„Man ist nicht mehr ganz“

Trauercafé bietet Halt und Hilfe nach dem Tod eines geliebten Menschen

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Wenn die Trauer übermächtig wird, hilft der Austausch mit jenen, die in ihrer Trauerarbeit schon weiter sind.

Syke - Von Frank Jaursch. Es kann der Partner sein oder das eigene Kind, die Mutter oder ein guter Freund: Der Tod einer nahestehenden Person löst bei den Hinterbliebenen oft tiefe Trauer aus. Manchmal sofort, manchmal erst nach Monaten oder Jahren. In Syke gibt es seit mittlerweile zehn Jahren einen monatlichen Treff, der Betroffenen Halt und Hilfe geben soll: das Syker Trauercafé.

An jedem ersten Sonntag eines Monats treffen sich die Teilnehmer der lockeren Runde um 16 Uhr im Gemeindehaus bei der Christuskirche. Es ist ein kirchliches Angebot, das Teil des Hospizdienstes der Kirchengemeinden Syke, Barrien und Heiligenfelde ist. Doch das Angebot ist ausdrücklich offen für jeden.

„Wir fragen nicht nach der Konfession“, betont Heide Wolter. Sie ist gemeinsam mit Anja Henning-Rosin und Ansje Feldmann seit der ersten Café-Stunde für die Trauernden da. Mal sind es nur zwei oder drei Gäste, mal sitzt mehr als ein Dutzend Personen an dem gemütlich gedeckten und dekorierten Tisch im kleinen Saal.

„Jeder leidet anders“

Ebenso unterschiedlich wie die Anzahl ist auch das Trauern der Teilnehmer. „Routine wird’s nie werden“, sagt Wolter. „Jeder leidet anders.“ Für viele ist es eine Erleichterung, über die eigenen Gefühle sprechen zu können – und in die Gesichter von Menschen zu blicken, die wissen, was man selbst gerade durchmacht.

Auch die Stimmung innerhalb der Gruppe variiert von Mal zu Mal. Man kann lachen, man kann weinen. Und man kann auch mal mehrmals das Gleiche erzählen, ohne das Gefühl zu haben, die anderen mit der eigenen Traurigkeit zu nerven. „Die anderen verstehen es, wenn ich mal den Faden verlier. Oder wenn mir die Worte fehlen“, beschreibt es Heide Wolter.

Kaum ein Nachmittag läuft ab wie der andere. Mal stehen die Gefühle der Hinterbliebenen im Mittelpunkt, mal die Eigenschaften der Verstorbenen. Mal sind es ganz pragmatische Sachen – Probleme mit Pflegediensten, rechtliche Fragen.

Ein eingespieltes Team

Von den drei ehrenamtlichen Hospizbegleitern sind immer zwei beim Café dabei. So können sie auf besondere Situationen reagieren. Etwa wenn ein Teilnehmer ein Einzelgespräch benötigt. „Da reicht ein Blickkontakt zwischen uns“, sagt Anja Henning-Rosin. Längst sind die drei Frauen ein eingespieltes Team.

Mancher Teilnehmer kommt nur einmal zum Café, andere sind fünf- oder siebenmal zu Gast. Und einige haben jahrelang mit der Dunkelheit in sich zu kämpfen. „Man ist nicht mehr ganz. Man ist nur noch halb“, umschreibt es Henning-Rosin. „Ich sehe keine Sonne mehr“ ist ein anderer Satz, der die Gemütslage vieler Trauernder umschreibt.

Nicht ohne Grund wird das Café in den Herbst- und Wintermonaten stärker frequentiert. „Mal rausgucken und sich auch mal Freude gönnen, das tun viele nicht“, sagt Wolter. Aus diesem Grund hat die Caférunde in den vergangenen Jahren oft gemeinsam die Weihnachtlichen Kulturtage besucht.

Manche Dinge beschäftigen die Helferinnen wochenlang

Wenn die Trauer übermächtig wird, hilft der Austausch mit jenen, die in ihrer Trauerarbeit schon weiter sind. Doch natürlich hat das Engagement der drei Leiterinnen Grenzen. „Wir sind keine Therapeuten“, betont Heide Wolter.

Ihr und ihren beiden Kolleginnen gehen viele Schicksale, die sie zu hören bekommen, oft nahe. „Da sind Dinge dabei, die uns wochenlang beschäftigt haben“, räumt Henning-Rosin ein.

Doch sie spüren auch, wie den Teilnehmern die Bewältigung der Trauer leichter fällt. Anja Henning-Rosin schöpft große Motivation aus dieser Entwicklung. „Es ist toll, zu sehen, wenn es den Leuten besser geht.“

Das Trauercafé trifft sich wieder am 3. Dezember um 16 Uhr im Gemeindehaus der Christusgemeinde. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

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