Kunststück Corona, Teil zwei

Herausforderungen für Pflegekräfte und Angehörige: „Man konnte nicht mal kapitulieren“

  • Anke Seidel
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Landkreis Diepholz – Corona verändert das Leben der Menschen. Vor allem derjenigen, die auf Hilfe angewiesen sind: Senioren in Pflegeheimen und Patienten in Krankenhäusern. Unter vor Corona unvorstellbaren Bedingungen leisten Menschen, die Hilfe für andere zu ihrem Beruf gemacht haben, ihre Arbeit: mit Hygieneabstand und unter Schutzausrüstungen, die zu Beginn der Pandemie nur schwer zu bekommen waren.

Im zweiten Teil des Projektes Kunststück Corona reflektieren die Kulturpreisträger Daniela Franzen und Marcello Monaco genau diesen Lebensbereich. Mit einem Sketch wollen sie zum Nachdenken anregen – und lassen außerdem drei Frauen zu Wort kommen, für die Pflege seit langem Alltag ist. In einzelnen Interviews schildern diese Fachkräfte, wie sie die vergangenen Monate erlebt und überstanden haben.

Vanessa Bokelmann, Pflegedienstleiterin im Haus Drei Linden in Bassum, berichtet von einschneidenden Veränderungen. Bewohner, die mit Einschränkungen leben müssen, verstehen die Veränderungen durch Corona nicht. Erfahrung der Pflegedienstleiterin: Dass Pflegekräfte eine Maske tragen müssen und ihr Gesicht zur Hälfte verdeckt ist, können Menschen mit Demenz kaum oder gar nicht verstehen. Starke Einschränkungen bei den Besuchsregelungen waren ebenso eine enorme Herausforderung. Dass mittlerweile Besuche unter strengen Sicherheitsmaßnahmen wieder möglich sind, empfindet die Pflegedienstleiterin als Erleichterung. Im Haus Drei Linden habe sich niemand mit Corona infiziert. Was wünscht sich Vanessa Bokelmann für die Zukunft? „Mehr Zusammenhalt und mehr Miteinander statt Egoismus“, antwortet sie.

Dazu gehöre mehr Wertschätzung für den Beruf und die Leistung der Pflegekräfte. Bessere Arbeitsbedingungen und bessere Bezahlung für Menschen in systemrelevanten Berufen – das ist der Herzenswunsch von Carmen Laske-Brackland. Und vor allem genug Menschen, die sich mit genug Zeit um die Patienten kümmern können. Carmen Laske-Brackland arbeitet seit 1985 als Pflegekraft und ist heute Hygienebeauftragte im Klinikum Bremen Mitte. Sie berichtet im Interview vom Beginn der Pandemie und dem Kampf um Schutzausrüstung: „Es war ganz schwierig, das benötigte Material zu beschaffen.“ Ganz zu schweigen von der Belastung durch das lange Tragen des Mundschutzes – bis zu Druckstellen im Gesicht.

Kristine Schenk aus Sulingen hat derweil ganz andere Sorgen. Die alleinerziehende Mutter einer Tochter (12) und gelernte Krankenschwester pflegt seit drei Jahren ihre Mutter Lisa – und arbeitet trotzdem noch halbtags. Dass ihre unter Demenz leidende Mutter nicht wie gewohnt die Tagespflege besuchen konnte, stellte Kristine Schenk vor enorme Herausforderungen. Auch die Möglichkeit der Kurzzeitpflege ist keine Option. Das sei vor der Coronakrise schon schwierig gewesen, dann aber gar nicht mehr möglich gewesen. Zum Alltag der dreifach belasteten Sulingerin gehört es, über die eigenen Grenzen zu gehen. In Coronazeiten gibt es keine Entlastungsmöglichkeiten. „Man konnte nicht mal kapitulieren“, beschreibt es Kristina Schenk. Ihre Mutter Lisa erkennt das Engagament dankbar an: „Ich bin froh, dass sich meine Tochter um mich kümmert, dass ich nicht allein bin.“

Hintergrund

In Kunststück Corona reflektieren die Kulturpreisträger Daniela Franzen und Marcello Monaco in Zusammenarbeit mit der Mediengruppe Kreiszeitung und unterstützt von verschiedenen Sponsoren die Herausforderungen im Corona-Alltag und den Umgang damit. Der Landschaftsverband Weser-Hunte, der Energieversorger Avacon und die Volksbank Bassum-Stuhr-Weyhe-Syke unterstützen das Projekt als Sponsoren.

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