetzt gerade zahlreiche Projekte, zum Teil gekoppelt mit Sprachkursen“, weiß Reimann. Auch die örtlichen Arbeitgeber versprächen sich einiges davon, zumal etliche Handwerksbetriebe bereits Mühe hätten, Personal zu finden. „Wir hatten jetzt gerade den Fall mit einem Asylbewerber aus dem Kosovo. Der hatte hier schon einen Job bekommen. Als sein Asylantrag dann abgelehnt wurde, ist er freiwillig in seine Heimat zurückgereist. Jetzt ist er wieder hier – ganz legal mit einem offiziellen Arbeitsvisum.“

Und sonst? „Soweit läuft alles rund. Die Ehrenamtlichen sind sehr engagiert, und die Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung ist völlig unkompliziert. Das ist in Syke wirklich erstklassig, da habe ich von Kollegen aus anderen Städten schon ganz andere Geschichten gehört.“

Und wenn jetzt die gute Fee kommt und sagt: „Sven, du hast für deine Arbeit drei Wünsche frei!“ Was würde er da antworten? „Dass die Vermittlung in weiterführende Sprachkurse besser vernetzt wird. Dass Arbeitgeber und Arbeit suchende Flüchtlinge enger zusammen finden. Und dass es auch in Zukunft weiter so gut mit den ehrenamtlichen Helfern und Betreuern läuft. Denn ohne die funktioniert das alles nicht.“

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